Setzspiel · Spiel 53 von 388 ♣
Mus
Das baskische Bluffspiel – vier Karten, vier Wertungen, geheime Zeichen für den Partner und ein Wort, das alles aufs Spiel setzt: „Órdago!“
- Spieler
- 4
- Dauer
- 45 Min.
- Alter
- ab 12
- Anspruch
- knifflig
- Karten
- 40 Karten (ohne 8–10)
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung lebhaft
Platz 8 in Die besten Spiele zu viertPlatz 1 in Einmal um die Welt
Sammlungen: Spiele für vier · Partnerspiele
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Hilfen
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Die Karten
- Vorbereitung
- Mus oder kein Mus
- Die vier Wertungen
- Setzen
- Abrechnung
- Partieende
- Zeichen
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Mus ist das große Kartenspiel des Baskenlands und ganz Spaniens. Zwei Parteien zu je zwei Spielern halten jeweils nur vier Karten und treten in jeder Hand in vier Wertungen gegeneinander an: höchste Karten, niedrigste Karten, Paare und Augen. In jeder Wertung darfst du setzen – oder bluffen –, und dein Partner hilft dir mit geheimen Zeichen. Die Partei, die zuerst 40 Steine (Punkte) hat, gewinnt.
- Spieler: genau 4, in zwei Parteien zu zweit. Partner sitzen sich gegenüber.
- Du brauchst: ein 52er-Blatt und etwa 40 kleine Marken (Bohnen, Münzen, Streichhölzer) – oder Stift und Zettel.
Die Punkte heißen beim Mus Steine (piedras oder tantos).
Die Karten
Nimm alle 8er, 9er und 10er sowie die Joker heraus. Gespielt wird mit 40 Karten: A, K, D, B, 7, 6, 5, 4, 3, 2 in jeder Farbe. Die Farben spielen beim Mus überhaupt keine Rolle.
Zwei Sonderregeln sorgen für mehr starke Blätter:
- Jede 3 zählt als König.
- Jede 2 zählt als Ass.
Es gibt also acht „Könige“ und acht „Asse“. Von hoch nach niedrig:
K (und 3) – D – B – 7 – 6 – 5 – 4 – A (und 2)
Für die Augen-Wertung zählen die Karten so:
| Karte | Wert |
|---|---|
| K, 3, D, B | 10 |
| 7, 6, 5, 4 | Augenzahl |
| A, 2 | 1 |
Vorbereitung
- Richtung: Geben, Setzen und Spielen gehen nach rechts (gegen den Uhrzeigersinn).
- Austeilen: Der Geber mischt, sein linker Nachbar hebt ab, und der Geber gibt jedem einzeln 4 Karten. Der Rest bleibt verdeckt als Ziehstapel beim Geber.
- Der Spieler rechts vom Geber ist die Mano („Hand“). Die Mano spricht immer zuerst und gewinnt jeden Gleichstand dieser Hand. Nach jeder Hand wandert das Geben nach rechts.
Mus oder kein Mus
Vor dem Setzen darf getauscht werden. Reihum, beginnend bei der Mano, sagt jeder:
- „Mus“ – „Ich möchte tauschen“, oder
- „No hay mus“ – „Kein Tausch“.
Sagen alle „Mus“, legt jeder (die Mano zuerst) 1 bis 4 Karten verdeckt ab und bekommt vom Geber genauso viele neue vom Ziehstapel. Danach wird wieder gefragt, und so weiter. (Ist der Ziehstapel leer, werden die abgelegten Karten gemischt und weiterverwendet.)
Sobald einer „No hay mus“ sagt, ist Schluss mit Tauschen, und mit den Karten, die jetzt jeder hat, wird gesetzt.
Die vier Wertungen
Jede Hand hat vier Wertungen (lances), immer in dieser Reihenfolge:
1. Grande – die höchsten Karten
Sortiere deine Karten von hoch nach niedrig und vergleiche Karte für Karte: Die höhere erste Karte gewinnt, bei Gleichheit die höhere zweite und so weiter. Beispiel: K-3-4-4 (zwei Könige!) schlägt K-D-D-D.
2. Chica – die niedrigsten Karten
Sortiere von niedrig nach hoch: Die niedrigere erste Karte gewinnt, bei Gleichheit die niedrigere zweite und so weiter. Beispiel: A-2-7-K schlägt A-4-5-6.
3. Pares – Paare
Mit dabei ist nur, wer mindestens zwei gleiche Karten hat. Es gibt drei Stufen, von schwach nach stark:
- Paar (par): zwei gleiche Karten. Das höhere Paar gewinnt.
- Drilling (medias): drei gleiche Karten. Jeder Drilling schlägt jedes Paar.
- Zwei Paare (duples): zwei verschiedene Paare; auch vier gleiche Karten zählen als zwei Paare. Zwei Paare schlagen jeden Drilling; verglichen wird zuerst das höhere, dann das niedrigere Paar.
