Kartenspielregeln

Patience · Spiel 302 von 388 ♣

Pile-On

Dreizehn wild gemischte Stapel, zwei leere Plätze und ein Ziel – sortier das ganze Blatt zu Vierlingen, wie beim Farbsortier-Rätsel auf dem Handy.

Spieler
1
Dauer
10 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
leicht
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen · Spiele für Kinder

Kurzregeln

  • Ziel: das Blatt zu 13 Vierlingen sortieren. Farbe egal.
  • Aufbau: 13 Stapel zu 4 offen aufgefächert auslegen. 2 Plätze leer lassen.
  • Die oberste Karte eines Stapels auf eine oberste Karte gleichen Werts legen.
  • Zwei bis vier gleiche Werte obenauf ziehen zusammen.
  • Höchstens 4 Karten pro Stapel – auch wenn der Wert passt.
  • Leerer Platz: nimmt jede oberste Karte oder Gruppe.
  • Karten verlassen nie den Tisch.
  • Gewonnen: 13 Vierlinge, beide Plätze wieder leer. Kein sinnvoller Zug mehr: verloren.

Spickzettel

Schwierigkeit

Leere Plätze Lösbare Spiele
3 (16 Plätze) praktisch alle
2 (Standard) 99,18 %
1 (14 Plätze) etwa 1 von 10.000

Zahlen: Mark Masten, eine Million Spiele.

Tipps

  • Möglichst einen Platz frei halten; belege ihn nur mit einem Zug, der bald einen anderen frei macht.
  • Ein sauberer Stapel hat nur einen Wert – passende Karten zuerst dorthin, nicht auf gemischte.
  • Bau nicht drei Karten auf eine fremde, wenn du nicht weißt, wo die vierte dieses Werts liegt.
  • Einen Wert mit drei freien Karten zusammen auf einen leeren Platz legen.
  • Kurze Stapel mit nur zwei Werten abräumen – das gibt einen neuen Platz.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Vorbereitung
  3. Spielablauf
  4. Gewonnen oder verloren
  5. Tipps für Einsteiger
  6. Varianten

Überblick

Pile-On („Stapel drauf“) ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt), die wie ein Sortier-Rätsel funktioniert. Das ganze Blatt liegt offen in dreizehn kleinen Stapeln zu je vier bunt gemischten Karten, dazu kommen zwei leere Plätze. Du schiebst Karten von Stapel zu Stapel, bis jeder Stapel vier Karten desselben Werts enthält – vier Asse, vier 2er und so weiter bis zu vier Königen. Wer die Farbsortier-Rätsel vom Handy kennt („Ball Sort“, „Water Sort“), bei denen bunte Kugeln in Röhrchen sortiert werden, kennt das Prinzip schon. Die Farben der Karten spielen überhaupt keine Rolle.

Alle Karten liegen von Anfang an offen, Glück gibt es also kaum: Mit guter Planung geht fast jedes Spiel auf.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.
  • Dauer: etwa 10 Minuten pro Spiel.

Vorbereitung

  1. Misch das Blatt.
  2. Leg die Karten offen in 13 Stapel zu je vier Karten aus. Fächere jeden Stapel etwas nach rechts auf, sodass du alle vier Karten siehst; die Karte ganz rechts liegt oben.
  3. Lass Platz für zwei weitere Stapel. Diese beiden leeren Plätze machen das Spiel überhaupt erst möglich.

Übersichtlich wird es mit 15 Plätzen in Reihen zu 4, 4, 4 und 3 – die beiden leeren Plätze am Schluss.

7♣K♦2♠D♥D♥D9♦4♣B♠D♠D♠D3♥10♣6♦5♠5♠♠K♠8♥A♦2♥2♥♥B♦6♣9♠D♣D♣DA♣5♥7♦8♠8♠♠4♥K♥10♠3♣3♣♣2♦9♣8♦6♥6♥♥5♦3♠B♥10♥10♥♥7♥A♠4♦9♥9♥♥10♦2♣K♣B♣B♣B6♠8♣5♣4♠4♠♠D♦3♦A♥7♠7♠♠LeerLeer
Pile-On – ein Beispiel; die rechte Karte jedes Stapels liegt oben

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge. Bewegen darfst du nur die oberste Karte eines Stapels. Die Karten darunter werden frei, sobald die Karten über ihnen weggezogen sind.

  1. Gleicher Wert: Die oberste Karte eines Stapels darf auf die oberste Karte eines anderen Stapels, wenn beide denselben Wert haben – eine 7 auf eine 7, eine Dame auf eine Dame. Die Farbe ist egal.
  2. Gruppen: Haben die obersten zwei, drei oder vier Karten eines Stapels alle denselben Wert, darfst du sie zusammen als Gruppe verschieben.
  3. Höchstens vier: Ein Stapel darf nie mehr als vier Karten haben. Ein Viererstapel ist voll, auch wenn seine oberste Karte passen würde.
  4. Leere Plätze: Auf einen leeren Platz darfst du jede oberste Karte legen oder jede Gruppe gleicher Werte. Sie beginnt dort einen neuen Stapel.

