Kartenspielregeln

Patience (Castle-Familie) · Spiel 184 von 388 ♠

Beleaguered Castle

Vier Asse halten die Burg, acht Reihen Karten belagern sie – alle Karten liegen offen, also entscheidet allein deine Planung.

Spieler
1
Dauer
15 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen

Kurzregeln

  • Ziel: alle Karten auf die Asse, nach Farbe, A → K.
  • Vorbereitung: die 4 Asse als Spalte in die Mitte. Die übrigen 48 offen in 8 Reihen zu 6, vier links, vier rechts der Asse; jede Karte überdeckt die vorige.
  • Frei ist nur die äußerste Karte jeder Reihe. Immer nur eine Karte bewegen.
  • Zielstapel: gleiche Farbe, eins höher.
  • Reihen: absteigend, Farbe egal (jede 8 an jede 9).
  • Leere Reihe: jede freie Karte. Ein König kann nur dorthin.
  • Kein Vorrat, kein neuer Durchgang. Nichts geht mehr: verloren.

Spickzettel

Was wohin darf

Wohin Was
Zielstapel gleiche Farbe, eins höher (A → K)
Reihe eins niedriger, Farbe egal
Leere Reihe jede freie Karte
  • Folgen nur Karte für Karte: die 7 in eine leere Reihe, die 8 an eine 9, die 7 zurück an die 8.
  • Denk einen ganzen Spielzug bis zu einer leeren Reihe durch – und plan früh eine für einen König über niedrigen Karten ein.
  • 2er und 3er können bedenkenlos hoch; danach die Zielstapel gleich hoch halten.
  • Etwa jedes dritte Spiel geht auf.

Streets and Alleys

Asse werden mit ausgeteilt: 4 Reihen zu 7, 4 zu 6. Asse kommen in die Mitte, sobald sie frei sind.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Mehrere Karten verschieben
  7. Gewonnen oder verloren
  8. Tipps für Einsteiger
  9. Varianten

Überblick

Beleaguered Castle („Die belagerte Burg“) ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt). Die vier Asse liegen als Burg in einer Spalte in der Mitte, der Rest des Blatts belagert sie in acht Reihen. Du versuchst, alle 52 Karten auf die Asse zu legen, einen Stapel pro Farbe, vom Ass bis zum König. Alle Karten liegen von Anfang an offen – nach dem Austeilen entscheidet also kaum noch Glück, sondern vor allem deine Planung.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker, und einen Tisch mit Platz für eine breite Auslage.
  • Dauer: etwa 15 Minuten pro Spiel.

Rangfolge

Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

Die Teile der Auslage

  • Zielstapel: die vier Stapel in der Mitte, einer pro Farbe, jeder beginnt mit seinem Ass. Hier sammelst du die Karten der Reihe nach, vom Ass bis zum König.
  • Auslage: die acht waagerechten Reihen, vier links und vier rechts der Asse, in denen du die Karten umsortierst. Die vier Reihen auf einer Seite heißen zusammen Flügel.
  • Freie Karte: In jeder Reihe liegen die Karten überlappend, sodass du alle sehen kannst. Bewegen darfst du aber nur die äußerste Karte – die am weitesten von den Assen entfernte, die oben auf den anderen liegt.

Einen Vorrat gibt es nicht: Alle Karten liegen von Anfang an in der Auslage.

Vorbereitung

  1. Such die vier Asse heraus und leg sie in der Mitte des Tischs untereinander in eine Spalte. Das sind die Zielstapel.
  2. Misch die übrigen 48 Karten und leg sie offen in acht Reihen zu je sechs Karten aus – vier Reihen links der Asse, vier rechts, auf jeder Seite eine Reihe neben jedem Ass. Teil spaltenweise aus, abwechselnd in den linken und den rechten Flügel, sodass jede neue Karte die vorige ihrer Reihe halb bedeckt und weiter außen liegt.

