Kartenspielregeln

Patience (Klondike-Familie) · Spiel 210 von 388 ♣

Westcliff

Zehn kleine Stapel, ein Durchgang durch den Vorrat und neun Siege in zehn Spielen – das freundlichste Mitglied der Klondike-Familie.

Spieler
1
Dauer
5 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
leicht
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen · Spiele für Kinder

Kurzregeln

  • Ziel: alle 52 Karten auf 4 Zielstapel, nach Farbe, A → K.
  • Aufbau: 3 Reihen zu 10 – zwei verdeckt, die dritte offen: 10 Spalten zu 3. Rest (22) = Vorrat.
  • Zielstapel: jedes Ass, sobald es frei ist, dann aufwärts in derselben Farbe.
  • Auslage: absteigend, Farben wechseln (rote 8 an schwarze 9). Oberste Karte oder alle offenen Karten einer Spalte als Folge verschieben.
  • Verdeckte Karte oben: aufdecken.
  • Leere Spalte: jede Karte oder Folge.
  • Vorrat: Karte für Karte; spielen oder auf den Abwurfstapel (oberste Karte spielbar).
  • Ein Durchgang. Nichts geht mehr: verloren.

Spickzettel

Wohin darf eine Karte?

Wohin Was
Zielstapel erst Ass, dann gleiche Farbe, einen höher
Auslage einen niedriger, andere Farbe
Folge alle offenen Karten einer Spalte
Leere Spalte jede Karte oder Folge

Tipps

  • Erst alle Züge in der Auslage, dann der Vorrat.
  • Deck zuerst verdeckte Karten auf – dort liegen vielleicht Asse.
  • Prüf die ganze Auslage, bevor eine Karte auf den Abwurfstapel kommt: Sie ist erst wieder frei, wenn alles darüber weg ist.
  • Heb eine leere Spalte für einen König auf oder für eine Karte, die eine verdeckte freilegt.
  • Nur einen Teil einer Folge verschieben: bloß eine Variante.
  • Chance etwa 9 von 10. Schwerer (1911): 7 Spalten zu 3.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge und Farben
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Gewonnen oder verloren
  7. Tipps für Einsteiger
  8. Varianten

Überblick

Westcliff ist eine schnelle und leichte Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt), die sich ganz ähnlich wie Klondike spielt. Du sortierst das Blatt auf vier Stapel, einen pro Farbe, vom Ass bis zum König, und baust unterwegs Spalten absteigend mit wechselnden Farben. Zehn kurze Spalten und freie Lücken machen das Spiel sehr freundlich: Morehead und Mott-Smith schätzten, dass neun von zehn Spielen aufgehen. Eine gute erste Patience.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.
  • Dauer: etwa 5 Minuten pro Spiel.

Rangfolge und Farben

Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

♥ Herz und ♦ Karo sind rot, ♠ Pik und ♣ Kreuz sind schwarz.

Die Teile der Auslage

  • Auslage: zehn Spalten vor dir. Die Karten einer Spalte sind nach unten aufgefächert, sodass du jede offene Karte siehst. Die oberste Karte einer Spalte ist die unterste im Fächer, die von keiner anderen Karte bedeckt ist.
  • Zielstapel: vier Plätze über der Auslage, einer pro Farbe, auf denen du die Karten vom Ass bis zum König sammelst. Zu Beginn sind sie leer.
  • Vorrat: der verdeckte Rest des Blatts.
  • Abwurfstapel: Hierhin kommen Karten aus dem Vorrat, die du noch nicht brauchen kannst. Seine oberste Karte ist immer spielbar.

Vorbereitung

Misch und leg drei Reihen zu zehn Karten überlappend aus: die ersten beiden Reihen verdeckt, die dritte offen. So entstehen zehn Spalten zu drei Karten, insgesamt 30.

22VorratAbwurfstapelAAZielstapelAA7♠7♠♠A♣A♣♣2♥2♥♥D♦D♦D6♦6♦♦9♥9♥♥3♣3♣♣K♠K♠K8♣8♣♣5♥5♥♥
Westcliff – so liegen die Karten am Anfang

Die übrigen 22 Karten sind der Vorrat.

Spielablauf

Meist machst du zuerst alle Züge, die in der Auslage möglich sind, und fängst dann mit dem Vorrat an.

