Patience (Vierzig-Räuber-Familie) · Spiel 174 von 388 ♦
Vierzig Räuber
Zwei Blätter, vierzig offene Karten, nur ein Durchgang – damit soll sich Napoleon auf St. Helena die Zeit vertrieben haben.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 20 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- knifflig
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Patiencen · Mit zwei Blättern
Ausführliche Regeln
Überblick
Vierzig Räuber (englisch Forty Thieves) ist eine große Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt), die mit zwei Blättern gespielt wird. Du versuchst, alle 104 Karten auf acht Stapel zu sortieren, zwei pro Farbe, jeweils vom Ass bis zum König. Alle vierzig Karten der Auslage liegen offen, aber du darfst immer nur eine Karte auf einmal bewegen und nur einmal durch den Vorrat gehen – deshalb geht die Patience selten auf. Sie heißt auch Napoleon auf St. Helena.
- Spieler: 1
- Du brauchst: zwei normale Blätter mit je 52 Karten ohne Joker (104 Karten), zusammengemischt, und einen großen Tisch.
- Dauer: etwa 20 Minuten pro Spiel.
Begriffe
- Rang: der Wert einer Karte. Von niedrig nach hoch: A, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, B, D, K. Das Ass ist die niedrigste Karte.
- Spalte: Karten, die untereinander liegen, jede leicht versetzt über der vorigen, sodass du alle Karten sehen kannst.
- Auslage: alle zehn Spalten zusammen.
- Letzte Karte: die Karte am Ende einer Spalte – die dir am nächsten liegt und von keiner anderen bedeckt ist. Nur letzte Karten dürfen bewegt werden.
- Zielstapel: acht Plätze oberhalb der Auslage, zu Beginn leer. Jeder wird mit einem Ass eröffnet und aufsteigend in derselben Farbe aufgebaut: die 2 derselben Farbe, dann die 3 und so weiter bis zum König.
- In derselben Farbe abwärts anlegen: in der Auslage eine Karte an eine Karte derselben Farbe legen, die genau einen Rang höher ist, etwa die 7♥ an die 8♥.
- Vorrat: der verdeckte Stapel mit den Karten, die nach dem Auslegen übrig bleiben.
- Abwurfstapel: der offene Stapel, auf den du Karten aus dem Vorrat aufdeckst.
Vorbereitung
- Misch beide Blätter zusammen.
- Leg vier Reihen mit je zehn Karten aus, alle offen, jede Reihe leicht versetzt über der vorigen. So entstehen zehn Spalten mit je vier Karten – die Auslage.
- Die übrigen 64 Karten legst du verdeckt als Vorrat beiseite. Lass oberhalb der Auslage Platz für acht Zielstapel und neben dem Vorrat für den Abwurfstapel.
Spielablauf
Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge.
- Auf einen Zielstapel: Jedes Ass, das letzte Karte einer Spalte oder oberste Karte des Abwurfstapels ist, darf auf einen leeren Zielstapel. Darauf baust du in derselben Farbe aufwärts, mit letzten Karten oder der obersten Karte des Abwurfstapels. Karten auf einem Zielstapel bleiben dort.
- In der Auslage: Eine letzte Karte darf an die letzte Karte einer anderen Spalte, wenn sie dieselbe Farbe hat und einen Rang niedriger ist. Du darfst immer nur eine Karte bewegen – nie eine ganze Gruppe.
- Leere Spalten: Ist eine Spalte leer, darfst du jede letzte Karte der Auslage oder die oberste Karte des Abwurfstapels hineinlegen.
- Vorrat: Du deckst die Karten des Vorrats einzeln auf den Abwurfstapel auf. Dessen oberste Karte darf auf einen Zielstapel oder in die Auslage; die Karte darunter wird frei, sobald sie weg ist.
- Kein neuer Durchgang: Du gehst nur einmal durch den Vorrat. Ist er leer und geht kein Zug mehr, ist das Spiel vorbei.
Beispiel: Spalte 4 endet mit der 9♣, Spalte 7 mit der 10♣. Du legst die 9♣ an die 10♣ – damit wird die Karte darüber in Spalte 4 frei: das A♦, das sofort auf einen Zielstapel kommt. In Spalte 4 liegen noch zwei Karten; schaffst du auch die weg, hast du eine leere Spalte zum Zwischenparken.
