Patience (Baker’s-Dozen-Familie) · Spiel 194 von 388 ♠
Cruel
Zwölf Stapel, alle Karten offen und so viele neue Verteilungen, wie du willst – aber jede verschiebt die Karten, und das musst du vorhersehen.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 10 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- mittel
- Karten
- 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Patiencen
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Rangfolge
- Die Teile der Auslage
- Vorbereitung
- Spielablauf
- Neu verteilen
- Gewonnen oder verloren
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Cruel („grausam“) ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt), bei der alle Karten von Anfang an offen liegen. Du sortierst das Blatt auf vier Stapel, einen pro Farbe, vom Ass bis zum König. Einen Vorrat zum Aufdecken gibt es nicht: Stattdessen sammelst du die Auslage ein, wann immer du willst, und legst sie neu aus – ohne zu mischen. Die Karten behalten also ihre Reihenfolge, landen aber in anderen Stapeln. Vorherzusehen, was eine neue Verteilung bewirkt, ist der ganze Trick.
- Spieler: 1
- Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.
- Dauer: etwa 10 Minuten pro Spiel.
Rangfolge
Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:
A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K
Es zählt nur die Farbe (♠ ♥ ♦ ♣); ob rot oder schwarz, spielt keine Rolle.
Die Teile der Auslage
- Zielstapel: vier Stapel, einer pro Farbe, auf denen du die Karten vom Ass bis zum König sammelst. Sie beginnen mit den vier Assen.
- Auslage: die zwölf Stapel vor dir. Jeder Stapel ist leicht aufgefächert, sodass du alle Karten siehst – bewegen darfst du aber nur die oberste Karte, also die zuletzt gelegte, die ganz frei liegt.
Vorbereitung
- Such die vier Asse heraus und leg sie in eine Reihe. Das sind die Zielstapel.
- Misch die übrigen 48 Karten und leg sie offen in 12 Stapeln zu je 4 Karten aus: vier Karten auf den ersten Stapel, die nächsten vier auf den zweiten und so weiter. Leg die Stapel in zwei Reihen zu sechs. Merk dir die Reihenfolge: obere Reihe von links nach rechts, dann untere Reihe von links nach rechts – Stapel 1 liegt oben links, Stapel 12 unten rechts.
Spielablauf
Du bewegst immer nur eine Karte – die oberste Karte eines Stapels:
- Auf einen Zielstapel, wenn sie dort als Nächstes an der Reihe ist: die 2♥ auf das A♥, dann die 3♥ und so weiter.
- Auf einen anderen Stapel, wenn sie einen Wert niedriger und von derselben Farbe ist wie dessen oberste Karte: Die 5♣ darf auf die 6♣, aber nicht auf die 6♠ oder die 6♥.
Mehrere Karten auf einmal darfst du nie verschieben. Ist ein Stapel ganz abgeräumt, bleibt die Lücke leer – dort darf keine Karte hin.
Beispiel: Oben liegen unter anderem 3♦, 8♠, 9♠ und 2♦. Auf den Zielstapeln liegen A♦ und A♠. Leg die 2♦ und dann die 3♦ auf das A♦. Die 8♠ kommt auf die 9♠ – damit ist die Karte unter der 8♠ frei.
Neu verteilen
Wann immer du willst – meistens, wenn nichts mehr geht –, darfst du neu verteilen:
- Nimm den letzten Stapel (Stapel 12) und leg ihn offen und in derselben Reihenfolge oben auf Stapel 11. Nimm beide zusammen und leg sie auf Stapel 10 und so weiter, bis alle Karten der Auslage als ein Päckchen an der Stelle von Stapel 1 liegen.
- Dreh das Päckchen um und leg es ohne zu mischen von links nach rechts neu aus, je vier Karten pro Stapel. Der letzte Stapel hat vielleicht weniger als vier Karten.
Die Karten bleiben in genau derselben Reihenfolge – nur die Grenzen zwischen den Stapeln verschieben sich. Jeder Stapel, der Karten verloren hat, wird mit Karten der folgenden Stapel aufgefüllt.
