Kartenspielregeln

Patience (Spider-Familie) · Spiel 207 von 388 ♠

Spiderette

Spider mit nur einem Blatt und der Auslage von Klondike – vier Folgen vom König bis zum Ass und eine echte Nervenprobe.

Spieler
1
Dauer
8 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
knifflig
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen

Kurzregeln

  • Ziel: 4 Folgen K → A in je einer Farbe bilden und ablegen.
  • Aufbau: 7 Spalten wie bei Klondike: 1 bis 7 Karten, nur die letzte offen. Rest (24) = Vorrat.
  • Abwärts anlegen, Farbe egal (6♦ an jede 7). An ein Ass kommt nichts.
  • Eine Karte oder eine Farbfolge (auch ihren unteren Teil) am Stück verschieben.
  • Freie verdeckte Karte aufdecken. Leere Spalte: jede Karte oder Folge.
  • K → A in einer Farbe: herausnehmen, aus dem Spiel.
  • Nichts geht: leere Spalten füllen, dann 1 Karte auf jede Spalte; die letzten 3 auf Spalte 1–3.
  • Vorrat leer, nichts geht: verloren.

Spickzettel

Züge

Was Wohin
Letzte Karte Karte einen Rang höher, Farbe egal
Farbfolge Karte eins höher als ihre höchste
Jede Karte oder Folge Leere Spalte
K → A in einer Farbe aus dem Spiel
7 Karten vom Vorrat je eine auf jede Spalte

Tipps

  • Leg in gleicher Farbe an, wann immer es geht – gemischte Spalten lösen sich nur Karte für Karte.
  • Mach früh eine Spalte leer, um gemischte Gruppen umzusortieren.
  • Sortier alles, was geht, bevor du gibst – die neuen Karten decken alles zu.
  • Chance: etwa 1 zu 20. Leichter: Will o’ the Wisp – 7 Spalten zu 3 (2 verdeckt), Vorrat 31; etwa jedes 4. Spiel.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Begriffe
  3. Vorbereitung
  4. Spielablauf
  5. Gewonnen oder verloren
  6. Tipps für Einsteiger
  7. Varianten

Überblick

Spiderette ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt): die Fassung von Spider mit nur einem Blatt. Du schiebst Karten zwischen sieben Spalten hin und her, bis jede Farbe als lange Folge vom König bis zum Ass daliegt. Jede fertige Folge kommt aus dem Spiel – schaffst du alle vier Farben, hast du gewonnen. Die Auslage ist dieselbe wie bei Klondike, gespielt wird aber reines Spider – und das ist schwer: Morehead und Mott-Smith schätzten, dass nur etwa jedes zwanzigste Spiel aufgeht.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Blatt mit 52 Karten, ohne Joker, und Platz für sieben Spalten.
  • Dauer: etwa 8 Minuten pro Spiel.

Begriffe

  • Rang: der Wert einer Karte. Von niedrig nach hoch: A, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, B, D, K. Das Ass ist immer die niedrigste Karte.
  • Spalte: Karten, die untereinander liegen, jede leicht versetzt über der vorigen, sodass du alle offenen Karten sehen kannst.
  • Auslage: alle sieben Spalten zusammen.
  • Letzte Karte: die Karte am Ende einer Spalte – die dir am nächsten liegt und von keiner anderen Karte bedeckt ist.
  • Abwärts anlegen: eine Karte auf eine Karte legen, die genau einen Rang höher ist – etwa eine 7 auf eine 8.
  • Farbfolge: Karten am Ende einer Spalte, die jeweils um einen Rang absteigen und alle dieselbe Farbe haben, zum Beispiel 9♥ 8♥ 7♥.
  • Vorrat: der verdeckte Stapel mit den Karten, die noch nicht ausgeteilt sind.

Vorbereitung

  1. Misch und teil 28 Karten wie bei Klondike auf sieben Spalten aus: Spalte 1 bekommt 1 Karte, Spalte 2 bekommt 2 Karten und so weiter bis zu 7 Karten in Spalte 7. Nur die letzte Karte jeder Spalte liegt offen.
  2. Die übrigen 24 Karten legst du verdeckt als Vorrat beiseite.
24Vorrat9♣9♣♣8♠8♠♠D♦D♦D3♥3♥♥6♠6♠♠B♥B♥B2♦2♦♦
Spiderette – so liegen die Karten am Anfang

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge. Zielstapel zum Aufbauen gibt es nicht; alles passiert in der Auslage. Du darfst:

  1. Eine letzte Karte verschieben – an die letzte Karte einer anderen Spalte, die einen Rang höher ist. Die Farbe ist egal: Eine 6♦ darf an jede 7. An ein Ass darf nichts angelegt werden.
  2. Eine Farbfolge verschieben – als Ganzes an eine Karte, die einen Rang höher ist als die höchste Karte der Folge. 9♥ 8♥ 7♥ darf an jede 10. Karten gemischter Farben kannst du nicht zusammen verschieben, nur einzeln. Du darfst auch nur den unteren Teil einer Farbfolge verschieben.
  3. Eine Karte aufdecken: Ist die letzte offene Karte einer Spalte weg, deckst du die verdeckte Karte darunter auf.
  4. Eine leere Spalte füllen – mit jeder letzten Karte oder Farbfolge (nicht nur mit einem König).
  5. Eine fertige Folge ablegen: Endet eine Spalte mit allen 13 Karten einer Farbe der Reihe nach – K, D, B, 10 … 2, A –, nimmst du die ganze Folge heraus; sie kommt aus dem Spiel.
  6. Aus dem Vorrat geben: Geht nichts mehr, legst du auf jede Spalte eine offene Karte – sieben Karten, von links nach rechts. Vorher musst du jede leere Spalte füllen, wenn es geht. Du gibst drei Reihen zu sieben; die letzten drei Karten kommen auf die Spalten 1–3.

Beispiel: Spalte 2 endet mit 8♠ 5♥, Spalte 5 mit 6♠. Du darfst die 5♥ an die 6♠ legen (Farbe egal) – aber 6♠ 5♥ ist keine Farbfolge, die beiden Karten lassen sich also nur einzeln wieder bewegen. Besser, wenn es geht: auf die 5♠ warten, dann wird 6♠ 5♠ eine Farbfolge.

Gewonnen oder verloren

  • Gewonnen: Alle vier Folgen sind abgelegt.
  • Verloren: Der Vorrat ist leer, und es gibt keinen sinnvollen Zug mehr.

Tipps für Einsteiger

  • Leg in gleicher Farbe an, wann immer es geht – gemischte Spalten lassen sich nur Karte für Karte wieder auflösen.
  • Verdeckte Karten aufdecken ist wichtiger als ordentliche Spalten: Die langen Spalten rechts verstecken den größten Teil des Blatts.
  • Mach früh eine Spalte leer und nutze sie, um gemischte Gruppen zu Farbfolgen umzusortieren.
  • Sortier vor dem Geben aus dem Vorrat so viel wie möglich: Die neuen Karten decken alles zu.

Varianten

Alles freiwillig:

  • Will o’ the Wisp: die leichtere Fassung von Geoffrey Mott-Smith. Teil nur 21 Karten aus: sieben Spalten zu drei, die ersten beiden verdeckt, die letzte offen. Der Vorrat (31 Karten) wird in Reihen zu sieben gegeben, die letzten drei auf die Spalten 1–3. Sonst wie oben – etwa jedes vierte Spiel geht auf.
  • Spider: das große Spiel mit zwei Blättern und zehn Spalten.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Spider-Familie: abwärts ohne Rücksicht auf die Farbe anlegen, nur Farbfolgen am Stück bewegen, fertige Farben ablegen)
  • Herkunft: unbekannt; benannt von Morehead und Mott-Smith, USA, vor 1949
  • Auch bekannt als: –
  • Ähnliche Spiele: Spider, Will o’ the Wisp, Klondike, Scorpion, Simple Simon

Spiderette ist Spider mit nur einem Blatt: vier statt acht Folgen und die Auslage von Klondike mit sieben Spalten statt der zehn Spalten von Spider. Wer zuerst so gespielt hat, ist nicht bekannt. Bekannt ist dagegen, wer den Namen vergab: In The Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949) schreiben Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith, sie hätten die Namen „Spiderette“ und „Scorpion“ für „bekannte Spiele“ schon einige Jahre zuvor in Artikeln vorgeschlagen – um die „Spinnentier“-Verwandtschaft mit Spider kenntlich zu machen.

Von den Gewinnchancen hielten die beiden nicht viel. Sie rechnen mit etwa 8 Minuten pro Spiel und nur einem Sieg in 20 Spielen und sprechen von der „schwierigen Spiderette“. Deshalb lieferten sie eine Variante mit „vernünftigeren Chancen“ mit: Will o’ the Wisp, das mit sieben Spalten zu drei Karten beginnt (21 statt 28) und etwa jedes vierte Mal aufgeht. Die englische Wikipedia schreibt Will o’ the Wisp Geoffrey Mott-Smith zu.

Heute gehört Spiderette zu den großen Solitär-Sammlungen für den Computer, etwa PySolFC („sehr schwer“) und BVS Solitaire. Auch deutsche Patience-Seiten führen das Spiel unter seinem englischen Namen und beschreiben es als Spider mit nur einem Kartensatz, das schneller geht, aber seltener aufgeht.

Quellen