Patience (Vierzig-Räuber-Familie) · Spiel 203 von 388 ♦
Miss Milligan
Zwei Blätter, immer acht Karten auf einmal und am Ende ein Kniff namens „Weben“ – ein Klassiker, der selbst aussichtslose Lagen noch drehen kann.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 20 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- knifflig
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung konzentriert
Sammlungen: Patiencen · Mit zwei Blättern
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Rangfolge und Farben
- Die Teile der Auslage
- Vorbereitung
- Spielablauf
- Weben
- Gewonnen oder verloren
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Miss Milligan ist eine der beliebtesten Patiencen (Kartenspiele für eine Person, auch Solitär genannt) mit zwei Blättern. Du versuchst, alle 104 Karten auf acht Stapel zu sortieren, zwei pro Farbe, jeweils vom Ass bis zum König. Die Karten kommen in Achterreihen ins Spiel, eine auf jede Spalte, und wenn der Vorrat aufgebraucht ist, bekommst du einen besonderen Zusatzzug: das Weben. Die Patience geht selten auf – etwa jedes zwanzigste Spiel –, ist aber berühmt dafür, sich aus scheinbar hoffnungslosen Lagen noch zu erholen.
- Spieler: 1
- Du brauchst: zwei normale Blätter mit je 52 Karten ohne Joker (104 Karten), zusammengemischt, und einen großen Tisch.
- Dauer: etwa 20 Minuten pro Spiel.
Rangfolge und Farben
Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:
A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K
♥ Herz und ♦ Karo sind die roten Farben, ♠ Pik und ♣ Kreuz die schwarzen.
Die Teile der Auslage
- Auslage: acht Spalten mit offenen Karten. In jeder Spalte liegen die Karten nach unten versetzt übereinander, sodass du alle siehst. Frei ist die letzte Karte einer Spalte – die dir am nächsten liegt und von keiner anderen bedeckt ist.
- Zielstapel: acht Plätze oberhalb der Auslage, zu Beginn leer. Jeder wird mit einem Ass eröffnet und aufsteigend in derselben Farbe aufgebaut: die 2 derselben Farbe, dann die 3 und so weiter bis zum König.
- Vorrat: der verdeckte Stapel mit den Karten, die noch nicht ausgeteilt sind.
- Folge: Karten am Ende einer Spalte, die absteigend in wechselnden Farben liegen (rot auf schwarz, schwarz auf rot), etwa 9♠ 8♥ 7♣.
Vorbereitung
Misch beide Blätter zusammen. Leg acht Karten offen in einer Reihe aus – sie eröffnen die acht Spalten. Der Rest bleibt verdeckt als Vorrat liegen. Lass oberhalb der Auslage Platz für acht Zielstapel.
Nach dem ersten Austeilen sieht es so aus:
Spielablauf
Nach jedem Austeilen machst du alle Züge, die du willst:
- Auf einen Zielstapel: Ein freies Ass kommt auf einen leeren Zielstapel. Darauf folgt die nächste Karte derselben Farbe (2♥ auf das A♥, dann die 3♥ …).
- In der Auslage: An die letzte Karte einer Spalte darfst du eine Karte legen, die einen Wert niedriger ist und die andere Farbgruppe hat – eine rote 9 an eine schwarze 10. Man sagt: absteigend in wechselnden Farben anlegen.
- Folgen verschieben: Eine Folge am Ende einer Spalte darfst du ganz oder teilweise als Einheit an eine andere Spalte legen, wenn sie dort passt.
- Leere Spalte: In eine leere Spalte darf nur ein König – allein oder mit einer Folge darunter. Du darfst sie auch leer lassen.
Kannst oder willst du nichts mehr bewegen, teilst du acht weitere Karten aus dem Vorrat aus: je eine offen ans Ende jeder Spalte, auch in leere Spalten. Dann spielst du wieder. So geht es weiter, bis der Vorrat aufgebraucht ist (insgesamt dreizehn Mal austeilen).
Beispiel: Die Spalten enden mit 10♣, 9♦, 5♠ und 8♠. Leg die 9♦ an die 10♣ und dann die 8♠ an die 9♦. Später kommt ein B♥ zum Vorschein – jetzt schiebst du die ganze Folge 10♣ 9♦ 8♠ an ihn.