Beispiel (die äußerste, freie Karte jeder Reihe ist fett):

Linker Flügel Asse Rechter Flügel
8♦ D♦ 5♦ 7♥ 6♠ 8♠ A♠ B♠ D♣ 9♥ 2♥ 9♠ 4♥
10♠ D♥ 3♠ B♦ 5♣ 2♦ A♥ K♣ 9♦ 3♥ 5♠ B♥ K♦
7♣ 7♦ 4♦ 9♣ K♥ D♠ A♦ 4♠ 6♦ 10♥ B♣ 8♥ 10♣
3♦ K♠ 7♠ 6♣ 2♣ 5♥ A♣ 8♣ 4♣ 3♣ 10♦ 2♠ 6♥
Linker Flügel8♠6♠7♥5♦D♦8♦8♦♦AsseA♠A♠♠Rechter FlügelB♠D♣9♥2♥9♠4♥4♥♥2♦5♣B♦3♠D♥10♠10♠♠A♥A♥♥K♣9♦3♥5♠B♥K♦K♦KD♠K♥9♣4♦7♦7♣7♣♣A♦A♦♦4♠6♦10♥B♣8♥10♣10♣♣5♥2♣6♣7♠K♠3♦3♦♦A♣A♣♣8♣4♣3♣10♦2♠6♥6♥♥
Beleaguered Castle – die Beispiel-Auslage; die äußerste Karte jeder Reihe liegt oben

Die Reihen gehören zu keinem bestimmten Ass – sie liegen nur daneben.

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge. Du bewegst immer nur eine Karte, und zwar nur eine freie (die äußerste Karte einer Reihe). Diese Züge sind erlaubt:

  1. Auf einen Zielstapel: Leg eine freie Karte auf den Zielstapel ihrer Farbe, wenn sie einen Wert höher ist als die oberste Karte dort: die 2♥ auf das A♥, dann die 3♥ und so weiter bis zum K♥.
  2. An eine andere Reihe: Leg eine freie Karte an die äußerste Karte einer anderen Reihe, wenn sie einen Wert niedriger ist – Farbe egal. Man sagt: absteigend anlegen. Jede 9 passt also an jede 10, jede 8 an diese 9.
  3. Leere Reihen: Hat eine Reihe keine Karten mehr, ist ihr Platz frei. Dorthin darfst du jede freie Karte legen; sie beginnt eine neue Reihe.

Einen Vorrat und einen neuen Durchgang gibt es nicht. Geht kein sinnvoller Zug mehr, ist das Spiel vorbei.

Beispiel: Im Bild oben legst du die 3♦ aus der Reihe links unten an die 4♥ am Ende der Reihe rechts oben (einen Wert niedriger, Farbe egal). Jetzt ist der K♠ die äußerste Karte der Reihe links unten. Der K♠ selbst kann nur in eine leere Reihe umziehen, aber jede Dame darf an ihn angelegt werden.

Mehrere Karten verschieben

Weil du immer nur eine Karte bewegen darfst, kannst du eine Folge wie 9–8–7 nicht einfach am Stück umlegen. Mit freien Plätzen geht es aber Schritt für Schritt: die 7 auf den freien Platz, die 8 an die gewünschte 9, dann die 7 zurück an die 8. Viele Computerversionen erledigen diese Schritte automatisch.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den vier Zielstapeln liegen, jeder vom Ass bis zum König in einer Farbe. Geht kein sinnvoller Zug mehr, ist die Patience nicht aufgegangen – misch neu und versuch es noch einmal. Morehead und Mott-Smith schätzten, dass etwa jedes dritte Spiel aufgeht; bei perfektem Spiel (alle Karten sind ja sichtbar) sind es rund zwei Drittel.

