Kartenspielregeln

Patience (Fächer-Familie) · Spiel 182 von 388 ♣

La Belle Lucie

Achtzehn Fächer, jede Karte offen – und trotzdem lässt dich die schöne Lucie nur selten gewinnen.

Spieler
1
Dauer
15 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Platz 9 in Die besten Patiencen

Sammlungen: Patiencen

Kurzregeln

  • Ziel: alle 52 Karten auf 4 Zielstapel, nach Farbe, A → K.
  • 17 Fächer zu 3 offen auslegen; die letzte Karte ist ein 18. Fächer.
  • Nur oberste Karten bewegen, einzeln.
  • Asse eröffnen Zielstapel; aufwärts in derselben Farbe.
  • An Fächer: absteigend in derselben Farbe (8♣ auf 9♣). Rot/Schwarz ist egal.
  • Leerer Fächer: bleibt leer.
  • Festgefahren: alle Karten außerhalb der Zielstapel mischen, neu zu 3 auslegen – zweimal pro Spiel.
  • Danach wieder fest: eine begrabene Karte herausziehen und spielen.
  • Gewonnen: alle 52 auf den Zielstapeln.

Spickzettel

Was wohin darf

Wohin Was
Zielstapel Ass, dann gleiche Farbe, eins höher
Anderer Fächer gleiche Farbe, eins niedriger
Leerer Fächer nichts
Neu verteilen Fächer zu 3; 1–2 übrig = ein Fächer

Aufpassen

  • Eine an einen Fächer gelegte Karte kommt nur noch auf einen Zielstapel weg – überleg, was du begräbst.
  • Eine Karte auf einer niedrigeren Karte ihrer Farbe (9♥ auf 4♥) blockiert den Fächer bis zum Neuverteilen.
  • König auf der 10♠? Dann kann die 9♠ nie dorthin – 8♠ an 9♠ ist ungefährlich.
  • Alles ist sichtbar – plan vorher. Etwa jedes zehnte Spiel geht auf.
  • Varianten: Trefoil – Asse vorab heraus, 16 Fächer zu 3. Fan – ein König darf in einen leeren Fächer, kein Neuverteilen.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Neu verteilen
  7. Die geschenkte Karte („Merci“)
  8. Gewonnen oder verloren
  9. Tipps für Einsteiger
  10. Varianten

Überblick

La Belle Lucie („die schöne Lucie“), auch The Fan („der Fächer“) genannt, ist eine klassische französische Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt). Alle Karten liegen offen in kleinen Fächern, du siehst also von Anfang an alles – aber du kannst immer nur die oberste Karte eines Fächers nehmen, und ein unbedachter Zug kann eine wichtige Karte begraben. Du versuchst, alle 52 Karten auf vier Stapel zu sortieren, einen pro Farbe, vom Ass bis zum König. Dabei helfen dir zwei neue Verteilungen und am Schluss eine „geschenkte“ Karte.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker, und Platz für 18 kleine Fächer.
  • Dauer: etwa 15 Minuten pro Spiel.

Rangfolge

Bei La Belle Lucie ist das Ass die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

Die Farben sind ♣ Kreuz, ♠ Pik, ♥ Herz und ♦ Karo. Rot oder schwarz spielt hier keine Rolle – es zählt nur die Farbe.

Die Teile der Auslage

  • Fächer: eine kleine Gruppe Karten, aufgefächert und überlappend, sodass jede Karte zu sehen ist. Bewegt werden darf nur die oberste Karte – die, die ganz oben und vollständig sichtbar liegt. Ist sie weg, wird die Karte darunter zur obersten.
  • Auslage: alle Fächer zusammen.
  • Zielstapel: vier Stapel, einer pro Farbe, auf denen du die Karten vom Ass bis zum König sammelst. Zu Beginn sind sie leer.

Vorbereitung

Misch und leg das ganze Blatt offen in 17 Fächern zu je 3 Karten aus. Die letzte Karte bildet allein einen 18. Fächer. Lass Platz für die vier Zielstapel.

Hier die ersten sechs Fächer eines Spiels; in jedem Fächer ist die letzte Karte die oberste:

7♣2♦A♠A♠♠Fächer 1K♥9♠5♥5♥♥Fächer 23♠B♦4♥4♥♥Fächer 3D♣2♠8♣8♣♣Fächer 46♦A♦K♠K♠KFächer 510♥4♣9♣9♣♣Fächer 6
La Belle Lucie – die ersten sechs Fächer; die rechte Karte liegt oben

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen. Jeder Zug bewegt eine oberste Karte:

  1. Auf einen Zielstapel: Ein Ass, das oben liegt, eröffnet einen Zielstapel. Darauf legst du aufsteigend in derselben Farbe ab: 2, 3, 4 … bis zum König.
  2. An einen anderen Fächer: Eine oberste Karte darfst du auf die oberste Karte eines anderen Fächers legen, wenn sie einen Wert niedriger ist und dieselbe Farbe hat – man sagt: absteigend in derselben Farbe anlegen. Die 8♣ passt also auf die 9♣, die 4♥ auf die 5♥.
  3. Immer nur eine Karte: Zwei oder mehr Karten auf einmal zu verschieben ist nicht erlaubt.
  4. Leere Fächer: Ist ein Fächer aufgebraucht, bleibt sein Platz leer – dort darf nichts hin.

