Kartenspielregeln

Poker (Stud) · Spiel 115 von 388 ♣

Five-Card Stud

Das Ur-Stud-Poker – eine Karte verdeckt, vier offen für alle, und nach jeder Karte wird gesetzt.

Spieler
2–10
Dauer
45 Min.
Alter
ab 16
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker, dazu Chips
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr

Kurzregeln

  • Ziel: Chips gewinnen – beste Fünferhand beim Showdown, oder als Letzter übrig bleiben.
  • Jeder zahlt Ante (z. B. 2). Je 1 Karte verdeckt (Hole Card), 1 offen.
  • Setzen: checken, setzen, mitgehen, erhöhen oder aussteigen; max. 1 Einsatz + 3 Erhöhungen.
  • Runde 1: Die höchste offene Karte beginnt. Kleine Einsätze (z. B. 5).
  • Dann 3 weitere Karten offen, nach jeder eine Setzrunde. Die beste offene Hand beginnt und darf checken.
  • Runde 2: kleine Einsätze, große, sobald ein Paar offen liegt. Runde 3–4: große Einsätze (z. B. 10).
  • Showdown: Beste Hand gewinnt, Gleichstand teilt. Geben wandert nach links.

Spickzettel

Hände (beste zuerst)

Hand Beispiel
Straight Flush 9♥ 8♥ 7♥ 6♥ 5♥
Vierling 7 7 7 7 K
Full House D D D 4 4
Flush K♦ B♦ 8♦ 5♦ 2♦
Straße 10 9 8 7 6
Drilling 5 5 5 K 2
Zwei Paare B B 3 3 A
Ein Paar 10 10 A 7 4
Höchste Karte A B 9 6 3
  • Gleiche Art: erst Vierling, Drilling, höheres Paar, dann der Rest von oben. 5-4-3-2-A ist die kleinste Straße. Farben zählen nie – Gleichstand teilt.
  • Offene Hand: Nur Paare, Drillinge, Vierlinge zählen – 2-2 schlägt A-K. Gleich: Wer näher links vom Geber sitzt, beginnt.
  • All-in: Von jedem Gegner gewinnst du höchstens deinen Einsatz; der Rest kommt in einen Nebenpot.

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Kartenwerte und Rangfolge der Hände
  3. Setzen in Kürze
  4. Vorbereitung
  5. Ein Spiel Schritt für Schritt
  6. All-in und Nebenpots
  7. Spielende
  8. Tipps für Einsteiger
  9. Varianten

Überblick

Five-Card Stud ist die älteste Form des Stud Pokers: Jeder bekommt fünf eigene Karten – die erste verdeckt, die anderen vier offen, für alle sichtbar. Nach jeder Karte gibt es eine Setzrunde, in der ihr Chips in den gemeinsamen Pot schiebt oder aussteigt. Den Pot gewinnt, wer als Letzter übrig bleibt oder am Ende die beste Pokerhand aus fünf Karten hat. Weil von jedem Spieler vier der fünf Karten auf dem Tisch liegen, dreht sich alles darum, die offenen Karten zu lesen – und die eine verdeckte zu erraten.

  • Spieler: 2–10, jeder für sich; am besten zu fünft bis acht.
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten ohne Joker und Chips (oder Spielmarken, Streichhölzer, Knöpfe) – für alle zu Beginn gleich viele, z. B. je 200. Gespielt wird um Chips, nicht um Geld.

Kartenwerte und Rangfolge der Hände

Die Karten zählen A K D B 10 9 8 7 6 5 4 3 2; das Ass darf auch unten in der Straße 5-4-3-2-A stehen. Beim Vergleich der Hände sind alle Farben gleich viel wert.

Deine fünf Karten sind deine Hand. Von der besten zur schwächsten:

Hand Beschreibung Beispiel
Royal Flush A K D B 10 in einer Farbe A♠ K♠ D♠ B♠ 10♠
Straight Flush fünf in Folge, gleiche Farbe 9♥ 8♥ 7♥ 6♥ 5♥
Vierling vier gleiche Werte 7 7 7 7 K
Full House Drilling + Paar D D D 4 4
Flush fünf einer Farbe K♦ B♦ 8♦ 5♦ 2♦
Straße fünf in Folge, gemischte Farben 10 9 8 7 6
Drilling drei gleiche Werte 5 5 5 K 2
Zwei Paare zwei verschiedene Paare B B 3 3 A
Ein Paar zwei gleiche Werte 10 10 A 7 4
Höchste Karte nichts von alledem A B 9 6 3

Jede Hand einer höheren Art schlägt jede Hand einer niedrigeren. Bei gleicher Art gewinnen die höheren Karten: Zuerst vergleicht ihr die wichtigsten Karten (den Vierling, den Drilling, das höhere Paar …), dann die übrigen Karten der Reihe nach von oben. Eine Straße zählt nach ihrer höchsten Karte, 5-4-3-2-A ist also die niedrigste. Sind alle fünf Werte gleich, herrscht Gleichstand und der Pot wird geteilt – die Farbe entscheidet nie.

