Kartenspielregeln

Patience · Spiel 191 von 388 ♥

Osmose

In der obersten Reihe ist jede Reihenfolge recht – aber jede Reihe darunter nimmt nur die Werte, die von oben schon durchgesickert sind.

Spieler
1
Dauer
5 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
leicht
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen · Spiele für Kinder

Kurzregeln

  • Ziel: alle 52 Karten auf 4 Zielstapel (Reihen), einer pro Farbe.
  • Reserve: 4 Stapel zu 4, oberste offen. Die 17. Karte eröffnet Reihe 1 – ihr Wert eröffnet alle vier Reihen. Die übrigen 35 = Vorrat.
  • Reihe 1: gleiche Farbe, beliebige Reihenfolge.
  • Untere Reihen: gleiche Farbe, nur Werte, die schon in der Reihe darüber liegen.
  • Reservekarten nur auf die Zielstapel; nächste aufdecken. Leerer Reservestapel bleibt leer.
  • Vorrat: je 3 Karten auf den Abwurfstapel, oberste spielbar. Beliebig oft ungemischt neu durchgehen.
  • Ein Durchgang ohne Zug: verloren.

Spickzettel

Was wohin darf

Wohin Was
Reihe 1 jede Karte ihrer Farbe
Neue Reihe freie Karte des Startwerts, von oben nach unten
Reihe 2–4 ihre Farbe, Wert schon in der Reihe darüber
Spielbar oberste Karten von Reserve und Abwurfstapel
  • Beispiel: Reihe 1 ist 8♣ 4♣ 7♣ K♣, Reihe 2 beginnt mit 8♥. Nur 4♥, 7♥ und K♥ dürfen dazu; die 2♥ wartet auf die 2♣.

Tipps

  • Jede Karte in Reihe 1 öffnet ihrem Wert den Weg nach unten.
  • Reservekarten spielen, wann immer es geht – jede deckt eine neue auf.
  • Etwa jedes achte Spiel geht auf.
  • Peek (Variante): Reserve offen und aufgefächert – manchmal lohnt es, eine Karte zurückzuhalten.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Die Teile der Auslage
  3. Vorbereitung
  4. Die Zielstapel aufbauen
  5. Spielablauf
  6. Gewonnen oder verloren
  7. Tipps für Einsteiger
  8. Varianten

Überblick

Osmose ist eine schnelle Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt). Du versuchst, alle 52 Karten in vier Reihen abzulegen, eine Reihe pro Farbe. Die Reihenfolge innerhalb einer Reihe ist egal – aber in eine untere Reihe darf eine Karte erst, wenn in der Reihe darüber schon eine Karte gleichen Werts liegt. Die Karten „sickern“ also von Reihe zu Reihe durch, daher der Name. Es gibt wenig zu entscheiden, meist entscheidet das Glück; etwa jedes achte Spiel geht auf.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.

Die Teile der Auslage

  • Reserve: vier kleine Stapel zu je vier Karten, untereinander am linken Rand. Nur die oberste Karte jedes Stapels liegt offen und ist spielbar.
  • Zielstapel: vier Reihen rechts neben der Reserve, eine pro Farbe; hier sollen am Ende alle Karten liegen. Die Karten einer Reihe legst du von links nach rechts überlappend aus, sodass du alle siehst.
  • Vorrat: der verdeckte Stapel mit den übrigen Karten.
  • Abwurfstapel: der offene Stapel, auf den du Karten aus dem Vorrat aufdeckst.

Vorbereitung

  1. Misch. Leg vier Stapel zu je vier Karten verdeckt untereinander und dreh bei jedem Stapel die oberste Karte um. Das ist die Reserve.
  2. Deck die 17. Karte auf und leg sie rechts neben den obersten Reservestapel. Sie eröffnet den ersten Zielstapel. Ihr Wert ist der Startwert: Auch die anderen drei Zielstapel müssen mit einer Karte dieses Werts beginnen.
  3. Die übrigen 35 Karten sind der Vorrat. Leg ihn verdeckt hin und lass daneben Platz für den Abwurfstapel.
Reserve39♠9♠♠Zielstapel8♣8♣♣3K♥K♥K833♦3♦♦838♥8♥♥835VorratAbwurfstapel
Osmose – so liegen die Karten am Anfang

In diesem Beispiel eröffnet die 8♣ den ersten Zielstapel, die anderen drei Reihen beginnen also mit den übrigen drei 8er. Die 8♥ aus der Reserve kann sofort die zweite Reihe eröffnen.

