Patience (Sir-Tommy-Familie) · Spiel 185 von 388 ♥
Calculation
Zähl in Einer-, Zweier-, Dreier- und Viererschritten – eine Patience, bei der alles davon abhängt, wohin du die nächste Karte legst.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 15 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- knifflig
- Karten
- 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Patiencen
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Kartenwerte
- Die Teile der Auslage
- Die vier Folgen
- Vorbereitung
- Spielablauf
- Gewonnen oder verloren
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Calculation ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) für alle, die gern vorausdenken. Du baust vier Stapel gleichzeitig auf: Der erste zählt in Einerschritten, der zweite in Zweierschritten, der dritte in Dreier- und der vierte in Viererschritten – und alle vier müssen mit einem König enden. Die Farben spielen überhaupt keine Rolle. Die ganze Kunst liegt darin, wohin du die Karten legst, die du noch nicht brauchen kannst.
- Spieler: 1
- Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.
- Dauer: etwa 15 Minuten pro Spiel.
Kartenwerte
Zum Zählen gilt: Ass = 1, 2–10 zählen ihre Augen, Bube = 11, Dame = 12, König = 13.
Geht eine Zählung über 13 hinaus, fängst du von vorn an: Du ziehst 13 ab. Zählst du zum Beispiel in Zweierschritten von der Dame (12) weiter, kommst du auf 14, und 14 − 13 = 1 – die nächste Karte ist also ein Ass.
Die Teile der Auslage
- Zielstapel: vier Stapel in einer Reihe, begonnen mit einem Ass, einer 2, einer 3 und einer 4 (beliebige Farben). Darauf legst du in festen Schritten – siehe Tabelle unten. Jeder endet mit einem König.
- Abwurfstapel: vier Stapel unter den Zielstapeln, zu Beginn leer, für Karten, die du noch nicht brauchen kannst. Leg jeden Stapel nach unten aufgefächert, sodass du alle Karten siehst – spielbar ist aber nur die oberste (zuletzt gelegte) Karte.
- Vorrat: der verdeckte Rest des Blatts, den du in der Hand hältst.
Die vier Folgen
Die Farbe ist egal – jede Karte mit dem richtigen Wert passt.
| Zielstapel | Schritt | Reihenfolge nach der Grundkarte |
|---|---|---|
| A | 1 | 2 3 4 5 6 7 8 9 10 B D K |
| 2 | 2 | 4 6 8 10 D A 3 5 7 9 B K |
| 3 | 3 | 6 9 D 2 5 8 B A 4 7 10 K |
| 4 | 4 | 8 D 3 7 B 2 6 10 A 5 9 K |
Vorbereitung
- Such ein beliebiges Ass, eine 2, eine 3 und eine 4 heraus und leg sie von links nach rechts in eine Reihe. Das sind die Zielstapel.
- Misch die übrigen 48 Karten und halt sie verdeckt als Vorrat in der Hand.
- Lass unter den Zielstapeln Platz für vier Abwurfstapel.
Spielablauf
Deck die oberste Karte des Vorrats auf. Du musst sie sofort unterbringen:
- auf einem Zielstapel, wenn sie dort als Nächstes an der Reihe ist, oder
- auf einem der vier Abwurfstapel – jede Karte darf auf jeden Abwurfstapel, in beliebiger Reihenfolge.
Außerdem darfst du jederzeit die oberste Karte eines Abwurfstapels auf einen Zielstapel legen, wenn sie passt. Dadurch wird die Karte darunter frei, die vielleicht auch gleich passt.
Karten dürfen nie von einem Abwurfstapel auf einen anderen wandern oder von einem Zielstapel zurück. Liegt eine Karte einmal auf einem Abwurfstapel, kommt sie nur noch auf einen Zielstapel wieder weg.
Beispiel: Du beginnst mit A, 2, 3, 4. Du deckst eine 6 auf – sie kommt auf die 3 (3, 6, 9 …). Dann eine 8 – sie kommt auf die 4 (4, 8, 12 …). Dann ein König: Noch will kein Zielstapel einen König, also kommt er auf einen Abwurfstapel. Diesen Stapel hebst du dir nur für Könige auf. Als Nächstes kommt eine 5: Der A-Stapel braucht eine 2, der 2er-Stapel eine 4 – also kommt auch die 5 auf einen Abwurfstapel, aber nicht auf den König.
