Kartenspielregeln

Patience (Klondike-Familie) · Spiel 171 von 388 ♠

Klondike

Sieben Spalten, vier Asse, ein Blatt – die klassische Patience, die Millionen vom Computer kennen, endlich wieder auf dem Küchentisch.

Spieler
1
Dauer
10 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
leicht
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt

Platz 10 in Die 10 Kartenspiele, die man kennen solltePlatz 2 in Die besten Patiencen

Sammlungen: Erste Spiele · Patiencen · Spiele für Kinder

Kurzregeln

  • Ziel: alle 52 Karten auf 4 Zielstapel, einen pro Farbe, A → K.
  • 7 Spalten mit 1–7 Karten von links nach rechts; nur die unterste Karte jeder Spalte offen. Rest (24) = Vorrat.
  • Auslage: absteigend, Farben wechseln (rote 9 an schwarze 10). Eine angelegte offene Folge – oder ihren unteren Teil – als Ganzes verschieben.
  • Verdeckte Karte frei: aufdecken.
  • Leere Spalte: nur ein König (mit seiner Folge).
  • Vorrat: je 1 Karte auf den Abwurfstapel; dessen oberste ist spielbar. Vorrat leer: Abwurfstapel umdrehen (nicht mischen) – beliebig oft.
  • Ein ganzer Durchgang ohne Zug: verloren.

Spickzettel

Was wohin darf

Wohin Was
Zielstapel Ass, dann gleiche Farbe, eins höher
Auslage eins niedriger, rot/schwarz im Wechsel
Leere Spalte nur König
Abwurfstapel nur die oberste Karte
Zielstapel zurück oberste Karte in die Auslage

Varianten

  • Drei ziehen: 3 auf einmal aufdecken (Reihenfolge bleibt); nur die oberste ist spielbar.
  • Begrenzte Durchgänge: 1 mit einer Karte, 3 mit drei Karten.
  • Vegas: 52 zahlen, 5 pro Karte auf den Zielstapeln (+208 bei Sieg); begrenzte Durchgänge.
  • Windows-Wertung: Abwurfstapel in die Auslage +5, auf einen Zielstapel +10, Karte aufgedeckt +5, vom Zielstapel zurück −15.

Tipp: Verdeckte Karten aufdecken geht vor.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge und Farben
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Gewonnen oder verloren
  7. Tipps für Einsteiger
  8. Varianten

Überblick

Klondike ist die bekannteste Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) – genau das Spiel, das als „Solitär“ bei Windows mitgeliefert wurde. Du versuchst, das ganze Blatt auf vier Stapel zu sortieren, einen pro Farbe, jeweils in der Reihenfolge vom Ass bis zum König. Nicht jedes Spiel lässt sich gewinnen – das gehört dazu.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker, und einen Tisch mit Platz für zwei Reihen mit je sieben Stapeln.

Rangfolge und Farben

Bei Klondike ist das Ass die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

♥ Herz und ♦ Karo sind die roten Farben, ♠ Pik und ♣ Kreuz die schwarzen.

Die Teile der Auslage

  • Auslage: die sieben Spalten in der Mitte, in denen du die Karten umsortierst. Die Karten einer Spalte liegen leicht nach unten versetzt, sodass jede offene Karte zu sehen ist. Die unterste Karte einer Spalte ist die, die am weitesten zu dir hin liegt und von keiner anderen bedeckt wird.
  • Zielstapel: vier Plätze oberhalb der Auslage, einer pro Farbe. Hier sammelst du die Karten der Reihe nach, angefangen mit dem Ass. Zu Beginn sind sie leer.
  • Vorrat: der verdeckte Stapel mit den Karten, die nach dem Auslegen übrig bleiben.
  • Abwurfstapel: der offene Stapel neben dem Vorrat, auf den du Karten aus dem Vorrat aufdeckst.

Vorbereitung

Misch und leg sieben Spalten von links nach rechts aus:

  1. Leg eine Karte offen auf Spalte 1, dann je eine Karte verdeckt auf die Spalten 2–7.
  2. Leg eine Karte offen auf Spalte 2, dann je eine verdeckt auf die Spalten 3–7.
  3. Mach so weiter: jedes Mal eine offene Karte auf die nächste Spalte und verdeckte Karten auf alle Spalten rechts davon.