Beispiel: Vor dem Neuverteilen liegen auf Stapel 1 (von unten nach oben) 5♣ 9♥, auf Stapel 2 K♦ 3♠ 8♣ und auf Stapel 3 B♥ 4♦ 6♠ 2♣. Danach liegen auf Stapel 1 5♣ 9♥ K♦ 3♠, auf Stapel 2 8♣ B♥ 4♦ 6♠, und Stapel 3 beginnt mit der 2♣.
Du darfst beliebig oft neu verteilen.
Gewonnen oder verloren
Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den Zielstapeln liegen, jeder mit seinem König obenauf. Verteilst du neu, ohne seit dem letzten Mal eine Karte bewegt zu haben, entsteht wieder genau dieselbe Auslage – geht dann kein Zug mehr, ist die Patience nicht aufgegangen.
Tipps für Einsteiger
- Rechne vor jedem Neuverteilen nach: Welche Karten landen oben auf den neuen Stapeln? Manchmal ist es besser, eine Karte liegen zu lassen, damit die neue Verteilung dir eine nützliche Karte nach oben bringt.
- Stapel 1 beginnt immer mit derselben Karte. Liegt dort einmal ein König über einer niedrigeren Karte derselben Farbe, kommt diese Karte nie mehr frei, und die Patience kann nicht aufgehen – bau Stapel 1 nie so auf.
- Eine Karte auf einen Zielstapel zu legen, ist meist gut. Aber auch absteigende Folgen in einer Farbe in der Auslage helfen: Sie wandern später in einem Rutsch auf die Zielstapel.
- Verteil nicht zu früh neu. Mach erst alle hilfreichen Züge, dann plan die neue Verteilung.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.
- Neu verteilen nur, wenn nichts mehr geht: Du darfst erst neu verteilen, wenn keine Karte mehr bewegt werden kann. Etwas schwerer.
- Perseverance: das ältere Spiel, auf dem Cruel beruht. Hier darfst du auch eine Folge absteigender Karten derselben Farbe als Ganzes verschieben, aber nur zweimal neu verteilen.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (Baker’s-Dozen-Familie: offene Patience, alle Karten sichtbar, in der Auslage abwärts anlegen)
- Herkunft: USA; früheste bekannte Form 1928 (als Quadruplets), bekannt geworden 1990 durch Microsoft
- Auch bekannt als: Quadruplets (ältere Form)
- Ähnliche Spiele: Perseverance, Baker’s Dozen, Bisley
Bekannt wurde Cruel 1990, als Microsoft es in das erste Microsoft Entertainment Pack für Windows 3.0 aufnahm. Viele andere Programme übernahmen es danach – deshalb folgen die meisten Regelbeschreibungen heute der Computerfassung: Asse vorab heraus, zwölf Stapel zu vier Karten, abwärts in derselben Farbe anlegen, immer nur eine Karte und beliebig oft neu verteilen.
Das Spiel selbst ist älter. Laut der englischen Wikipedia beruht Cruel auf Perseverance („Beharrlichkeit“), das dieselbe Auslage hat, aber das Verschieben ganzer Folgen erlaubt und nur zwei neue Verteilungen. Michael Kellers Bibliografie auf Solitaire Laboratory weist darauf hin, dass ein kleines Buch von Arthur Lewis Pope und Harry Johnson, 30 Games of Solitaire (Cincinnati, 1928), dasselbe Spiel unter dem Namen Quadruplets („Vierlinge“) beschreibt – nur dass die Asse nicht vorab herausgesucht werden und anders ausgeteilt wird. Woher der Name Cruel („grausam“) kommt, ist nicht belegt.
Das Besondere ist das Neuverteilen: Weil die Karten ohne Mischen eingesammelt und wieder ausgelegt werden, kann man genau vorausberechnen, wo jede Karte landet. Jan Wolter ließ 2014 eine Million Spiele vom Computer durchrechnen: Etwa drei von vier Spielen sind bei perfektem Spiel zu gewinnen – weit mehr, als die meisten Spieler schaffen.