Kartenspielregeln

Poker (Punktepoker & Stichspiel) · Spiel 135 von 388 ♠

Chicago (Schwedisches Chicago)

Schwedens beliebter Kartentisch-Klassiker – tausche auf die beste Pokerhand, kämpfe um den entscheidenden letzten Stich oder wage ein „Chicago!“.

Spieler
2–4
Dauer
30 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier

Kurzregeln

  • Ziel: Wer zuerst 52 Punkte hat, gewinnt.
  • Geben & Kaufen: Jeder erhält 5 Karten. In Kauf 1 und 2 beliebig viele Karten tauschen; jeweils punktet nur die beste Pokerhand.
  • Kauf 3: Ein letztes Mal tauschen; danach gibt es noch keine Handpunkte.
  • Stiche: 5 Stiche ohne Trumpf mit Bedienpflicht. Höchste Karte der angespielten Farbe sticht. Jeder legt seine Karte offen vor sich ab.
  • Wertung: Der 5. Stich bringt 5 Punkte. Danach decken alle auf: Die beste Pokerhand punktet.
  • Chicago: Vor dem Ausspiel ansagen, alle 5 Stiche zu machen: +15 bei Erfolg, −15 bei Fehler.

Spickzettel

Punktetabelle

Hand oder Leistung Punkte
Ein Paar / Zwei Paare 1 / 2
Drilling 3
Straße / Flush 4 / 5
Full House / Vierling 6 / 7
Straight Flush / Royal Flush 8 / 52
Fünfter (letzter) Stich 5
  • Beste Hand punktet: Nach Kauf 1, 2 und nach den Stichen schreibt jeweils nur die höchste Hand an.
  • Chicago (+15 / −15): Ab 15 Punkten ansagbar. Macht ein anderer einen Stich, endet das Spiel bei −15.
  • Kaufstopp ab 46: Ab 46 Punkten darf man in folgenden Runden keine Karten mehr tauschen.

Punkteblock

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Hilfen

Ausführliche Regeln

  1. Overview
  2. Die Karten und Pokerhände
  3. Vorbereitung
  4. Die drei Kaufphasen (Tauschrunden)
  5. Das Stichspiel
  6. Das Aufdecken der Pokerhand
  7. Chicago ansagen
  8. Der Kaufstopp (Köpstopp)
  9. Spielende
  10. Tipps für Einsteiger
  11. Varianten

Overview

Chicago ist der beliebteste Kartenspiel-Klassiker Schwedens: eine schwungvolle Mischung aus Draw Poker und Stichspiel. Jeder Spieler erhält fünf Karten und hat dreimal die Chance, unpassende Karten gegen neue vom Ziehstapel zu tauschen. Wer nach einem Tausch die beste Pokerhand vorweisen kann, schreibt Punkte gut. Nach dem dritten Tausch werden die fünf Karten in Stichen ausgespielt – wobei nur der allerletzte Stich zählt. Wer zuerst 52 Punkte erreicht, gewinnt die Partie.

  • Spieler: 2–4 (auch mit bis zu 6 Spielern spielbar).
  • Du brauchst: ein normales 52er-Blatt ohne Joker sowie Stift und Zettel für den Spielstand.
  • Richtung: Geben und Spielen gehen im Uhrzeigersinn (nach links).

Die Karten und Pokerhände

In den Stichen gilt die gewohnte Rangfolge von hoch nach niedrig: A K D B 10 9 8 7 6 5 4 3 2. Es gibt keinen Trumpf.

Beim Kartentausch versuchen die Spieler, bekannte Poker-Kombinationen zu bilden. In jeder Wertung punktet immer nur derjenige mit der besten Hand:

Pokerhand Punkte Beschreibung
Ein Paar 1 Zwei Karten gleichen Rangs
Zwei Paare 2 Zwei getrennte Paare
Drilling 3 Drei Karten gleichen Rangs
Straße 4 Fünf Karten in direkter Folge gemischter Farben
Flush (Farbe) 5 Fünf Karten derselben Spielfarbe
Full House 6 Ein Drilling plus ein Paar
Vierling 7 Vier Karten gleichen Rangs
Straight Flush 8 Fünf aufeinanderfolgende Karten in einer Farbe
Royal Flush 52 A K D B 10 in einer Farbe (gewinnt sofort)
32ZiehstapelA♠A♠♠K♠K♠K10♥10♥♥10♦10♦♦7♣7♣♣Hand
Chicago – ein Fünf-Karten-Blatt und der Ziehstapel

Vorbereitung

  1. Geber: Wählt den ersten Geber beliebig aus. Nach jedem Spiel wandert das Recht zu geben nach links weiter.
  2. Austeilen: Der Geber mischt und verteilt an jeden 5 Karten einzeln verdeckt.
  3. Die restlichen Karten bilden den verdeckten Ziehstapel in der Tischmitte.

