Bankspiel · Spiel 169 von 388 ♦
Baccara (Punto Banco)
Setz auf Spieler oder Bank – wessen zwei oder drei Karten kommen näher an die 9?
- Spieler
- 2–8
- Dauer
- 30 Min.
- Alter
- ab 16
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker, dazu Chips
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Mit zwei Blättern
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Ausführliche Regeln
Überblick
Beim Baccara werden zwei Hände ausgeteilt: eine heißt Spieler („Punto“), die andere Bank („Banco“). Über die Karten entscheidet niemand am Tisch – alle setzen nur Chips darauf, welche der beiden Hände näher an die 9 herankommt, oder auf Gleichstand. Ob eine dritte Karte gezogen wird, regeln feste Vorschriften. Hier steht Punto Banco, die Form, die heute in Casinos gespielt wird; das ältere Chemin de fer, bei dem die Spieler selbst geben und entscheiden, findest du unter „Varianten“.
- Spieler: 2 bis 8 – ein Bankhalter (gibt die Karten und zahlt aus), alle anderen setzen. Zu Hause wechselt die Bank reihum.
- Du brauchst: zwei normale Kartenspiele mit je 52 Karten ohne Joker, zusammengemischt (eins reicht auch; Casinos nehmen sechs oder acht), und Chips (oder Spielmarken, Streichhölzer) – etwa 100 pro Person. Gespielt wird nur um Chips.
Kartenwerte
| Karte | Wert |
|---|---|
| A | 1 |
| 2 bis 9 | Augenzahl |
| 10, B, D, K | 0 |
Eine Hand zählt nur die letzte Ziffer ihrer Summe: 10 zählt 0, 15 zählt 5, 23 zählt 3. Die beste Hand ist also die 9 – überkaufen kann man sich nicht.
Beispiel: 7 + 8 = 15, die Hand zählt 5. K + 9 = 9 – besser geht’s nicht.
Vorbereitung
- Bestimmt den ersten Bankhalter (zum Beispiel, wer die höchste Karte zieht). Vereinbart den kleinsten und größten Einsatz, etwa 5 bis 40 Chips.
- Der Bankhalter mischt beide Kartenspiele zusammen, ein Spieler hebt ab (nimmt einen Teil ab und legt ihn unter den Rest), und der Bankhalter legt den Stapel verdeckt vor sich. Aus diesem Stapel wird gegeben – im Casino steckt er in einem Kasten, dem Kartenschlitten.
Setzen
Vor jedem Spiel (einem Coup) legt jeder außer dem Bankhalter seinen Einsatz auf eines von drei Feldern:
- Spieler – die Spieler-Hand gewinnt.
- Bank – die Bank-Hand gewinnt.
- Gleichstand („Egalité“) – beide Hände zählen gleich viel.
„Spieler“ und „Bank“ sind nur die Namen der beiden Hände – du darfst auf jede setzen, egal wer gibt.
Das Geben
Der Bankhalter gibt vier Karten offen: eine an die Spieler-Hand, eine an die Bank-Hand, eine zweite an Spieler, eine zweite an Bank. Dann:
- Naturel: Hat eine der beiden Hände 8 oder 9, zieht niemand mehr. Die Hände werden sofort verglichen.
- Sonst zieht Spieler bei 0–5 eine dritte Karte und bleibt bei 6 oder 7 stehen.
- Danach ist Bank dran. Ist Spieler stehen geblieben, zieht Bank bei 0–5 und bleibt bei 6 oder 7. Hat Spieler gezogen, richtet sich Bank nach dieser Tabelle – entscheidend ist Spielers dritte Karte:
| Bank hat | Bank zieht, wenn Spielers dritte Karte … ist |
|---|---|
| 0, 1, 2 | egal welche |
| 3 | alles außer 8 |
| 4 | 2 bis 7 |
| 5 | 4 bis 7 |
| 6 | 6 oder 7 |
| 7 | nie – bleibt stehen |
Jede Hand bekommt höchstens drei Karten. Die dritte Karte zählt wie in der Werte-Tabelle (ein Bild ist 0).
Beispiel: Spieler hat Kreuz-4 und Herz-Bube = 4 und zieht die Pik-6: 10, also 0. Bank hat Karo-3 und Pik-2 = 5. Spielers dritte Karte war eine 6, also zieht Bank mit 5: Herz-3 – Bank hat 8 und gewinnt.
Abrechnung
Die Hand, die näher an 9 ist, gewinnt. Der Bankhalter rechnet alle Einsätze aus seinen eigenen Chips ab: Er kassiert jeden verlorenen Einsatz und zahlt jeden gewonnenen aus – deshalb wandert die Bank reihum.
- Einsätze auf Spieler werden einfach ausgezahlt (1:1 – 10 gesetzt, 10 gewonnen).
- Einsätze auf Bank werden einfach ausgezahlt, abzüglich 5 % Provision – 19:20. Am einfachsten setzt man auf Bank in 20er-Schritten.