4. Juego – Augen
Zähl die Werte deiner vier Karten zusammen. Mit 31 oder mehr hast du ein Juego („Spiel“). Die Juegos haben diese ungewöhnliche Rangfolge:
31 (am besten) – 32 – 40 – 37 – 36 – 35 – 34 – 33 (am schlechtesten)
Hat am ganzen Tisch niemand ein Juego, wird die vierte Wertung stattdessen als Punto gespielt: Die höchste Summe gewinnt (30 ist am besten).
Gleichstand: In jeder Wertung gewinnt bei gleichen Karten die Mano bzw. der Spieler, der von der Mano aus gesehen als Nächster rechts sitzt.
Setzen
Die vier Wertungen werden nacheinander ausgespielt. In jeder darf, beginnend bei der Mano und reihum nach rechts, jeder Spieler:
- passen (paso) oder
- setzen (envido) – mindestens 2 Steine.
Hat jemand gesetzt, antworten die Gegner:
- ablehnen (no quiero) – die setzende Partei bekommt sofort 1 Stein (nach einer Erhöhung den Einsatz vor dieser Erhöhung), und die Wertung ist erledigt;
- annehmen (quiero) – der Einsatz gilt; wer gewinnt, entscheiden die Karten am Ende der Hand;
- erhöhen (reenvido) – mindestens 2 Steine drauflegen; jetzt muss die andere Partei ablehnen, annehmen oder erhöhen.
Jeder der beiden Partner darf für die Partei antworten. Sind sie sich uneinig, gilt die mutigere Antwort (erhöhen vor annehmen, annehmen vor ablehnen).
Passen alle, bleibt die Wertung „im Vorbeigehen“ stehen: Die beste Hand gewinnt am Ende der Hand (siehe Abrechnung).
Vor Pares und Juego sagt jeder reihum ehrlich „ja“ oder „nein“ – hast du ein Paar bzw. ein Juego? Gesetzt wird nur, wenn beide Parteien mindestens ein „Ja“ haben; setzen und antworten dürfen dann nur die Spieler, die „ja“ gesagt haben. Hat nur eine Partei welche, bekommt sie deren Werte am Ende ohne Setzen gutgeschrieben; hat niemand ein Paar, fällt Pares aus. Hat niemand ein Juego, sagen das alle, und ihr setzt stattdessen auf Punto.
Órdago
Statt normal zu setzen oder zu erhöhen, kannst du „Órdago!“ rufen – damit setzt du die ganze Partie auf diese Wertung. Lehnen die Gegner ab, bekommst du die üblichen Steine fürs Ablehnen. Nehmen sie an, zeigen alle sofort ihre Karten: Die Partei mit der besseren Hand in dieser Wertung gewinnt die Partie auf der Stelle.
Abrechnung
Die Karten werden erst am Ende der Hand gezeigt. Dann werden die vier Wertungen der Reihe nach abgerechnet – Grande, Chica, Pares, Juego/Punto:
| Wertung | Im Vorbeigehen | Angenommen |
|---|---|---|
| Grande | 1 | der Einsatz |
| Chica | 1 | der Einsatz |
| Pares | die Paarwerte | Einsatz + Paarwerte |
| Juego | die Juego-Werte | Einsatz + Juego-Werte |
| Punto | 1 | Einsatz + 1 |
Paarwerte – die Gewinnerpartei bekommt sie für die Karten beider Partner: Paar 1, Drilling 2, zwei Paare 3.
Juego-Werte – die Gewinnerpartei bekommt sie für beide Partner: ein Juego mit 31 bringt 3, jedes andere Juego 2.
Hat eine Partei Pares oder Juego gewonnen, weil die Gegner abgelehnt haben, hat sie ihre Steine fürs Ablehnen schon bekommen und zählt am Ende trotzdem ihre eigenen Paar- bzw. Juego-Werte.
Beispiel: Anna (Mano) und Carla spielen gegen Ben und Dan. Anna hat K-3-D-A (zwei Könige, 31), Carla B-B-5-4 (ein Paar, 29), Dan K-D-7-7 (ein Paar, 34), Ben 7-6-5-4. Grande: Alle passen. Chica: Ben setzt 2, Anna nimmt an. Pares: Carla setzt 2, Dan lehnt ab – Anna und Carla bekommen sofort 1 Stein. Juego: Anna und Dan sagen „ja“; Dan setzt 2, Anna nimmt an. Am Ende: Grande 1 (Annas K-K schlägt Dans K-D), Chica 2 (Annas Ass ist am niedrigsten), Pares 1 + 1 (Annas und Carlas Paar), Juego 2 + 3 (Annas 31 schlägt 34). Anna und Carla bekommen 1 + 1 + 2 + 2 + 5 = 11 Steine.