Am Ende hat Spalte 1 eine Karte, Spalte 7 sieben Karten – zusammen 28 Karten, und nur die unterste Karte jeder Spalte liegt offen.

24VorratAbwurfAAZielstapelAAK♠K♠K7♥7♥♥2♣2♣♣D♦D♦D9♠9♠♠A♥A♥♥8♣8♣♣
Klondike – so liegen die Karten am Anfang

Die übrigen 24 Karten legst du verdeckt als Vorrat über die Auslage; daneben brauchst du Platz für den Abwurfstapel und die vier Zielstapel.

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einfach einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge. Diese Züge sind erlaubt:

  1. Auf einen Zielstapel: Ein Ass, das frei wird, eröffnet einen Zielstapel. Darauf kommt die 2 derselben Farbe, dann die 3 und so weiter bis zum König. Auf die Zielstapel darfst du die unterste (freie) Karte jeder Spalte und die oberste Karte des Abwurfstapels legen.
  2. Innerhalb der Auslage: Auf die unterste Karte einer Spalte darfst du eine Karte legen, die einen Wert niedriger ist und die andere Farbgruppe hat (rot auf schwarz, schwarz auf rot) – man sagt: absteigend in wechselnden Farben anlegen. Eine rote 9 (9♥ oder 9♦) passt also auf eine schwarze 10, eine schwarze 8 auf die rote 9.
  3. Folgen verschieben: Eine richtig angelegte Folge offener Karten darfst du als Ganzes an eine andere Spalte legen, wenn ihre oberste Karte dort passt. Du darfst auch nur den unteren Teil einer solchen Folge verschieben.
  4. Aufdecken: Nimmst du die letzte offene Karte einer Spalte weg, drehst du die verdeckte Karte darunter um. Sie ist jetzt im Spiel.
  5. Leere Spalten: Eine ganz leere Spalte darf nur mit einem König besetzt werden – allein oder mit der Folge, die an ihm liegt.
  6. Vorrat: Wann immer du willst (meist, wenn du nicht weiterkommst), deckst du die oberste Karte des Vorrats auf den Abwurfstapel auf. Dessen oberste Karte darfst du auf einen Zielstapel oder in die Auslage legen; die Karte darunter wird frei, sobald sie weg ist.
  7. Neuer Durchgang: Ist der Vorrat leer, drehst du den Abwurfstapel um (ohne zu mischen) – er ist der neue Vorrat, und es geht weiter. Du darfst beliebig oft durch den Vorrat gehen.
  8. Zurück aus dem Zielstapel: Die oberste Karte eines Zielstapels darfst du wieder in die Auslage legen, wenn sie dort passt – etwa um einen anderen Zug möglich zu machen.

Beispiel: Auf dem Abwurfstapel liegt die 6♦, eine Spalte endet mit der 7♣. Du legst die 6♦ an die 7♣. In einer anderen Spalte liegt unten die 5♠, darüber nur verdeckte Karten – du legst die 5♠ an die 6♦ und deckst die Karte darunter auf: das A♥, das sofort auf einen Zielstapel kommt.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den vier Zielstapeln liegen, jeder vom Ass bis zum König in einer Farbe. Gehst du einmal ganz durch den Vorrat, ohne irgendeinen Zug machen zu können, ist die Patience nicht aufgegangen – misch neu und versuch es noch einmal.