Gewonnen oder verloren
Du gehst nur einmal durch den Vorrat – kein neuer Durchgang. Ist der Vorrat leer, legst du so lange Karten von den Abwurfstapeln auf die Zielstapel, wie es geht. Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den vier Zielstapeln liegen, jeder mit einem König obenauf. Bleiben Karten auf den Abwurfstapeln liegen und keine passt mehr, ist die Patience nicht aufgegangen. Morehead und Mott-Smith schätzten, dass etwa jedes fünfte Spiel aufgeht.
Tipps für Einsteiger
- Heb einen Abwurfstapel für Könige auf: Ein König auf einer niedrigen Karte blockiert sie, bis ein ganzer Zielstapel fertig ist. Liegen schon drei (vielleicht zwei) Könige, kannst du es wagen, alle vier Stapel für andere Karten zu nutzen.
- Versuch, auf den Abwurfstapeln absteigende Schritte passend zu einem Zielstapel zu bilden – zum Beispiel 9, 7, 5 auf einem Stapel für den 2er-Stapel. Schon zwei oder drei Karten in der richtigen Reihenfolge helfen viel.
- Leg möglichst nicht zwei gleiche Werte auf denselben Stapel.
- Behalt im Blick, wie bald jede Karte gebraucht wird, und deck bald gebrauchte Karten nur mit noch früher gebrauchten zu.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.
- Ohne vorgelegte Zielstapel: A, 2, 3, 4 werden nicht vorher herausgesucht; jeder Zielstapel beginnt erst, wenn ein passendes Ass, eine 2, 3 oder 4 im Spiel auftaucht. Schon William B. Dick (1883) nannte das spannender, aber schwerer – es gehe „selten auf“.
- Drei Abwurfstapel: Spiel mit nur drei statt vier Abwurfstapeln. Deutlich schwerer.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (Sir-Tommy-Familie: Karten aus dem Vorrat kommen auf wenige Abwurfstapel, Zielstapel ohne Rücksicht auf die Farbe)
- Herkunft: vermutlich Frankreich; zuerst 1883 von William B. Dick auf Englisch beschrieben
- Auch bekannt als: Broken Intervals, Hopscotch, Four Kings Solitaire; La Plus Belle (Frankreich)
- Ähnliche Spiele: Betsy Ross (Musical), Sir Tommy, Devil’s Grip
Die älteste Beschreibung, die wir gefunden haben, steht in Dick’s Games of Patience (New York, 1883) unter dem Namen „The Calculation“. Die Regeln sind genau die heutigen: ein beliebiges Ass, eine 2, 3 und 4 als Zielstapel, aufgebaut in Einer-, Zweier-, Dreier- und Viererschritten ohne Rücksicht auf die Farbe, vier Abwurfstapel „nach Belieben des Spielers“, kein Umlegen zwischen ihnen und kein neuer Durchgang. Dick ergänzt, manche Spieler legten die Zielstapel erst aus, wenn ihre Grundkarten auftauchen – das gehe „selten auf“. Laut der englischen Wikipedia stammt das Spiel aus Frankreich, wo es La Plus Belle heißt.
Morehead und Mott-Smith (1949) führen es als Calculation, auch Broken Intervals („unterbrochene Abstände“), rechnen mit 15 Minuten pro Spiel und einem Sieg in fünf Spielen. Calculation verlange „höchstes Geschick“, mache es aber oft durch Pech zunichte. Ihr Rat – einen Abwurfstapel für Könige freihalten und auf den anderen kurze absteigende Folgen bilden – ist bis heute die übliche Strategie. Auch deutsche Patience-Seiten nennen das Spiel Calculation.
Calculation gehört zur Sir-Tommy-Familie, in der Karten aus dem Vorrat auf wenige Abwurfstapel kommen und nur deren oberste Karten spielbar sind. Der engste Verwandte, Betsy Ross (auch Musical genannt), baut in denselben Schritten, hat aber nur einen Abwurfstapel und erlaubt zwei neue Durchgänge. Die Namen überschneiden sich: Die Wikipedia führt Four Kings und Plus Belle bei beiden Spielen als Namen.
Quellen
- Calculation Patience – Regeln und Anleitung – 123patience.de
- Calculation – Patiencen.org
- Calculation (card game) – Wikipedia (englisch)
- Musical (card game) – Wikipedia (englisch)
- Dick’s Games of Patience (1883) – Internet Archive (englisch)
- Morehead & Mott-Smith: The Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949) – Internet Archive (englisch)
- Calculation – BVS Solitaire (englisch)