Die drei Kaufphasen (Tauschrunden)

In jeder Runde gibt es drei Tauschphasen, die traditionell „Kauf“ genannt werden, obwohl ohne Geld oder Chips gespielt wird.

1. Erster Kauf

Beginnend beim Spieler links vom Geber (Vorhand) darf jeder reihum beliebig viele Karten (0 bis 5) verdeckt ablegen und genau so viele neue Karten vom Ziehstapel ziehen.

Haben alle getauscht, wird die beste Hand mündlich ermittelt: - Die Vorhand nennt ihre Hand (z. B. „ein Paar“). - Der nächste Spieler meldet sich nur, wenn er eine bessere Hand hält; andernfalls sagt er „weiter“. - Die Karten werden nicht aufgedeckt, es sei denn, zwei Spieler melden dieselbe Kombination (z. B. beide zwei Paare). Dann entscheiden wie beim Poker die höheren Ränge. - Wer die höchste Hand hält, schreibt die entsprechenden Punkte auf dem Block gut. Hat niemand ein Paar oder besser, schreibt keiner.

Beispiel: Anna hat ein Paar Könige, Ben zwei Paare (Achter und Dreier) und Carla ein Paar Asse. Ben hält die stärkste Hand und schreibt 2 Punkte an. Anna und Carla erhalten nichts.

2. Zweiter Kauf

Alle Spieler tauschen in derselben Reihenfolge ein zweites Mal: wieder dürfen 0 bis 5 Karten abgelegt und neu gezogen werden.

Anschließend wird erneut mündlich verglichen, und der Besitzer der besten Hand schreibt seine Punkte gut.

Wichtige Regel: Wer im vorherigen Kauf gepunktet hat und diese Kombination nun auflösen möchte (z. B. zwei Paare aufbrechen, um auf einen Flush zu ziehen), muss die punktebringende Kombination kurz vorzeigen oder die abgelegten Karten beiseitelegen, um sie am Rundenende nachweisen zu können.

3. Dritter Kauf

Jeder darf ein drittes und letztes Mal Karten tauschen. Nach diesem dritten Kauf gibt es jedoch keine sofortige Pokerwertung! Die Spieler behalten ihre fünf Karten verdeckt auf der Hand für das Stichspiel.

Das Stichspiel

Nach dem dritten Tausch werden die fünf Handkarten in Stichen ausgespielt:

  1. Ausspiel: Die Vorhand spielt zum ersten Stich aus.
  2. Bedienpflicht: Reihum im Uhrzeigersinn gibt jeder eine Karte zu. Wer die ausgespielte Farbe auf der Hand hat, muss bedienen. Wer die Farbe nicht hat, darf eine beliebige Karte abwerfen.
  3. Stichgewinn: Die höchste Karte der ausgespielten Farbe gewinnt den Stich. Es gibt keine Trümpfe.
  4. Karten vor sich ablegen: Die Karten werden nicht auf einen gemeinsamen Haufen in der Tischmitte geworfen! Jeder legt seine gespielte Karte offen vor sich ab. So bleiben die fünf Karten jedes Spielers für das abschließende Aufdecken erhalten.
  5. Der Gewinner des Stichs spielt zum nächsten Stich aus.

Der fünfte Stich (Spelet)

Die Stiche 1 bis 4 bringen keinerlei Punkte. Wer den fünften und letzten Stich gewinnt, erhält 5 Punkte!

Das Aufdecken der Pokerhand

Direkt nach dem fünften Stich schauen alle auf die fünf offen vor ihnen liegenden Karten. Wer unter diesen fünf Karten die höchste Pokerhand bildet, schreibt die entsprechenden Handpunkte gut.

Chicago ansagen

Glaubt ein Spieler vor Beginn des Stichspiels, mit seinen fünf Karten alle fünf Stiche gewinnen zu können, darf er laut „Chicago!“ rufen.

