Kartenspielregeln

Patience (Bildergalerie-Familie) · Spiel 303 von 388 ♥

Bildergalerie

Bau in Dreierschritten – 2, 5, 8, Bube –, bis drei Reihen Buben, Damen und Könige nebeneinander hängen wie Porträts in einer Galerie.

Spieler
1
Dauer
20 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
2 × 52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen · Mit zwei Blättern

Kurzregeln

  • Ziel: die 24 Plätze der Galerie farbgleich in Dreierschritten aufbauen.
  • Austeilen (2 Blätter): 3 Reihen zu 8 offen (Galerie), darunter 1 Reihe zu 8 (Reservestapel). Rest: Vorrat.
  • Oben 2-5-8-B, Mitte 3-6-9-D, unten 4-7-10-K.
  • Immer eine Karte bewegen: die oberste eines Reservestapels oder Galerieplatzes.
  • Aufbauen nur auf der Startkarte der Reihe. Eine falsch liegende Karte darf umziehen, wo sie passt.
  • Asse raus. Lücke: nur die Startkarte der Reihe.
  • Leerer Reservestapel: aus dem Vorrat auffüllen.
  • Nichts geht mehr: 8 neue Karten, eine auf jeden Reservestapel.
  • Vorrat leer: jede Karte auf einen leeren Reservestapel. Kein Zug mehr: verloren.

Spickzettel

Wohin damit?

Karte Kommt auf (gleiche Farbe)
A Ass-Stapel – aus dem Spiel
2 / 3 / 4 eine Lücke oben / Mitte / unten
5 / 6 / 7 2 / 3 / 4
8 / 9 / 10 5 / 6 / 7
B / D / K 8 / 9 / 10 – der Stapel ist fertig

Gewonnen: 24 fertige Stapel – oben Buben, in der Mitte Damen, unten Könige – und alle 8 Asse draußen.

Tipps

  • Vor dem Austeilen alle Züge prüfen – Zugedecktes bleibt verschüttet.
  • Lücken sind kostbar – räum einen Platz nur, wenn du die passende Startkarte siehst.
  • Jede Karte gibt es zweimal: Liegt eine 5♥ auf der anderen 5♥, muss die obere zuerst auf eine 2♥.
  • Alle acht 2er, 3er und 4er früh in die Galerie bringen.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Die Teile der Auslage
  3. Vorbereitung
  4. Spielablauf
  5. Gewonnen oder verloren
  6. Tipps für Einsteiger
  7. Varianten

Überblick

Die Bildergalerie ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) mit zwei Kartenspielen. Vierundzwanzig Karten liegen in drei Reihen – der Galerie –, und jeder Platz der Galerie wird in Dreierschritten aufgebaut: in der oberen Reihe 2, 5, 8, Bube; in der mittleren 3, 6, 9, Dame; in der unteren 4, 7, 10, König. Geht die Patience auf, sind am Ende nur noch Bildkarten zu sehen: eine Galerie voller Bilder. Die Asse braucht man nicht, sie kommen aus dem Spiel.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: zwei normale 52er-Blätter, zusammengemischt (104 Karten), ohne Joker.
  • Dauer: etwa 20 Minuten pro Spiel.

Die Teile der Auslage

  • Galerie: drei Reihen mit je acht Plätzen. Auf jedem Platz liegt ein kleiner Stapel. Jede Reihe hat ihre eigene Startkarte und ihre eigene Folge:
Reihe Startkarte Aufbau bis
Oben 2 2-5-8-B
Mitte 3 3-6-9-D
Unten 4 4-7-10-K

Jeder Stapel bleibt in einer Farbe: Auf die 2♥ passt nur die 5♥, dann die 8♥, dann der B♥. - Reservestapel: eine Reihe aus acht Stapeln unter der Galerie. Die oberste Karte jedes Reservestapels ist frei (darf gespielt werden). - Vorrat: die übrigen Karten, verdeckt. Daraus teilst du neue Reihen auf die Reservestapel aus. - Ass-Stapel: ein Platz an der Seite für die acht Asse, die aus dem Spiel kommen.