Die Zielstapel aufbauen

  • Erste Reihe: Hier darf jede Karte derselben Farbe wie die erste Karte hin, in beliebiger Reihenfolge. Mit der 8♣ am Anfang darf also jedes Kreuz dazu, sobald es frei ist.
  • Neue Reihen: Wird eine weitere Karte des Startwerts frei, eröffnet sie die nächste leere Reihe, von oben nach unten.
  • Untere Reihen: In die zweite, dritte und vierte Reihe darf eine Karte nur, wenn sie die richtige Farbe hat und in der Reihe darüber schon eine Karte gleichen Werts liegt.

Beispiel: In der ersten Reihe liegen 8♣ 4♣ 7♣ K♣, die zweite Reihe beginnt mit der 8♥. Jetzt dürfen nur die 4♥, 7♥ und der K♥ in die Herz-Reihe. Die 2♥ muss warten, bis die 2♣ in der Kreuz-Reihe liegt. In die dritte Reihe dürfen nur Werte, die schon in der Herz-Reihe liegen.

Spielablauf

  1. Reserve: Die oberste Karte jedes Reservestapels darf auf einen Zielstapel. Hast du sie weggelegt, deckst du die nächste Karte dieses Stapels auf. Karten wandern nie von einem Reservestapel zum anderen, und ein leerer Reservestapel bleibt leer.
  2. Vorrat: Kommst du nicht weiter, zählst du drei Karten vom Vorrat ab (oder alle restlichen, wenn es weniger sind) und legst sie offen auf den Abwurfstapel, ohne ihre Reihenfolge zu ändern. Die oberste Karte des Abwurfstapels ist spielbar; legst du sie weg, wird die darunter frei, und so weiter.
  3. Neuer Durchgang: Ist der Vorrat aufgebraucht, drehst du den Abwurfstapel um (ohne zu mischen) – er ist der neue Vorrat. Du darfst beliebig oft durch den Vorrat gehen.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 52 Karten auf den vier Zielstapeln liegen. Gehst du einmal ganz durch den Vorrat, ohne auch nur eine Karte legen zu können, ist die Patience nicht aufgegangen.

Tipps für Einsteiger

  • Jede Karte in der ersten Reihe ist gut: Sie öffnet den Weg für denselben Wert darunter.
  • Spiel Karten aus der Reserve, wann immer es geht – jede deckt eine neue Karte auf.
  • Die unteren Reihen hinken immer hinterher: Die vierte Reihe wird erst fertig, wenn die drei darüber es sind. Keine Sorge, wenn sie lange kurz bleibt.

Varianten

  • Peek („Spicken“): Die Reservekarten liegen alle offen und aufgefächert, sodass du sie sehen kannst. So erkennst du aussichtslose Lagen früh, und manchmal lohnt es sich, eine Karte zurückzuhalten, statt sie sofort zu legen.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (ein Blatt; Zielstapel in Farbe, aber ohne feste Reihenfolge)
  • Herkunft: unbekannt; den Namen Osmosis erfanden Morehead und Mott-Smith 1949
  • Auch bekannt als: Osmose-Patience; englisch Osmosis, Treasure Trove
  • Ähnliche Spiele: Peek, Bridesmaids; Canfield (Zielstapel beginnen mit einem ausgeteilten Wert)

Wer dieses Spiel erfunden hat und wann, ist nicht zuverlässig überliefert. Belegt ist dagegen sein Name: In der Einleitung ihres Complete Book of Solitaire and Patience Games (1949) schreiben Albert H. Morehead und Geoffrey Mott-Smith, sie hätten mangels eines eindeutigen Namens einige Namen selbst erfunden – Gargantua, Easthaven, Laggard Lady und eben Osmosis. Im Buch steht das Spiel als „Osmosis (Treasure Trove)“; Treasure Trove („Schatzfund“) ist also der ältere Name. Morehead und Mott-Smith rechnen mit fünf Minuten pro Spiel und einer Gewinnchance von etwa 1 zu 8.

Der neue Name passt: Wie die englische Wikipedia schreibt, sickern Karten gleichen Werts langsam von einem Zielstapel zum nächsten durch – so wie Wasser bei der Osmose durch eine Membran. Ungewöhnlich für eine Patience ist, dass die Zielstapel zwar nach Farbe, aber in beliebiger Reihenfolge aufgebaut werden; es zählt nur, dass ein Wert die Reihe darüber schon erreicht hat.

Morehead und Mott-Smith beschreiben auch Peek, dasselbe Spiel mit offen ausgelegter Reserve; sie merken an, dass man dann oft nur früher sieht, dass nichts mehr geht. Spätere Bücher wie David Parletts Penguin Book of Patience und David Galts 101 Great Card Games (1999) übernahmen Spiel und Namen. Auf Deutsch findet man es meist als Osmose-Patience in Online-Sammlungen. Wie bei Canfield beginnen die Zielstapel nicht beim Ass, sondern bei einem Wert, den das Austeilen bestimmt.

Quellen