Mit nur fünf Karten und ohne Tausch sind große Hände selten: Oft gewinnt schon ein einzelnes Paar, und ein Paar Asse ist eine starke Hand.

Setzen in Kürze

Alle gesetzten Chips kommen in den Pot in der Mitte. Vor jedem Spiel zahlt jeder einen kleinen festen Grundeinsatz, das Ante, in den Pot. Bist du in einer Setzrunde dran, kannst du:

  • Checken (schieben) – nichts setzen, solange in dieser Runde noch niemand gesetzt hat.
  • Setzen – Chips einzahlen.
  • Mitgehen – so viel einzahlen, dass du mit dem höchsten Einsatz gleichziehst.
  • Erhöhen – mitgehen und noch etwas drauflegen.
  • Aussteigen (folden) – aufgeben: Du drehst alle deine Karten um und legst sie weg. Was du schon gesetzt hast, ist verloren, und du spielst in dieser Runde nicht mehr mit.

Eine Setzrunde endet, wenn alle, die noch dabei sind, gleich viel eingezahlt haben (oder all-in sind) und jeder die Gelegenheit hatte, zu handeln.

Meist spielt man mit festen Limits: Jeder Einsatz und jede Erhöhung ist in den ersten beiden Runden genau ein kleiner Einsatz, in den letzten beiden ein großer Einsatz (das Doppelte). Pro Runde sind höchstens ein Einsatz und drei Erhöhungen erlaubt. Ein guter Anfang: Ante 2, kleiner Einsatz 5, großer Einsatz 10.

Vorbereitung

  1. Alle bekommen gleich viele Chips. Bestimmt den ersten Geber (z. B. wer die höchste Karte zieht); nach jedem Spiel gibt der linke Nachbar.
  2. Alle zahlen ihr Ante in den Pot.
  3. Der Geber mischt und gibt reihum im Uhrzeigersinn, links beginnend, jedem einzeln eine Karte verdeckt und dann eine Karte offen. Die verdeckte Karte ist deine Hole Card – schau sie dir an, aber zeig sie niemandem. Die offene Karte liegt sichtbar vor dir.

Ein Spiel Schritt für Schritt

1. Erste Setzrunde (zwei Karten): Es beginnt, wer die höchste offene Karte hat (das Ass ist am höchsten); zeigen zwei denselben Wert, beginnt, wer näher links vom Geber sitzt. Er darf checken oder setzen, dann geht es im Uhrzeigersinn weiter. Nur kleine Einsätze.

2. Dritte Karte: Jeder, der noch dabei ist, bekommt eine weitere Karte offen. Zweite Setzrunde. Ab jetzt beginnt, wessen offene Karten die beste sichtbare Pokerhand bilden – es zählen nur Paare, Drillinge und Vierlinge, halbe Straßen und Flushs nicht (A-K schlägt K-D, ein Paar Zweien schlägt A-K). Bei Gleichheit beginnt, wer näher links vom Geber sitzt. Der Erste darf checken. Es gelten noch kleine Einsätze, doch zeigt jemand ein offenes Paar, darf jeder stattdessen den großen Einsatz setzen oder erhöhen.

3. Vierte Karte: eine weitere Karte offen für jeden. Dritte Setzrunde – ab jetzt mit großen Einsätzen.

4. Fünfte Karte: eine letzte Karte offen. Vierte und letzte Setzrunde. Jeder, der noch dabei ist, hat jetzt eine verdeckte und vier offene Karten.

5. Showdown: Sind noch zwei oder mehr Spieler dabei, decken sie ihre Hole Cards auf – wer zuletzt gesetzt oder erhöht hat, zuerst; haben alle gecheckt, zeigt zuerst, wer die letzte Setzrunde begonnen hat. Die beste Hand gewinnt den Pot, gleich gute Hände teilen ihn.

Steigen irgendwann alle bis auf einen aus, gewinnt dieser den Pot sofort, ohne seine Hole Card zu zeigen.

Beispiel: Vier Spieler zahlen je 2 Ante (Pot 8). Offen liegen: Anna K♠, Ben 7♦, Carla A♣, Dan 4♥. Carlas Ass ist die höchste Karte, also beginnt sie und setzt 5. Dan steigt aus, Anna und Ben gehen mit: Pot 23. Dritte Karten: Anna K♥, Ben 9♦, Carla 6♠. Anna zeigt jetzt ein Paar Könige, die beste sichtbare Hand, und beginnt – und weil ein Paar offen liegt, darf sie 10 statt 5 setzen.

VerdecktK♠K♥5♣2♦2♦♦Offen
Five-Card Stud – Annas fünf Karten: eine verdeckt, vier offen

All-in und Nebenpots

Willst du mitgehen, hast aber nicht genug Chips, gehst du all-in: Du schiebst alle deine restlichen Chips in den Pot und bleibst bis zum Showdown dabei, ohne weiter zu setzen. Du kannst von jedem Gegner nur so viel gewinnen, wie du selbst eingezahlt hast. Was die anderen darüber hinaus setzen, kommt in einen eigenen Nebenpot (Side Pot), den nur sie gewinnen können. Wer keine Chips mehr hat, scheidet aus.