Karten verlassen nie den Tisch: Fertige Vierlinge bleiben einfach liegen.

Beispiel: Im Bild oben liegen drei Damen obenauf (D♥, D♠ und D♣), aber alle Stapel sind voll – sie können also nicht aufeinander. Leg die D♥ auf einen leeren Platz und dann die D♠ und die D♣ darauf: Dieser Stapel hat jetzt drei Damen. Auf ihren alten Stapeln liegen jetzt die 2♠, der B♠ und die 9♠ oben. Leg die 2♥ auf die 2♠, den B♣ auf den B♠ und die 9♥ auf die 9♠. Die vierte Dame, die D♦, liegt ganz unten im letzten Stapel – die musst du später ausgraben.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten in 13 Vierlingen liegen und die zwei Plätze wieder leer sind. Kannst du keinen sinnvollen Zug mehr machen – oder schiebst du nur noch Karten hin und her –, ist die Patience nicht aufgegangen. Bei perfektem Spiel geht sie fast immer auf: In Mark Mastens Computeranalyse von einer Million Spielen ließen sich 99,18 % lösen.

Tipps für Einsteiger

  • Halt möglichst immer einen Platz frei. Belege einen Platz nur mit einem Zug, der bald einen anderen frei macht.
  • Such nach Werten mit drei freien Karten: Legst du sie zusammen auf einen leeren Platz, kommst du schnell voran.
  • Ein Stapel mit nur einem Wert (etwa drei 8er) ist sauber. Leg passende freie Karten zuerst auf saubere Stapel, nicht auf gemischte.
  • Bau nicht drei Karten auf eine einzelne fremde Karte, wenn du nicht weißt, wo die vierte Karte dieses Werts liegt – sonst hängt der Stapel womöglich für immer fest.
  • Räum kurze Stapel mit nur zwei Werten ab: Wenn ihre Karten weg sind, hast du einen neuen freien Platz.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.

  • Drei freie Plätze: Leg 16 Plätze aus, drei davon leer. Viel leichter – laut Mastens Analyse geht dann praktisch jedes Spiel auf. Gut zum Lernen.
  • Ein freier Platz: nur ein leerer Platz (14 Plätze). Sehr schwer – laut Masten lässt sich nur etwa eines von 10.000 Spielen lösen.
  • Spalten statt Fächer: Leg die 15 Plätze nebeneinander als Spalten aus (jeder Stapel nach unten aufgefächert). Manche sehen so besser, welche Stapel noch Platz haben.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (offenes Sortierspiel: Karten nur nach Wert zu Vierlingen stapeln)
  • Herkunft: Patience-Sammlungen für den Computer aus den 1990er-Jahren; keine gedruckte Quelle bekannt
  • Auch bekannt als: Beeswax, Pile Sort, Fifteen Puzzle, Pileon, Häufeln
  • Ähnliche Spiele: Beehive („Bienenstock“), Farbsortier-Rätsel („Ball Sort“, „Water Sort“)

Pile-On gehört zu den wenigen Patiencen, die – soweit bekannt – nie in einem Kartenspielbuch standen. Michael Keller vom Solitaire Laboratory schreibt, er habe sie „nie in einem Buch gesehen, wohl aber in etlichen Computerversionen“. Die früheste, die er nennt, ist Maurice Abrahams kostenlose Sammlung Patience Pack, erstmals 1994 erschienen, wo das Spiel Pile Sort heißt. Die Linux-Sammlung AisleRiot (GNOME) enthält es als Pileon (die Spieldatei trägt ein Copyright von Nick Lamb aus dem Jahr 1998), und das kommerzielle Pretty Good Solitaire nennt es Fifteen Puzzle – ein unglücklicher Name, findet Keller, denn mit Sam Loyds Schiebepuzzle, dem „15er-Puzzle“, hat das Spiel nichts zu tun. Eine deutsche Regelsammlung für Patience-Programme (eulengesang.de) führt es als Häufeln.

Keller selbst nennt es Beeswax („Bienenwachs“), weil es eine offene Fassung von Beehive ist, einer alten Kinderpatience, bei der ebenfalls Vierlinge gesammelt werden. Er zählt es zu den besten offenen Patiencen: Mit Geduld und Rückgängig-Taste gewinnt er bis zu 98 % der Spiele, beim ersten Versuch aber nur etwa jedes dritte.

Dieselbe Idee wurde in den 2010er- und 2020er-Jahren als Rätsel ohne Karten enorm beliebt – bunte Kugeln, Ringe oder Flüssigkeiten, die in Röhrchen sortiert werden („Ball Sort“, „Water Sort“). Keller schreibt, er wisse nicht, ob das Rätsel vom Kartenspiel abstammt oder umgekehrt. Mark Mastens Computeranalyse ergab, dass sich 99,18 % der Spiele mit zwei leeren Plätzen lösen lassen; mit einem leeren Platz fast keines, mit dreien praktisch alle.

Quellen