  • Zielstapel: Leg jedes Ass auf die Zielstapel, sobald es frei ist. Auf jedes Ass kommen aufsteigend Karten derselben Farbe: 2♣ auf A♣, dann 3♣ und so weiter bis zum König.
  • Auslage: Eine Karte darf an die oberste Karte einer anderen Spalte, wenn sie einen Wert niedriger und von der anderen Farbe ist – eine rote 8 an eine schwarze 9, eine schwarze 3 an eine rote 4.
  • Folgen verschieben: Statt nur der obersten Karte darfst du auch alle offenen Karten einer Spalte zusammen verschieben, wenn sie eine richtige Folge bilden (absteigend, Farben wechseln) und die höchste Karte der Folge dort passt, wo sie hinkommt.
  • Verdeckte Karten: Wird eine verdeckte Karte zur obersten ihrer Spalte, deck sie auf.
  • Leere Spalte: Füll sie mit jeder beliebigen Karte oder Folge.
  • Die oberste Karte einer Spalte darf jederzeit auf einen Zielstapel.
  • Vorrat: Deck den Vorrat Karte für Karte auf. Leg die Karte auf einen Zielstapel oder an die Auslage, wenn es geht; sonst kommt sie offen auf den Abwurfstapel. Dessen oberste Karte darfst du spielen, sobald sie passt.

Es gibt keinen neuen Durchgang: Du gehst den Vorrat nur einmal durch.

Beispiel: Leg das A♣ auf die Zielstapel und deck die Karte darunter auf. Leg die 6♦ an die 7♠ und die 2♥ an die 3♣ und deck die Karten darunter auf. Die Folge 7♠ 6♦ kann später als Ganzes an eine rote 8 wandern. Kommt die 2♣, geht sie gleich auf das A♣.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den Zielstapeln liegen. Ist der Vorrat aufgebraucht und kein Zug mehr möglich, ist die Patience nicht aufgegangen – das passiert aber nur etwa in einem von zehn Spielen.

Tipps für Einsteiger

  • Deck zuerst verdeckte Karten auf – darunter können Asse und niedrige Karten liegen.
  • Bevor du eine Karte auf den Abwurfstapel legst, schau dir die ganze Auslage an: Eine Karte im Abwurfstapel ist erst wieder spielbar, wenn alles darüber weg ist.
  • Füll eine leere Spalte nicht zu eilig: Heb sie dir für einen König auf oder für eine Karte, die eine verdeckte Karte freilegt.

Varianten

Alles freiwillig:

  • Klassisches Westcliff (1911): nur sieben Spalten zu drei Karten (21 Karten); alles andere wie oben. Deutlich schwerer.
  • Teilfolgen: Du darfst auch nur einen Teil einer Folge verschieben. So beschreibt es die englische Wikipedia, und viele Computerfassungen spielen es so; bei Morehead und Mott-Smith dürfen nur die oberste Karte oder alle offenen Karten wandern.
  • Easthaven: sieben Spalten zu drei, kein Abwurfstapel. Geht nichts mehr, kommt eine neue Reihe von sieben Karten auf die Spalten; in eine leere Spalte darf nur ein König.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Klondike-Familie: absteigend mit wechselnden Farben, verdeckte Karten in der Auslage)
  • Herkunft: England, 1911 (als Westcliff Patience, mit sieben Spalten); Form mit zehn Spalten von Morehead und Mott-Smith, USA, 1949
  • Auch bekannt als: Westcliff Patience (die Form von 1911)
  • Ähnliche Spiele: Easthaven, Klondike

„Westcliff“ ist der Name zweier eng verwandter Spiele, und wie es dazu kam, ist etwas verwickelt. Laut der englischen Wikipedia, die sich auf David Parletts The Penguin Book of Patience (1979) stützt, veröffentlichte die englische Patience-Autorin Mary Whitmore Jones 1911 die ersten bekannten Regeln als Westcliff Patience, „ein quälend reizvolles kleines Spiel“. Ihre Fassung hatte 21 Karten in drei überlappenden Reihen zu sieben, die ersten beiden verdeckt, absteigend mit wechselnden Farben, einen einzigen Durchgang durch den Vorrat und einen Abwurfstapel. Helen Coops verzeichnete das Spiel 1939 in den USA, noch als Westcliff.

In ihrem Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949) mischten Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith die Namen neu. Den Namen Westcliff übertrugen sie auf eine neue, größere Auslage mit zehn Stapeln zu drei Karten – das Spiel auf dieser Seite –, für das sie fünf Minuten und neun Siege in zehn Spielen veranschlagen. Die alte Auslage mit 21 Karten nannten sie Easthaven und änderten ihre Regeln: Statt eines Abwurfstapels kommt eine neue Reihe von sieben Karten auf die Auslage, sobald nichts mehr geht. Parlett weist auf die Verwirrung hin, die das stiftete: „Westcliff“ kann heute beide Spiele meinen.

Computerfassungen wie PySolFC und BVS Solitaire folgen dem Westcliff mit zehn Spalten von Morehead und Mott-Smith; PySolFC nennt es „sehr leicht“.

Quellen