Spielende

Spielt, bis nur noch einer Chips hat, oder hört zu einer vereinbarten Zeit auf – dann gewinnt, wer die meisten Chips hat.

Tipps für Einsteiger

  • Steig mit den meisten Starthänden aus. Ein Paar (Hole Card passt zur offenen Karte) oder ein Ass oder König – am besten verdeckt – lohnt sich; kleine Karten ohne Paar selten.
  • Schlagen die offenen Karten eines Gegners schon alles, was du zeigen könntest, steig aus – hoff nicht auf Wunder.
  • Beobachte jede offene Karte: Liegen die Karten, die du brauchst, schon bei anderen oder wurden weggelegt, sinken deine Chancen.
  • Eine hohe Hole Card ist wertvoll, weil sie niemand sieht: Die Gegner wissen nicht, ob du sie gepaart hast.
  • Geh nicht mit, nur weil du schon Chips im Pot hast. Was im Pot liegt, gehört dir nicht mehr.

Varianten

Alles freiwillig – vorher absprechen.

  • Bring-in (wie im Casino): ein kleineres Ante (z. B. 1). In der ersten Runde muss, wer die niedrigste offene Karte hat, mit einem Pflichteinsatz beginnen, dem Bring-in (z. B. 2); bei Gleichstand entscheidet die Farbe, ♣ ist am niedrigsten, dann ♦, ♥, ♠. Er darf stattdessen einen vollen kleinen Einsatz machen. Die anderen können aussteigen, den Bring-in mitgehen oder auf einen kleinen Einsatz ergänzen; erst danach dürfen die Folgenden erhöhen. Ab der zweiten Runde beginnt wie oben die beste offene Hand.
  • Gleichstand nach Farbe: Sind zwei offene Hände gleich, beginnt die mit der höheren Farbe (♠ vor ♥ vor ♦ vor ♣, verglichen bei ihren höchsten Karten).
  • Letzte Karte verdeckt: Die fünfte Karte kommt verdeckt; die letzte Setzrunde beginnt derselbe Spieler wie die vorige.
  • Lowball: Die niedrigste Hand gewinnt (meist Ass bis Fünf gezählt: 5-4-3-2-A ist die beste, Straßen und Flushs zählen nicht). Jede Runde beginnt die niedrigste sichtbare Hand.
  • High-Low: Der Pot wird zwischen der besten und der schlechtesten Hand geteilt; in privaten Runden sagt jeder nach der letzten Setzrunde „hoch“ oder „niedrig“ an.
  • Sökö (Finnland): Zwei zusätzliche Hände liegen knapp über einem Paar: eine Vierer-Straße (vier Karten in Folge) und darüber ein Vierer-Flush (vier einer Farbe).

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Poker (Stud) – Stud Poker: ein Teil der Karten offen, kein Tausch
  • Herkunft: USA, um die Zeit des Bürgerkriegs; Stud Poker erstmals 1864 gedruckt belegt
  • Auch bekannt als: Stud Poker, Stud-Horse Poker (historisch), Offenes Poker, früher auch „Starpoker“
  • Ähnliche Spiele: Seven-Card Stud, Razz, Sökö, Five-Card Draw, Texas Hold’em

Five-Card Stud ist die älteste Form des Stud Pokers, bei dem ein Teil jeder Hand offen liegt und keine Karten getauscht werden. Vorher war Poker ein „geschlossenes“ Spiel, bei dem jede Karte nur ihrem Besitzer bekannt war. Nach der Poker-Geschichte auf pagat.com (von David Parlett) galt „Stud“ oder „Stud-Horse“ Poker als Erfindung von Cowboys aus der Gegend um Ohio, Indiana und Illinois; gedruckt taucht es zuerst in The American Hoyle von 1864 auf. Die englische Wikipedia verlegt seine Entstehung in die Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs, in dem Soldaten beider Seiten es viel spielten.

Rund hundert Jahre lang war es eine der Standardformen des Pokers in amerikanischen Privatrunden und Spielsälen. Von 1971 bis 1974 stand es bei der World Series of Poker im Programm – laut englischer Wikipedia gewann alle vier Turniere derselbe Spieler, Bill Boyd –, danach wurde es gestrichen. An seine Stelle trat vor allem Seven-Card Stud mit mehr verdeckten Karten und mehr Setzrunden; im späten 20. Jahrhundert wichen beide den Spielen mit Gemeinschaftskarten wie Texas Hold’em und Omaha. Die deutsche Wikipedia nennt Five Card Stud „kaum mehr gespielt“ und von Seven Card Stud „nahezu vollständig verdrängt“; sie kennt auch die alten Namen „Offenes Poker“ und „Starpoker“ (eine Verballhornung von Stud).

Weil vier der fünf Karten jedes Spielers offen liegen, lässt sich das Spiel gut lesen und belohnt Geduld: Die meisten Spiele enden früh, wenn einer setzt und niemand mitgeht. In Finnland ist eine Variante mit zusätzlichen Händen für Vierer-Straßen und Vierer-Flushs, Sökö, bis heute eine der beliebtesten Pokerformen.

Quellen