Partieende
Die Partei, die zuerst 40 Steine erreicht, gewinnt. Weil der Reihe nach abgerechnet wird, kann eine Partei mitten in der Abrechnung gewinnen – die restlichen Wertungen zählen dann nicht mehr. Meist spielt man zwei Gewinnpartien aus drei.
Zählen mit Steinen: Ein Spieler jeder Partei sammelt die einzelnen Steine, sein Partner die Fünfer (amarracos): Je fünf einzelne Steine werden zu einem Amarraco. Wer sieben Amarracos (35 Steine) hat, muss die anderen mit „dentro“ („drin“) warnen.
Zeichen
Beim Mus darfst du deinem Partner mit vereinbarten Gesichtszeichen (señas) deine Karten verraten. Sie müssen so gegeben werden, dass die Gegner sie sehen könnten – die Zeichen der anderen aufzuschnappen, gehört dazu. Die üblichen:
| Zeichen | Bedeutung |
|---|---|
| Auf die Unterlippe beißen | zwei Könige |
| Zungenspitze zeigen | zwei Asse |
| Mund zur Seite ziehen | Drilling |
| Augenbrauen hochziehen | zwei Paare |
| Zwinkern | Juego mit 31 |
| Beide Augen schließen | nichts Gutes |
Tipps für Einsteiger
- Könige für Grande, Asse für Chica. Mit je acht davon im Spiel ist ein Blatt wie K-K-A-A in beiden stark.
- Hör auf „ja“ und „nein“. Die Ansagen vor Pares und Juego verraten viel über die anderen Hände.
- Nutze deinen Platz. Die Mano gewinnt jeden Gleichstand; die Partei des Gebers spricht zuletzt und hört vorher alles.
- Bluffe ab und zu – aber nicht zu oft. Wer ablehnt, gibt dir nur 1 Stein.
- Heb dir Órdago für den richtigen Moment auf, etwa wenn die Gegner kurz vor 40 stehen.
Varianten
Alles optional – vorher absprechen.
- Vier Könige: Im Baskenland und in Navarra zählen 3 und 2 oft ganz normal (K D B 7 6 5 4 3 2 A); es gibt dann nur vier Könige und vier Asse.
- Partie bis 30: Viele Spieler in Spanien spielen nur bis 30 Steine.
- Juego real: Drei 7er und eine Zehnerkarte (31 Augen) schlagen jedes andere Juego; an manchen Tischen muss es ein bestimmter Bube sein.
- Stilles Mus: Zeichen sind verboten.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Setzspiel (Wetten auf mehrere Kartenkombinationen, in Parteien gespielt)
- Herkunft: Baskenland, erstmals 1745 erwähnt
- Auch bekannt als: Mus; die vier Wertungen heißen Grande, Chica, Pares und Juego
- Ähnliche Spiele: Primero, Poker, Brag
Mus stammt aus dem Baskenland und wird in ganz Spanien und im französischen Baskenland gespielt. Laut spanischer Wikipedia findet es sich zuerst im dreisprachigen Wörterbuch des baskischen Jesuiten und Sprachforschers Manuel Larramendi von 1745; ein erstes Regelwerk, die Reglas fixas que conviene usar en el juego llamado Mus, erschien 1804 in Pamplona. Woher der Name kommt, ist unklar. Eine Deutung leitet ihn vom baskischen musu („Kuss“) ab, angeblich das überlieferte Zeichen für die beste Kombination; andere denken an lateinisch musso („schweigen“) oder französisch mouche („Fliege“).
Mus gehört zu den Setzspielen: Wie beim Poker oder beim alten spanischen Primero wettet man darauf, wer die besseren Karten hat, und Bluffen ist unverzichtbar. Ungewöhnlich ist, dass jede Hand in vier getrennten Wertungen verglichen wird und dass Partner sich mit festgelegten Gesichtszeichen ganz offiziell über ihre Karten verständigen dürfen. Baskische Auswanderer brachten das Spiel nach Amerika und Australien, wo es bis heute in baskischen Vereinen gespielt wird; laut deutscher Wikipedia fand 1978 in Frankreich die erste Weltmeisterschaft statt.
Traditionell spielt man mit dem spanischen Blatt zu 40 Karten. Seine Farben sind Münzen (oros), Becher (copas), Schwerter (espadas) und Stäbe (bastos), die Bildkarten heißen Sota (Bube), Caballo (Reiter) und Rey (König); 8er, 9er und 10er gibt es nicht. Mit einem 52er-Blatt wird die Sota zum Buben, der Caballo zur Dame und der Rey zum König. Die verbreitete Regel der „acht Könige“, bei der die 3er als Könige und die 2er als Asse zählen, gilt nicht überall: Im Baskenland und in Navarra spielen viele mit vier Königen, und je nach Gegend geht die Partie bis 40 oder bis 30.