Gewonnen oder verloren
Du hast gewonnen, wenn alle 104 Karten auf den acht Zielstapeln liegen. Nach Morehead und Mott-Smith geht nur etwa jedes zehnte Spiel auf.
Tipps für Einsteiger
- Arbeite so früh wie möglich auf eine leere Spalte hin. Such dir die Spalte aus, die am leichtesten abzuräumen ist, und verbau nicht die Plätze, die ihre Karten brauchen.
- Mit einer leeren Spalte kannst du kurze Folgen verschieben: Um 8♥ 7♥ an die 9♥ zu legen, parkst du die 7♥ in der leeren Spalte, legst die 8♥ an und die 7♥ wieder darauf.
- Füll eine leere Spalte nicht mit einer Karte, die du genauso gut später spielen könntest – heb sie für einen Zug auf, der etwas Wichtiges freilegt.
- Asse und 2er immer sofort auf die Zielstapel legen.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen. Die meisten machen das Spiel leichter.
- Spicken: Bevor du dich für einen Zug entscheidest, darfst du dir die nächste Karte des Vorrats ansehen.
- Lucas: Nimm zuerst die acht Asse als Zielstapel heraus und leg dann drei Reihen mit je 13 Karten aus (13 Spalten). Geht etwa jedes dritte Mal auf.
- Limited: drei Reihen mit je 12 Karten (12 Spalten). Etwa jedes fünfte Mal.
- Maria: vier Reihen mit je 9 Karten (9 Spalten); angelegt wird absteigend in wechselnden Farben statt in derselben Farbe (rote 7 an schwarze 8).
- Josephine: Eine richtig angelegte Folge derselben Farbe darf als Ganzes verschoben werden.
- Computer-Regel: Viele Programme verschieben eine Gruppe am Stück, wenn genug leere Spalten da sind, um sie Karte für Karte zu bewegen – das Ergebnis ist dasselbe.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (Vierzig-Räuber-Familie: absteigend in derselben Farbe anlegen, nur einzelne Karten bewegen, auf Zielstapel sortieren)
- Herkunft: unbekannt, vielleicht Frankreich; zuerst belegt 1870 (Boston, USA)
- Auch bekannt als: Forty Thieves, Napoleon auf St. Helena, Le Cadran („das Zifferblatt“), Big Forty, Roosevelt at San Juan
- Ähnliche Spiele: Lucas, Limited, Maria, Josephine, Indian, Red and Black, Sixty Thieves
Vierzig Räuber gehört zu den beliebtesten Patiencen mit zwei Blättern und ist laut der englischen Wikipedia der Stammvater einer großen Familie ähnlicher Spiele. Der älteste Name ist Napoleon at St Helena: Der Kaiser soll in seinem letzten Exil auf der Insel oft Patiencen gelegt haben, und angeblich war es vor allem diese – eine Legende, die sich nicht beweisen lässt. Die älteste bekannte Beschreibung steht in Annie Henshaws Amusements for Invalids (Boston, 1870), die das Spiel als „ganz ausgezeichnet“ lobt, mit dem zusätzlichen Reiz, dass Napoleon es auf St. Helena gern gespielt habe.
Lady Adelaide Cadogan (Illustrated Games of Patience, 2. Auflage, 1874) nennt es Le Cadran („das Zifferblatt“), was laut Wikipedia auf eine französische Herkunft hindeuten könnte. Die Namen Forty Thieves und Big Forty – nach den vierzig Karten der Auslage – tauchen in den 1920er-Jahren in amerikanischen Regelbüchern auf, Roosevelt at San Juan zuerst 1939.
Albert Morehead und Geoffrey Mott-Smith (1949) schätzen, dass nur etwa jedes zehnte Spiel aufgeht und eine Partie rund 20 Minuten dauert; entscheidend ist meist, eine Spalte leer zu bekommen. Weil das Spiel so schwer ist, gibt es viele leichtere Fassungen: Lucas und Limited ändern die Größe der Auslage, bei Maria wird in wechselnden Farben angelegt, bei Josephine dürfen Folgen wandern. Sixty Thieves ist eine Fassung mit drei Blättern.