Kartenspielregeln

Ass-Zehn-Spiel (Augenspiel) · Spiel 27 von 388 ♥

Bayerisches Tarock

„Der bayerische Wirtshausklassiker zu dritt – reize um das Spiel, hol dir das Haferl und kämpfe um 61 von 120 Augen unter strengem Stichzwang.“

Spieler
3–4
Dauer
45 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
36 Blatt deutsches Bild (oder französisches Blatt 6 bis Ass)
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung lebhaft

Sammlungen: Spiele für drei · Spiele für vier

Kurzregeln

  • Ziel: Alleinspieler braucht 61 von 120 Augen gegen zwei Gegenspieler.
  • Geben: 36 Karten (6–Ass). 11 Karten pro Spieler, 3 Karten in den Stock.
  • Augen: Sau 11, Zehn 10, König 4, Ober 3, Unter 2 (9–6 = 0). Rang: Sau 10 K O U 9 8 7 6.
  • Spiele: Stock (3 Karten aufnehmen, 3 drücken, Herz Trumpf); Solo (Handspiel, freie Farbe); Bettel (ohne Trumpf, 0 Stiche).
  • Stiche: Vorhand spielt aus. Strenge Regeln: Farbzwang, Trumpfzwang und Stichzwang!
  • Tarif: Stock 1, Solo 2, Herz-Solo 3, Bettel 4. +1 für Schneider (91+ Augen) oder Schwarz (alle 11 Stiche).

Spickzettel

Spielwerte und Tarife

Spiel Trumpf Stock Tarif
Stockspiel (Aufnahme) Herz (♥) Getauscht 1×
Solo (Handspiel) Freie Farbe Bleibt beim Solisten 2×
Herz-Solo Herz (♥) Bleibt beim Solisten 3×
Bettel Kein Trumpf Unberührt 4×
  • Augen: Sau 11, Zehn 10, König 4, Ober 3, Unter 2 (9–6 = 0). Gesamt 120; Solist braucht 61+.
  • Prämien: +1× für Schneider (Verlierer <30 Augen); +1× für Schwarz (alle 11 Stiche).
  • Stichregeln: Farbzwang, Trumpfzwang und Stichzwang gelten immer!
  • Bettel-Rang: Sau – König – Ober – Unter – 10 – 9 – 8 – 7 – 6 (Zehn fällt ab; 0 Stiche).

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Kartenwerte und Rangfolge
  3. Geben und Vorbereitung
  4. Das Reizen
  5. Spielweise
  6. Abrechnung und das Haferl
  7. Tipps

Überblick

Bayerisches Tarock (auch Haferltarock) ist der traditionsreiche Wirtshausklassiker für drei Personen im bayerischen Raum. Trotz des Namens gehört es nicht zu den eigentlichen Tarockspielen: Im 18. Jahrhundert adaptierten bayerische Spieler das damalige Grosstarock für ihr gewohntes deutsches Blatt mit 36 Karten.

Ein Alleinspieler tritt gegen die beiden anderen Mitspieler an. Das Ziel ist es, mindestens 61 von 120 Augen in den eigenen Stichen zu sammeln. Gespielt wird unter strengsten Stichregeln: Farbzwang, Trumpfzwang und Stichzwang gelten ausnahmslos.

  • Spieler: 3 aktive Spieler. Zu viert setzt der Geber jeweils eine Runde aus („Geberrunde“).
  • Du brauchst: ein bayerisches Blatt mit 36 Karten (Eichel, Gras, Herz, Schellen von der Sechs bis zur Sau/Daus) oder ein französisches Blatt ohne 2er bis 5er. Spielmarken und ein Gefäß als Topf (Haferl).

Kartenwerte und Rangfolge

In jeder Farbe gilt die klassische Ass-Zehn-Rangfolge, bei der die Zehn direkt hinter dem Ass rangiert:

Sau / Daus (11) – Zehn (10) – König (4) – Ober (3) – Unter (2) – 9 (0) – 8 (0) – 7 (0) – 6 (0)

Die Karten 9, 8, 7 und 6 zählen null Augen und heißen Spatzen.

Karte Augen
Sau / Daus (A) 11
Zehn (10) 10
König (K) 4
Ober (O) 3
Unter (U) 2
9, 8, 7, 6 0

Jede der vier Farben umfasst 30 Augen, insgesamt gibt es 120 Augen. Der Alleinspieler benötigt mindestens 61 Augen zum Sieg; bei einem Gleichstand von 60:60 hat der Alleinspieler verloren.

Geben und Vorbereitung

  1. Links vom Geber sitzt die Vorhand, gefolgt von der Mittelhand und der Hinterhand (dem Geber). Das Geberecht wandert im Uhrzeigersinn.
  2. Der Geber mischt, der Spieler rechts hebt ab. Ausgeteilt wird in Paketen: 4 Karten an jeden Spieler, 3 Karten verdeckt in die Tischmitte (der Stock oder das Gstaat), dann 3 Karten an jeden, dann 4 Karten an jeden. Jeder hält 11 Karten.
Stock11Vorhand11Mittelhand11Hinterhand(Geber)
Bayerisches Tarock – der Tisch nach dem Geben

Das Reizen

Reihum im Uhrzeigersinn, beginnend bei Vorhand, wird der Alleinspieler ermittelt:

  1. Stockspiel (Aufnahme / Herz-Neischaugn): Der Spieler nimmt die 3 Karten des Stocks auf die Hand, drückt 3 beliebige Karten verdeckt in seinen Stichstapel (diese Augen zählen am Ende für ihn; Trümpfe dürfen nicht gedrückt werden) und bestimmt die Trumpffarbe. In der bayerischen Wirtshausvariante ist bei Stockaufnahme Herz als Trumpf vorgeschrieben. Wert: 1 Grundbetrag.
  2. Solo (Handspiel): Der Spieler spielt aus der Hand, ohne den Stock anzusehen. Der Stock wandert am Ende verdeckt in die Stiche des Solisten. Der Spieler wählt eine beliebige Farbe als Trumpf. Wert: 2 Grundbeträge (als Herz-Solo: 3 Grundbeträge).
  3. Bettel: Der Alleinspieler verpflichtet sich, keinen einzigen Stich zu machen. Es gibt keine Trümpfe, und die Zehn rutscht an ihre natürliche Position unter den Unter (Sau – K – O – U – 10 – 9 – 8 – 7 – 6). Wert: 4 Grundbeträge.

Ein höheres Spiel sticht ein niedrigeres (Bettel vor Herz-Solo vor Solo vor Stockspiel). Bei gleichem Spielwunsch hat der Spieler in besserer Sitzposition Vorrang. Passen alle drei Spieler, wird zusammengeworfen.

Spielweise

Vorhand spielt zum ersten Stich aus. Es gelten drei strikte Regeln:

  1. Farbzwang: Die angespielte Farbe muss stets bedient werden, solange man eine Karte dieser Farbe auf der Hand hat.
  2. Trumpfzwang: Wer die angespielte Farbe nicht besitzt, muss stechen, sofern er einen Trumpf hat.
  3. Stichzwang: Wer am Zug ist, muss überstechen, wenn er dazu regelkonform in der Lage ist. Beim Bedienen muss eine höhere Farbkarte gelegt werden; beim Stechen muss ein bereits liegender Trumpf übertrumpft werden.
  4. Erst wenn man weder bedienen noch stechen kann, darf eine beliebige Karte abgeworfen werden.

Der höchste Trumpf oder – wenn kein Trumpf fällt – die höchste Karte der angespielten Farbe gewinnt den Stich und spielt zum nächsten Stich aus.

Abrechnung und das Haferl

Zu Beginn zahlt jeder Spieler einen Einsatz in das Haferl (den gemeinsamen Topf):

  • Stockspiel: Gewinnt der Alleinspieler (mindestens 61 Augen), erhält er 1 Grundbetrag aus dem Haferl. Verliert er, zahlt er 1 Grundbetrag an jeden Gegenspieler und 1 ins Haferl.
  • Handspiel / Solo: Wird direkt zwischen den Spielern abgerechnet, das Haferl bleibt unberührt. Der Solist erhält bei Gewinn von jedem Gegner den Tarif (2 für Solo, 3 für Herz-Solo, 4 für Bettel) und zahlt diesen Betrag bei Verlust an jeden.
  • Schneider (+1 Betrag): Wenn die verlierende Partei unter 30 Augen bleibt.
  • Schwarz / Matsch (+1 Betrag): Wenn der Alleinspieler alle 11 Stiche gewinnt.

Tipps

  • Zehner und Asse im Auge behalten: 84 der 120 Augen stecken in den vier Assen und Zehnern. Jeder Stich mit einer Schmierkarte entscheidet die Partie.
  • Stichzwang ausnutzen: Die Pflicht zum Überstechen zwingt Gegenspieler oft dazu, wertvolle hohe Karten zu opfern.
  • Richtig drücken: Im Stockspiel drückt man am besten blanke Zehner oder Könige von Nebensfarben – so sind die Augen sicher im eigenen Kasten.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Ass-Zehn-Spiel (Augenspiel)
  • Herkunft: 18. Jahrhundert – Bayern
  • Auch bekannt als: Haferltarock, Bayerischer Tarok
  • Verwandte Spiele: Schafkopf, Tapp, Brixentaler Bauerntarock, Skat, Sechsundsechzig

Das Bayerische Tarock (im Volksmund meist Haferltarock genannt) nimmt eine besondere Stellung in der Kulturgeschichte der Kartenspiele ein. Obwohl es den Namen „Tarock“ trägt, wird es nicht mit echten Tarockkarten gespielt und kennt weder Narren noch Bildtrümpfe. Es entstand in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Süddeutschland als der Versuch von Wirtshausspielern, das damals adelige und beliebte Grosstarock mit dem einfachen, überall vorhandenen bayerischen Blatt aus 36 Karten nachzuahmen.

Vom echten Tarock übernahm das Spiel die Bietstruktur, das Aufnehmen eines Talons (des Stocks oder Gstaats) und das Zählen von Augen. Als feste Trumpffarbe bei Stockaufnahme bürgerte sich Herz ein (Herz-Neischaugn), die Karten erhielten die vertrauten bayerischen Schafkopf-Augenwerte (Sau 11, Zehn 10, König 4, Ober 3, Unter 2), und der gemeinsame Spieleinsatz wurde traditionell in einem irdenen Krug oder Topf – dem Haferl – gesammelt.

Über Generationen hinweg war das Spiel in bayerischen und österreichischen Gaststuben allgegenwärtig. Obwohl der vierhändige Schafkopf das Tarockieren im 20. Jahrhundert als unangefochtenes bayerisches Nationalspiel ablöste, hat sich das Haferltarock bis heute als tiefsinniges und taktisches Kartenspiel für drei Personen erhalten.

Quellen