Weben
Ist der Vorrat leer, darfst du weben: Nimm eine freie Karte oder eine Folge vom Ende einer Spalte und leg sie als Reserve beiseite. Die Reservekarten sind frei und dürfen auf die Zielstapel oder zurück in die Auslage, wo immer sie passen. Sobald die Reserve wieder leer ist, darfst du erneut eine Karte oder Folge beiseitelegen. In der Reserve liegt immer nur eine Karte oder Folge.
Beispiel: Eine Spalte endet mit 5♦ 4♣, und darunter liegt die 3♦, die du brauchst. Leg 5♦ 4♣ beiseite, spiel die 3♦ auf den Zielstapel – und such dann einen Platz für 5♦ 4♣, etwa an einer schwarzen 6.
Gewonnen oder verloren
Du hast gewonnen, wenn alle 104 Karten auf den Zielstapeln liegen. Geht kein sinnvoller Zug mehr – vor allem, wenn du Karten beiseitegelegt hast und keinen Platz mehr für sie findest –, ist die Patience nicht aufgegangen.
Tipps für Einsteiger
- Teil nicht zu früh neu aus: Jede neue Reihe deckt die Enden aller acht Spalten zu.
- Eine leere Spalte ist wertvoll, aber nur ein König kann sie nutzen. Warte, bis ein König mit einer nützlichen Folge frei ist.
- Bau die Zielstapel gleichmäßig auf – zwei Stapel pro Farbe bedeuten zwei Chancen für jede Karte.
- Heb dir das Weben für den Moment auf, in dem es genau die Karte freilegt, die du brauchst – und prüf vorher, wohin die beiseitegelegten Karten danach können.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.
- Weben mit einer Karte: In manchen Regelbüchern darf nur eine einzelne Karte beiseitegelegt werden, keine Folge.
- Millie: ganz ohne Weben – schwerer.
- Imperial Guards: In eine leere Spalte darf jede Karte – leichter.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (Vierzig-Räuber-Familie: zwei Blätter, Karten reihenweise auf alle Spalten ausgeteilt, absteigend in wechselnden Farben anlegen)
- Herkunft: unbekannt; früheste bekannte Beschreibung in einem New Yorker Buch von 1908
- Auch bekannt als: –
- Ähnliche Spiele: Gypsy, Vierzig Räuber, Spider, Little Milligan, Imperial Guards
Wer Miss Milligan war, weiß niemand. Laut Michael Kellers Solitär-Bibliografie taucht das Spiel zuerst in der Ausgabe von 1908 der zweiten Reihe von Dick’s Games of Patience auf, einer New Yorker Sammlung, die 1898 zum ersten Mal erschien: Miss Milligan und Canfield kamen in diesem Jahr hinzu. Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith nahmen es in The Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949) auf – mit etwa 20 Minuten Spieldauer und einer Gewinnchance von einem Spiel in zwanzig –, und laut der englischen Wikipedia beschreibt David Parlett es in The Penguin Book of Card Games (Ausgabe von 1987).
Miss Milligan gehört zu den beliebtesten Patiencen mit zwei Blättern. Laut Peter Arnold, Autor von Card Games for One, liegt ihr Reiz darin, dass sie sich aus scheinbar hoffnungslosen Lagen noch vollständig erholen kann. Der Schlüssel dazu ist das Weben (englisch weaving, in manchen Büchern auch waiving) – das Recht, eine Karte oder Folge aus dem Weg zu räumen, sobald der Vorrat aufgebraucht ist. Computerfassungen zeigen dafür meist ein einzelnes Reservefeld.
Das Austeilen – eine neue Karte auf jede Spalte, ob voll oder leer – erinnert an Spider, das absteigende Anlegen in wechselnden Farben und das Verschieben von Folgen an Gypsy; PySolFC führt Miss Milligan als Spiel vom Gypsy-Typ. Zu den vielen Abwandlungen gehören Little Milligan mit einem Blatt, Millie ohne Weben und Imperial Guards, bei dem jede Karte in eine leere Spalte darf.