Tipps für Einsteiger

  • Mach keinen Zug, bevor du einen ganzen Spielzug durchdacht hast, der zu einer leeren Reihe führt. Leere Reihen sind der Schlüssel zum Spiel.
  • 2er und 3er kannst du immer bedenkenlos auf die Zielstapel legen. Danach halt die vier Zielstapel möglichst gleich hoch – ein Stapel, der weit vorausläuft, nimmt dir Karten weg, die du in der Auslage brauchst.
  • Schau vor dem ersten Zug, wo die niedrigen Karten (2er, 3er) vergraben liegen, und plane, wie du sie freibekommst.
  • Könige können nur in eine leere Reihe umziehen. Liegt eine niedrige Karte unter einem König, bekommst du sie nur frei, wenn du den König in eine freie Reihe legst – plane früh eine leere Reihe dafür ein.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Streets and Alleys („Straßen und Gassen“): Die Asse werden nicht vorher herausgesucht. Misch alle 52 Karten und teil sie auf die acht Reihen aus; die Spalte in der Mitte bleibt frei. Vier Reihen bekommen sieben Karten, vier Reihen sechs. Asse kommen in die Mittelspalte, sobald sie frei werden. Sonst gelten dieselben Regeln. Schwerer – laut Morehead und Mott-Smith geht nur etwa jedes vierte Spiel auf.
  • Citadel („Zitadelle“): Die Asse bleiben im Blatt. Beim Austeilen kommt jedes Ass sofort in die Mitte, und jede Karte, die auf einen Zielstapel passt, kommt dorthin statt in die Reihe (nur die gerade ausgeteilte Karte, keine, die schon in einer Reihe liegt). Manche Reihen werden dadurch kürzer. Danach spielst du wie gewohnt.
  • Folgen verschieben: Du darfst eine ganze Folge auf einmal verschieben, wenn du genug leere Reihen hast, um es Karte für Karte zu tun (wie oben beschrieben) – das spart nur Zeit.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Castle-Familie: offene Patience, alle Karten offen, absteigend ohne Rücksicht auf die Farbe anlegen, immer nur eine Karte bewegen)
  • Herkunft: erstmals 1883 in den USA von William B. Dick beschrieben
  • Auch bekannt als: Die belagerte Burg, Laying Siege, Sham Battle
  • Ähnliche Spiele: Streets and Alleys, Citadel, Fortress, Chessboard, FreeCell

Die älteste bekannte Beschreibung steht in Dick’s Games of Patience (New York, 1883) unter dem Namen „The Beleaguered Castle“. Dick erklärt schon den Kern des Spiels – eine ganze Reihe abspielen und so eine „Gasse“ öffnen, denn „der Erfolg des Spiels hängt ganz von diesen Gassen ab“ – und nennt es eines der wenigen Spiele, in denen Geschick den Zufall aufwiegt. Im selben Buch beschreibt er The Citadel (Asse und passende Karten kommen schon beim Austeilen auf die Zielstapel), The Exiled Kings (nur ein König darf eine leere Reihe füllen) und Penelope’s Web: Dort wird das ganze Blatt samt Assen ausgeteilt, und nur Könige dürfen leere Reihen füllen – ein „überaus schwieriger“ Vorläufer von Streets and Alleys.

Laut der englischen Wikipedia gehört das Spiel seitdem zum festen Bestand der Spielebücher. Morehead und Mott-Smith (1949) rechnen mit etwa 15 Minuten und einem Sieg in drei Spielen, bei Streets and Alleys mit einem in vier. David Parlett nennt Citadel, Fortress, Chessboard und Streets and Alleys als Verwandte. Deutsche Patience-Seiten wie 123patience.de nennen es „Die belagerte Burg“.

Weil alle Karten sichtbar sind, lässt sich das Spiel vollständig durchrechnen. Charlie Blake und Ian Gent (2019) ermittelten, dass sich bei perfektem Spiel etwa 68 % der Spiele von Beleaguered Castle und etwa 51 % der Spiele von Streets and Alleys gewinnen lassen. Manchmal wird es „FreeCell ohne freie Zellen“ genannt.

Quellen