- Einsätze auf Gleichstand zahlen 8:1. Bei Gleichstand bleiben Einsätze auf Spieler und Bank einfach liegen oder werden zurückgenommen.
Beispiel (Fortsetzung): Anna hat 20 auf Bank gesetzt: Sie gewinnt 19. Ben hatte 10 auf Spieler: weg. Carla hatte 5 auf Gleichstand: auch weg.
Gespielte Karten kommen auf einen Ablagestapel. Sind nur noch etwa zehn Karten übrig, spielt ihr den Coup zu Ende und mischt dann alles neu.
Spielende
Nach jedem Durchgang durch den Stapel (oder nach einer vereinbarten Zahl von Coups) wandert die Bank nach links, so dass jeder gleich oft Bankhalter ist. Spielt eine vereinbarte Zeit; wer am Ende die meisten Chips hat, gewinnt.
Tipps für Einsteiger
- Es ist reines Glück – kein Setzmuster und keine „Serie“ ändert etwas an den Chancen.
- Bank gewinnt etwas häufiger als Spieler; deshalb die Provision. Beide Einsätze sind fast fair (der Vorteil der Bank liegt bei nur etwa 1 %), und weil die Bank reihum geht, gleicht sich das aus.
- Gleichstand lockt mit 8:1, kommt aber nur etwa jedes zehnte Mal – daran verdient die Bank.
- Die Zieh-Tabelle musst du nicht lernen – der Bankhalter gibt danach, und auf der Karte steht sie hinten drauf.
Varianten
Nur nach Absprache.
- Chemin de fer: die klassische französische Form, bei der ein Spieler die Bank hält und die Spieler selbst entscheiden. Der Bankhalter legt einen Betrag (die Bank) in die Mitte; die anderen setzen reihum, rechts von ihm beginnend, dagegen, bis sie gedeckt ist. Wer „Banco!“ ruft, hält allein gegen die ganze Bank und hat Vorrang. Der Bankhalter gibt sich selbst zwei Karten (Bank) und zwei dem Spieler mit dem höchsten Einsatz (Spieler), der für alle spielt. Mit einem Naturel (8 oder 9) wird sofort aufgedeckt. Sonst muss Spieler bei 0–4 ziehen, bei 6–7 stehen bleiben und hat bei 5 freie Wahl. Der Bankhalter weiß nur, ob Spieler gezogen hat, und sieht die offene dritte Karte; er zieht nach der Tabelle oben (im Casino hat er in einigen Grenzfällen freie Wahl). Gewinnt er, bleibt der Gewinn in der Bank, und er darf weitergeben oder abgeben; verliert er, geht die Bank nach rechts weiter. Bei Gleichstand gibt es die Einsätze zurück, und er behält die Bank.
- Ohne Provision: Bank-Einsätze werden voll ausgezahlt, aber ein Bank-Sieg mit 6 zahlt nur die Hälfte.
- Gleichstand 9:1: Manche Casinos zahlen einen gewonnenen Einsatz auf Gleichstand 9:1 statt 8:1.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Bankspiel (Spieler setzen gegen einen Bankhalter; gezählt wird nur die Einerstelle)
- Herkunft: Frankreich, Anfang des 19. Jahrhunderts; Punto Banco aus Havanna, 1940er/50er Jahre
- Auch bekannt als: Baccarat, Bakkarat, Punto Banco, Chemin de fer (Variante), Baccara banque (Variante)
- Ähnliche Spiele: Macao, Chemin de fer, 17 und 4 (Blackjack), Oicho-Kabu
Baccara soll angeblich aus dem Italien des 15. Jahrhunderts stammen – laut der deutschen Wikipedia aus Neapel, wo der Name „null“ bedeutet haben soll. Nach John McLeod (pagat.com) gibt es dafür aber keinen zeitgenössischen Beleg: Das Spiel ist wahrscheinlich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstanden. Die erste bekannte Beschreibung steht in Charles Van-Tenacs Album des jeux de hasard et de combinaisons (1847). Den Namen erklärt pagat.com – nach dem Historiker Thierry Depaulis – am ehesten mit einem provenzalischen Ausdruck, fa bacarrat, „bankrott gehen“. Als direkten Vorläufer nennt Parlett das Spiel Macao, das ab dem späten 18. Jahrhundert in Europa beliebt war.
Die ursprüngliche französische Form, Baccara à deux tableaux oder Baccara banque, hat einen festen Bankhalter, der gleichzeitig gegen beide Tischhälften spielt. Beim schnelleren Chemin de fer („Eisenbahn“) wandern Bank und Kartenschlitten um den Tisch – laut Wikipedia „gleich einer kleinen Eisenbahn“. Es ist das Spiel, das James Bond in Ian Flemings Romanen spielt.
Punto Banco, bei dem das Casino die Bank hält und alle Ziehregeln feststehen, entstand in Havanna – laut pagat.com in den 1950er Jahren im Capri Casino, laut englischer Wikipedia schon in den 1940ern. Heute ist es fast die einzige Form, die man im Casino antrifft. Weil niemand etwas entscheidet, ist es ein reines Glücksspiel.