  • Voraussetzung: Um leichtsinnige Ansagen zu verhindern, muss man mindestens 15 Punkte auf dem Block haben, um Chicago ansagen zu dürfen.
  • Erfolg: Gewinnt der Ansager tatsächlich alle fünf Stiche, erhält er 15 Bonuspunkte. (Punkte für den letzten Stich und die beste Hand entfallen in dieser Runde).
  • Misserfolg: Macht ein anderer Spieler auch nur einen einzigen Stich, bricht das Spiel sofort ab. Der Ansager verliert 15 Punkte (−15), und in dieser Runde werden keine weiteren Punkte vergeben.

Der Kaufstopp (Köpstopp)

Um die Endphase spannend zu halten und Zurückliegenden eine Aufholjagd zu ermöglichen, greift der Kaufstopp: - Sobald ein Spieler 46 Punkte oder mehr erreicht, gilt für ihn der Kaufstopp. - In allen folgenden Runden darf dieser Spieler keine Karten mehr tauschen. Er muss mit den fünf Karten spielen, die ihm ausgeteilt wurden.

Spielende

Die Punkte werden laufend addiert. Wer zuerst 52 Punkte erreicht, gewinnt die Partie.

Erreichen mehrere Spieler in derselben Runde 52 Punkte, zählt die Reihenfolge, in der die Punkte erzielt wurden: 1. Beste Hand nach Kauf 1 2. Beste Hand nach Kauf 2 3. Chicago-Ansage (falls erfolgt) 4. Fünfter Stich (5 Punkte) 5. Aufdecken der Hand nach den Stichen

Wer in genau diesem Moment zuerst 52 erreicht, gewinnt sofort.

Tipps für Einsteiger

  • Jag nicht zu früh nach Flushes: Ein einfaches Paar oder zwei Paare nach Kauf 1 oder 2 bringen sichere Punkte aufs Tableau.
  • Spar dir hohe Karten für den fünften Stich auf: Ein Ass oder ein König im letzten Stich sichert die wertvollen 5 Bonuspunkte.
  • Merk dir die Abwürfe: Wer weiß, welche hohen Karten schon im Ziehstapel verschwunden sind, spielt in den Stichen mit großem Vorteil.
  • Vorsicht bei Chicago: Eine Ansage reizt, doch ein Fehler kostet 15 mühsam erspielte Punkte. Sag Chicago nur an, wenn du in mehreren Farben fast unschlagbar bist.

Varianten

  • Ziel 51: An vielen Tischen wird bis 51 statt 52 Punkte gespielt.
  • Vierling setzt zurück: Bei manchen setzt ein Vierling alle Gegner auf 0 Punkte zurück und bringt dem Besitzer 7 Punkte.
  • Farbstege zählt 11: Mancherorts zählt ein Straight Flush 11 statt 8 Punkte.
  • Freies Chicago: In lockeren Runden darf Chicago auch von 0 Punkten an gesagt werden; misslingt es, fällt man auf −15.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Poker (Kombination aus Draw Poker und Stichspiel)
  • Ursprung: Schweden, 1970er–1980er Jahre
  • Auch bekannt als: Chicago Poker, Schwedisches Chicago
  • Verwandte Spiele: Femkort (Fünfkart), Poängpoker, Draw Poker, Agurk (Gurke)

Chicago ist eines der populärsten Gesellschaftsspiele Schwedens und erfreut sich in ganz Schweden und Finnland großer Beliebtheit in Kneipen, Studentenzirkeln und Familienrunden. Trotz seines amerikanischen Namens ist das Spiel rein schwedischen Ursprungs.

Das Spiel entstand im späten 20. Jahrhundert – belegt ab den 1970er Jahren in Halland und in den 1980er Jahren in Stockholmer Spielclubs – als moderne Weiterentwicklung zweier älterer skandinavischer Traditionen: Poängpoker (Punktepoker) und Femkort (Fünfkart). Femkort ist ein jahrhundertealtes nordisches Stichspiel, bei dem es einzig darauf ankommt, den allerletzten Stich zu machen. Chicago verband diesen Kniff geschickt mit den Tausch- und Handwertungselementen des klassischen Draw Pokers.

Da Chicago über einen Punkteblock und ohne Chipeinsätze abgerechnet wird, etablierte es sich schnell als geselliges Kartenspiel für jede Runde. Der schwedische Spieleexperte Dan Glimne dokumentierte die Standardregeln in mehreren Auflagen seines Standardwerks Kortspelshandboken sowie in Familjens bästa kortspel. Bis heute ist Chicago ein fester Bestandteil der schwedischen Spielkultur.

Quellen