Vorbereitung

  1. Misch beide Blätter zusammen.
  2. Leg drei Reihen zu je acht Karten offen aus: die Galerie. Die Karten landen dort zufällig, die meisten liegen also zunächst am falschen Platz.
  3. Leg darunter eine weitere Reihe aus acht Karten offen aus: die Reservestapel.
  4. Die übrigen 72 Karten kommen verdeckt als Vorrat zur Seite.
2♥2♥♥9♣9♣♣K♠K♠K2♣2♣♣6♦6♦♦D♥D♥D3♠3♠♠10♦10♦♦Obere Reihe: 2-5-8-B5♣5♣♣3♦3♦♦B♥B♥B8♠8♠♠3♥3♥♥A♦A♦♦7♣7♣♣4♥4♥♥Mittlere Reihe: 3-6-9-D10♣10♣♣D♠D♠D4♣4♣♣8♦8♦♦5♥5♥♥2♠2♠♠9♥9♥♥B♦B♦BUntere Reihe: 4-7-10-K7♥7♥♥4♠4♠♠K♦K♦K5♥5♥♥D♣D♣D6♣6♣♣A♣A♣♣8♥8♥♥Reservestapel72VorratAAsse
Bildergalerie – ein Beispiel

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge. Du bewegst immer nur eine Karte.

  1. Asse raus: Sobald ein Ass frei ist – irgendwo in der Galerie oder oben auf einem Reservestapel –, kommt es auf den Ass-Stapel und damit aus dem Spiel. Ein Ass aus der Galerie hinterlässt eine Lücke.
  2. Lücke füllen: Eine Lücke in der Galerie darf nur mit der Startkarte ihrer Reihe gefüllt werden – oben mit einer 2, in der Mitte mit einer 3, unten mit einer 4.
  3. Aufbauen: Auf einen Stapel, dessen unterste Karte die richtige Startkarte für seine Reihe ist, darfst du die Karte derselben Farbe legen, die drei Werte höher ist. Auf die 3♦ in der mittleren Reihe kommt die 6♦, dann die 9♦, dann die D♦. Mit vier Karten und einer Bildkarte obenauf ist ein Stapel fertig.
  4. Woher die Karten kommen: von oben auf einem Reservestapel oder von oben auf einem beliebigen Platz der Galerie. Eine Karte am falschen Platz – etwa eine 3 in der oberen Reihe – darf also dorthin umziehen, wo sie hingehört. Ihr alter Platz wird zur Lücke.
  5. Falscher Start, kein Aufbau: Auf eine Karte, die allein in der falschen Reihe liegt, darfst du nichts legen. Die 9♣ in der oberen Reihe des Beispiels wartet nur darauf, auf eine 6♣ in der mittleren Reihe umzuziehen.

Leere Reservestapel: Ist ein Reservestapel aufgebraucht, füllst du ihn sofort mit der obersten Karte des Vorrats.

Neue Karten: Geht kein Zug mehr, teilst du aus dem Vorrat eine neue Reihe aus: auf jeden Reservestapel eine Karte, offen. Leg sie versetzt, damit du siehst, welche Karten darunter liegen.

Vorrat aufgebraucht: Ist der Vorrat leer, darfst du jede freie Karte auf einen leeren Reservestapel legen. Das hilft, am Schluss verschüttete Karten auszugraben.

Beispiel: Im Bild oben legst du zuerst das A♦ (mittlere Reihe) und das A♣ (Reserve) auf den Ass-Stapel und füllst den leeren Reservestapel aus dem Vorrat auf. Die Lücke in der mittleren Reihe braucht eine 3: Die 3♠ aus der oberen Reihe zieht um. Jetzt klafft oben eine Lücke, die eine 2 braucht – die 2♠ aus der unteren Reihe passt. Deren Lücke nimmt eine 4: die 4♠ aus der Reserve (den Reservestapel füllst du aus dem Vorrat auf). Jetzt kommt die 5♣ (mittlere Reihe) auf die 2♣, die 7♣ (mittlere Reihe) auf die 4♣ und die 5♥ aus der Reserve auf die 2♥.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn auf allen 24 Plätzen ein fertiger Stapel liegt – oben Buben, in der Mitte Damen, unten Könige – und die acht Asse auf dem Ass-Stapel. Ist der Vorrat aufgebraucht und geht kein Zug mehr, ist die Patience nicht aufgegangen.