Beispiel: In den Fächern oben kommt das A♠ auf einen Zielstapel, und die 2♠ aus Fächer 4 würde folgen – sie liegt aber unter der 8♣. Also legst du zuerst die 8♣ auf die 9♣; jetzt ist die 2♠ frei und kommt auf das A♠. Danach liegt in Fächer 4 die D♣ oben.

Neu verteilen

Kommst du nicht weiter, sammelst du alle Karten ein, die nicht auf den Zielstapeln liegen, mischst sie und legst sie wieder in Fächern zu je drei aus. Bleiben eine oder zwei Karten übrig, bilden sie einen eigenen Fächer. Das darfst du zweimal pro Spiel.

Die geschenkte Karte („Merci“)

Steckst du nach dem zweiten Neuverteilen wieder fest, bekommst du eine letzte Hilfe: Du darfst eine beliebige Karte, die in einem Fächer unter anderen liegt, herausziehen und spielen – auf einen Zielstapel oder an einen anderen Fächer. Dann spielst du weiter, so weit es geht.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den vier Zielstapeln liegen. Steckst du nach dem letzten Neuverteilen und der geschenkten Karte fest, ist die Patience nicht aufgegangen. Morehead und Mott-Smith schätzten, dass etwa jedes zehnte Spiel aufgeht.

Tipps für Einsteiger

  • Leg jede Karte, die passt, auf die Zielstapel – dort ist sie besser aufgehoben als in der Auslage.
  • Hast du eine Karte an einen anderen Fächer gelegt, kommt sie nur noch auf einen Zielstapel wieder weg. Überleg vorher, welche Karten du darunter begräbst.
  • Schau, welche Karten unter Königen liegen. Liegt ein König auf der 10♠, kann die 9♠ nie an die 10♠ – also kannst du ruhig die 8♠ an die 9♠ legen.
  • Liegt eine Karte auf einer niedrigeren Karte derselben Farbe (eine 9♥ auf der 4♥), ist dieser Fächer bis zum Neuverteilen blockiert.
  • Schau dir alle möglichen Züge an, bevor du den ersten machst: Jede Karte ist sichtbar, sorgfältiges Planen zahlt sich aus.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Trefoil (Kleeblatt): die vier Asse vorab herausnehmen und als Zielstapel auslegen; die übrigen 48 Karten in 16 Fächern zu 3 auslegen.
  • Fan (Könige in Lücken): Ein leerer Fächerplatz darf mit einem König belegt werden; dafür gibt es kein Neuverteilen.
  • Ohne geschenkte Karte: Zweimal neu verteilen, aber keine Karte herausziehen – so beschreiben viele Bücher das Spiel.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Fächer-Familie: alle Karten offen in kleinen Fächern)
  • Herkunft: Frankreich; 1870 erstmals auf Englisch gedruckt
  • Auch bekannt als: The Fan, Lovely Lucy, Clover Leaf, Midnight Oil, Alexander the Great, Three Shuffles and a Draw
  • Ähnliche Spiele: Trefoil, Shamrocks, Bristol, House in the Wood, Baker’s Dozen

La Belle Lucie gehört zu den klassischen Patiencen. Laut der englischen Wikipedia stammt sie aus Frankreich und wurde 1870 zum ersten Mal auf Englisch veröffentlicht, von Lady Adelaide Cadogan in ihren Illustrated Games of Patience. Ihre Fassung enthält schon das Wesentliche: das Blatt in Päckchen zu drei Karten, eines mit nur einer Karte, Asse als Zielstapel, absteigendes Anlegen in derselben Farbe und bis zu zweimal neu verteilen, wenn man festsitzt. Sie nennt auch eine Fassung mit zwei Blättern, The House in the Wood.

Morehead und Mott-Smith (1949) bemerkten, dass die frühesten englischen Patience-Bücher offenbar auf französischen Quellen beruhten – die Namen der Spiele sind fast alle französisch, La Belle Lucie eingeschlossen. In ihrem Buch gehört auch das Herausziehen einer begrabenen Karte nach dem letzten Neuverteilen zum Spiel. Andere Autoren behandeln diese Regel als eigene Variante, Three Shuffles and a Draw, und nennen die geschenkte Karte merci – französisch für „danke“, aber auch „Gnade“.

Morehead und Mott-Smith schätzten 15 Minuten pro Spiel und einen Gewinn in zehn Spielen. Die Wikipedia weist darauf hin, dass es trotz offener Karten schwer ist: Eine Karte auf einer niedrigeren derselben Farbe blockiert ihren Fächer bis zum Neuverteilen. Der Name The Fan steht sowohl für La Belle Lucie selbst als auch für eine Variante, bei der Könige leere Plätze füllen dürfen und nicht neu verteilt wird.

Quellen