Tipps für Einsteiger

  • Asse und 2er immer sofort auf die Zielstapel legen – in der Auslage nützen sie nie.
  • Am wichtigsten ist das Aufdecken verdeckter Karten. Bevorzuge Züge, die eine Karte freilegen, vor allem in den langen Spalten rechts.
  • Mach keine Spalte leer, wenn du keinen König für den freien Platz hast.
  • Leg andere Karten nicht zu früh auf die Zielstapel – vielleicht brauchst du die rote 5 noch für eine schwarze 4.
  • Könnten zwei Karten an dieselbe Stelle, nimm die aus der Spalte mit mehr verdeckten Karten.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Drei Karten ziehen: Du deckst immer drei Karten auf einmal vom Vorrat auf den Abwurfstapel (Reihenfolge bleibt), und nur die oberste davon ist spielbar; die darunter wird frei, sobald du die oberste weggespielt hast. Am Ende drehst du den Abwurfstapel um und gehst beliebig oft erneut durch. Deutlich schwerer als mit einer Karte.
  • Begrenzte Durchgänge: mit einer Karte nur ein Durchgang durch den Vorrat, mit drei Karten nur drei Durchgänge.
  • Vegas-Wertung: Du „bezahlst“ zu Beginn 52 Punkte (einen pro Karte) und bekommst 5 Punkte für jede Karte auf einem Zielstapel – ab 11 Karten bist du im Plus, ein gewonnenes Spiel bringt 208 Punkte Gewinn. Mit einer Karte ist nur ein Durchgang durch den Vorrat erlaubt, mit drei Karten sind es drei. Führ über mehrere Spiele eine laufende Summe.
  • Computer-Wertung (wie bei Windows): Abwurfstapel in die Auslage +5, Karte auf einen Zielstapel +10, Karte in der Auslage aufdecken +5, vom Zielstapel zurück in die Auslage −15.
  • Offenes Klondike: Alle Karten werden offen ausgelegt, sodass du das ganze Spiel im Voraus planen kannst.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Klondike-Familie: ein Blatt, absteigend in wechselnden Farben anlegen, auf Zielstapel sortieren)
  • Herkunft: vermutlich England oder Nordamerika, um 1900
  • Auch bekannt als: Solitär (Windows), Solitaire, Fascination, Chinaman, Canfield (in älteren Quellen)
  • Ähnliche Spiele: Canfield (Demon), Doppel-Klondike, Spider, Yukon, FreeCell

Laut der englischen Wikipedia stehen die ältesten bekannten Regeln des heutigen Klondike in der Ausgabe von Hoyle’s Games von 1907, unter dem Namen „Seven-Card Klondike“. Die deutsche Wikipedia nennt eine noch frühere englische Beschreibung von 1905 unter dem Namen „Gambler’s Delight“ sowie eine Quelle von 1910, nach der das Spiel aus den chinesischen Vertragshäfen stammen soll. Woher der Name kommt, ist unbekannt: Manche Autoren bringen ihn mit dem Klondike-Goldrausch Ende der 1890er-Jahre in Verbindung, Belege dafür gibt es laut Wikipedia aber nicht.

Lange gingen die Namen durcheinander. In Amerika hieß Klondike oft „Canfield“, vielleicht weil es im Kasino von Richard Canfield in Saratoga Springs (New York) als Glücksspiel angeboten wurde. Die englische Wikipedia beschreibt auch eine alte Glücksspiel-Fassung, bei der man 50 Dollar pro Spiel zahlte und für jede Karte auf den Zielstapeln 5 Dollar zurückbekam – daher stammt die Idee der heutigen „Vegas-Wertung“. Der Name Canfield gehört inzwischen zu einer anderen Patience, die in England Demon heißt.

Weltberühmt wurde Klondike durch den Computer. 1988 programmierte der Microsoft-Praktikant Wes Cherry eine Fassung für Windows, die Karten gestaltete Susan Kare; 1990 wurde sie mit Windows 3.0 als „Solitaire“, auf Deutsch „Solitär“, ausgeliefert – auch, um Neulingen das Ziehen und Ablegen mit der Maus beizubringen. Das Spiel wurde eines der meistgenutzten Windows-Programme und kam 2019 in die World Video Game Hall of Fame.

Wie oft eine Patience aufgeht, ist erstaunlich schwer zu berechnen. Eine Studie von Charlie Blake und Ian Gent (2019) ergab, dass sich rund 82 % der Spiele mit drei Karten gewinnen ließen, wenn man alle Karten im Voraus kennt – mit verdeckten Karten gewinnt man deutlich seltener.

Quellen