Tipps für Einsteiger

  • Prüf vor jedem Austeilen alle Züge: Ist eine Karte auf einem Reservestapel erst einmal zugedeckt, bleibt sie womöglich lange verschüttet.
  • Lücken sind kostbar. Eine Lücke nützt nichts, solange die passende Startkarte fehlt – überleg also, welche Startkarten du siehst, bevor du einen Platz räumst.
  • Jede Karte gibt es zweimal. Liegt auf einem Reservestapel eine 5♥ über der anderen 5♥, muss die obere zuerst auf eine 2♥ – plane das ein.
  • Spiel Buben, Damen und Könige nicht zu früh: Sie machen nur Stapel fertig und legen nichts frei. Spiel sie, wenn sie eine Karte zudecken, die du brauchst.
  • Niedrige Karten unter hohen sind der häufigste Grund für eine Niederlage. Bring alle acht 2er, 3er und 4er möglichst früh in die Galerie.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Royal Parade: Nimm die acht Asse vor dem Mischen heraus. Leere Reservestapel werden nicht aufgefüllt, sie bleiben bis zur nächsten ausgeteilten Reihe leer. Das ist die ältere Form des Spiels (siehe Geschichte) und viel schwerer – Morehead und Mott-Smith schätzten, dass nur etwa jedes 30. Spiel aufgeht.
  • Letzte Reihe rückwärts: Ernest Bergholt (1917) erlaubte, die letzte Reihe des Vorrats von rechts nach links auszuteilen, wenn so eine wichtige Karte nicht zugedeckt wird.
  • Mod3: Du darfst jederzeit jede freie Karte auf einen leeren Reserveplatz legen, nicht erst, wenn der Vorrat aufgebraucht ist; leere Reserveplätze werden nicht aus dem Vorrat aufgefüllt. So spielt es das KDE-Programm KPatience.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Bildergalerie-Familie: farbgleich in Dreierschritten aufbauen, bis ein Bild aus Bildkarten entsteht)
  • Herkunft: England; 1901 erstmals als Royal Parade beschrieben
  • Auch bekannt als: Royal Parade, Hussars, Three Up, Financier, Royal Procession, Mod3, Die Bildgallerie, Bilderbogen
  • Ähnliche Spiele: Virginia Reel, Mount Olympus, Calculation

Die älteste bekannte Form des Spiels ist Royal Parade („Königliche Parade“), erstmals erschienen in Games of Patience (London: De La Rue, 1901) von „Tarbart“. Tarbart nimmt zuerst die acht Asse heraus, legt die 24 Karten der „Parade“ in drei Reihen aus, darunter eine Reihe mit acht Reservestapeln, und lässt farbgleich in Dreierschritten aufbauen – auf 2er oben, 3er in der Mitte und 4er unten. Laut der englischen Wikipedia änderte Ernest Bergholt (1917) den Beginn: Die Asse werden mit ausgeteilt und erst entfernt, wenn sie auftauchen; außerdem darf die letzte Reihe rückwärts ausgeteilt werden. Helen Coops (1939), die erste amerikanische Quelle, nennt die Namen Three Up und Hussars.

Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith (1949) waren wenig begeistert: Bei Royal Parade sei es so dringend, die Startkarten an ihren Platz zu bringen, dass für Geschick kaum Raum bleibe. Sie schätzten, dass nur etwa jedes 30. Spiel aufgeht. Ihre eigene, verbesserte Fassung Virginia Reel beginnt jede Reihe schon mit einer 2, 3 oder 4.

Der Name Picture Gallery („Bildergalerie“) stammt aus den Patience-Programmen. Die englische Wikipedia behandelt ihn als weiteren Namen für Royal Parade. PySolFC führt Picture Gallery und Royal Parade als zwei Spiele derselben Familie: Bei Picture Gallery wird ein leerer Reservestapel sofort aus dem Vorrat aufgefüllt, und als weitere Namen nennt das Programm Die Bildgallerie und Mod-3. Das KDE-Programm KPatience enthält das Spiel als Mod3, eine deutsche Regelsammlung für Patience-Programme (eulengesang.de) als Bilderbogen. PySolFC zählt mehr als ein Dutzend Spiele zu dieser Familie; zu den bekanntesten gehört Mount Olympus, das in Zweierschritten aufbaut.

Quellen