Kartenspielregeln

Patience (Fächer-Familie) · Spiel 195 von 388 ♥

Bristol

Acht kleine Fächer, drei Reservestapel, Farben egal – eine schnelle Patience, bei der die Gefahr in hohen Karten auf niedrigen liegt.

Spieler
1
Dauer
5 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen

Kurzregeln

  • Ziel: alle Karten auf 4 Zielstapel, A → K, Farbe egal.
  • 8 Fächer zu 3 offen; jeden König ganz nach unten in seinen Fächer. 3 Karten darunter: die Reservestapel. Übrige 25 = Vorrat.
  • Eine oberste Karte (Fächer oder Reserve) pro Zug: auf einen Zielstapel – ein Ass beginnt einen, dann einen höher, Farbe egal – oder an einen Fächer, einen niedriger, Farbe egal.
  • Auf die Reservestapel darf nichts. Leerer Fächer: bleibt leer.
  • Nachgeben, wann du willst: je 1 Karte auf jeden Reservestapel; beim 9. Mal nur 1 Karte, auf den ersten.
  • Kein neuer Durchgang. Vorrat leer, nichts geht: verloren.

Spickzettel

Wohin darf eine Karte?

Wohin Was
Zielstapel Ass, dann einen höher, Farbe egal
Fächer einen niedriger, Farbe egal
Reservestapel nur aus dem Vorrat
Leerer Fächer nichts
Bewegen eine Karte pro Zug

Aufgepasst

  • Ein leerer Reservestapel bekommt erst beim nächsten Nachgeben wieder eine Karte.
  • Die eigentliche Gefahr ist ein verkehrtes Paar – eine höhere Karte über einer niedrigeren, im Fächer oder auf der Reserve. Schaff die höhere Karte weg oder bau einen Zielstapel bis zu ihr auf.
  • Vor jedem Nachgeben alles abspielen, was geht – sonst wird es zugedeckt.
  • Keinen Fächer ohne Grund abräumen: Der Platz ist für immer verloren.
  • Etwa jedes dritte Spiel geht auf.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Gewonnen oder verloren
  7. Tipps für Einsteiger
  8. Varianten

Überblick

Bristol ist eine schnelle Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt). Du sammelst das ganze Blatt auf vier Stapeln, jeder vom Ass bis zum König. Farben spielen überhaupt keine Rolle – jede 2 passt auf jedes Ass, jede 6 an jede 7. Schwierig wird es durch hohe Karten, die auf niedrigen liegen, und durch die drei Reservestapel, die sich mit allem füllen, was der Vorrat bringt.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.
  • Dauer: etwa 5 Minuten pro Spiel.

Rangfolge

Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

Die Teile der Auslage

  • Auslage: acht kleine Fächer. Ein Fächer ist eine Gruppe Karten, so aufgefächert, dass du alle siehst; bewegen darfst du nur die oberste Karte – die, die ganz frei liegt.
  • Zielstapel: vier Stapel über der Auslage, jeder beginnt mit einem Ass und wächst bis zum König. Zu Beginn sind sie leer.
  • Reserve: drei Stapel unter der Auslage. Spielbar ist jeweils nur die oberste Karte.
  • Vorrat: der verdeckte Rest des Blatts.

Vorbereitung

  1. Misch und leg acht Fächer zu je drei Karten offen aus.
  2. Liegt in einem Fächer ein König, schieb ihn ganz nach unten in seinen Fächer (unter die anderen Karten). Das gilt für jeden König in der Auslage; liegen zwei Könige in einem Fächer, kommen beide nach unten und behalten ihre Reihenfolge.
  3. Leg unter der Auslage drei Karten offen in eine Reihe. Sie beginnen die drei Reservestapel.
  4. Die übrigen 25 Karten sind der Vorrat.
AAAAZielstapelA♥3♦4♠4♠♠7♥4♦A♦A♦♦K♣10♥B♦B♦BB♠7♦7♠7♠♠D♠5♥8♦8♦♦10♣D♥6♦6♦♦2♠6♥6♠6♠♠3♠9♥6♣6♣♣9♣9♣♣5♣5♣♣Reserve3♣3♣♣25Vorrat
Bristol – so liegen die Karten am Anfang (der König liegt unten in seinem Fächer)

Spielablauf

Du bewegst immer nur eine Karte. Die oberste Karte eines Fächers oder eines Reservestapels darf:

  • auf einen Zielstapel: Ein Ass beginnt einen neuen Zielstapel; jede andere Karte kommt auf einen Zielstapel, dessen oberste Karte einen Wert niedriger ist – Farbe egal (eine 5 auf jede 4);
  • an einen Fächer: auf eine Karte, die einen Wert höher ist – Farbe egal (eine 9 auf jede 10).

Auf die Reservestapel darfst du keine Karten legen, und Karten auf den Zielstapeln bleiben liegen.

Ist ein Fächer ganz abgeräumt, bleibt sein Platz für immer leer – deshalb kommen die Könige am Anfang nach unten.

Kannst oder willst du nichts mehr bewegen, gibst du aus dem Vorrat nach: je eine Karte offen auf jeden der drei Reservestapel, dann spielst du weiter. Ein leer gewordener Reservestapel bekommt erst beim nächsten Nachgeben wieder eine Karte. Nach neun Runden ist der Vorrat leer; die letzte ist nur eine einzelne Karte, die auf den ersten Reservestapel kommt.

Beispiel: Auf den Zielstapeln liegen eine 3 und eine 5. Auf einem Reservestapel liegt eine 6, auf einem Fächer eine 4. Die 4 kommt auf die 3, die 6 auf die 5. Unter der 4 liegt eine 7: Leg sie an eine 8 in einem anderen Fächer, dann ist die Karte darunter frei.

Es gibt keinen neuen Durchgang.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den Zielstapeln liegen. Ist der Vorrat aufgebraucht und keine Karte kann mehr bewegt werden, ist die Patience nicht aufgegangen. Morehead und Mott-Smith schätzten, dass etwa jedes dritte Spiel aufgeht.

Tipps für Einsteiger

  • Die eigentliche Gefahr ist ein verkehrtes Paar: eine höhere Karte über einer niedrigeren, in einem Fächer oder auf einem Reservestapel. Schaff die höhere Karte in der Auslage weg oder bau schnell einen Zielstapel auf, um sie loszuwerden.
  • Die Reservestapel sind genauso gefährlich wie die Fächer: Was dort begraben ist, kommt nur von oben wieder frei. Spiel vor jedem Nachgeben alles ab, was geht, damit es nicht zugedeckt wird.
  • Räum keinen Fächer ohne Grund ab – den leeren Platz kannst du nie mehr nutzen.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Belvedere: Leg vor dem Austeilen ein Ass als ersten Zielstapel heraus; sonst gelten dieselben Regeln.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Fächer-Familie: halboffene Patience, kleine Fächer, abwärts anlegen ohne Rücksicht auf die Farbe)
  • Herkunft: USA, erfunden von Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith, zuerst veröffentlicht 1949
  • Auch bekannt als: Bristol Fans, Ship Shape and Bristol Fashion (spätere Buchtitel)
  • Ähnliche Spiele: Belvedere, La Belle Lucie, New York

Bristol ist eine der wenigen Patiencen, deren Erfinder bekannt sind. David Parlett schreibt sie in The Penguin Book of Patience (1979) den amerikanischen Kartenspiel-Autoren Albert H. Morehead und Geoffrey Mott-Smith zu; sie steht in deren Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949). Dort rechnen sie mit fünf Minuten pro Spiel und einem Sieg in drei Spielen; Peter Arnold ist in Card Games for One (2. Auflage, 2011) mit einem von vier etwas vorsichtiger. Warum das Spiel Bristol heißt, ist nicht überliefert.

Die Auslage aus kleinen Fächern stammt von La Belle Lucie, sonst ist bei Bristol fast alles anders: Die Farben zählen weder auf den Zielstapeln noch in der Auslage, und statt neuer Durchgänge gibt es drei Reservestapel, die aus dem Vorrat gefüllt werden. Dass jeder König am Anfang nach unten kommt, ist entscheidend, denn ein leerer Fächer wird nie wieder belegt. Michael Kellers Patience-Bibliografie merkt an, dass mindestens ein späteres Buch die Regeln falsch wiedergab und die Zielstapel nach Farbe aufbauen ließ – so geht das Spiel kaum je auf.

Manche Bücher haben das Spiel umbenannt, etwa in Bristol Fans (The Klutz Book of Card Games, 1990) oder Ship Shape and Bristol Fashion (Michael Johnstone, 1989). Die bekannteste Variante, Belvedere, legt vor dem Austeilen ein Ass als Zielstapel heraus.

Quellen