Patience (Napoleon-Familie) · Spiel 295 von 388 ♥
Der Zopf
Zwanzig Karten zu einem Zopf geflochten, acht Zielstapel ab einem zufälligen Grundwert – eine der beliebtesten deutschen Patiencen.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 20 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- mittel
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Patiencen · Mit zwei Blättern
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Rangfolge
- Die Teile der Auslage
- Vorbereitung
- Spielablauf
- Gewonnen oder verloren
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Der Zopf (englisch Braid) ist eine Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) mit zwei Blättern. In der Tischmitte liegt ein Zopf aus zwanzig Karten, drumherum vier Eckkarten und acht Seitenkarten. Du versuchst, alle 104 Karten auf acht Stapel zu sortieren, zwei pro Farbe. Diese Stapel beginnen nicht beim Ass, sondern beim Wert der ersten Karte, die nach dem Auslegen aufgedeckt wird, und laufen über Eck vom König zum Ass weiter. Gewonnen ist die Patience nur, wenn der Zopf ganz aufgelöst ist.
- Spieler: 1
- Du brauchst: zwei normale Blätter mit je 52 Karten ohne Joker (104 Karten), zusammengemischt, und einen großen Tisch.
- Dauer: etwa 20 Minuten pro Spiel.
Rangfolge
Die Werte laufen A – 2 – 3 … 10 – B – D – K, und beim Zopf geht es über Eck: Nach dem König kommt wieder das Ass, dann die 2. Dame, König, Ass, 2 ist also eine richtige Folge.
Die Teile der Auslage
- Zopf: zwanzig offene Karten, die im Zickzack untereinander in der Mitte liegen, jede halb über der vorigen. Spielbar ist nur seine letzte Karte – die unterste, die von keiner anderen bedeckt ist.
- Eckkarten: vier offene Karten, eine an jeder Ecke des Zopfs.
- Seitenkarten: acht offene Karten, vier links und vier rechts vom Zopf.
- Zielstapel: acht Stapel, zwei pro Farbe, auf denen du die Karten sammelst. Alle Zielstapel beginnen mit demselben Wert – dem Wert der Grundkarte, die nach dem Auslegen aufgedeckt wird.
- Vorrat: der verdeckte Stapel mit den übrigen Karten.
- Abwurfstapel: der offene Stapel, auf den du Karten aus dem Vorrat aufdeckst.
Vorbereitung
- Misch beide Blätter zusammen.
- Leg 20 Karten offen als Zopf in die Tischmitte: jede Karte schräg, abwechselnd von links und von rechts, sodass sie die vorige halb bedeckt.
- Leg an jede der vier Ecken des Zopfs eine offene Karte.
- Leg vier Karten offen links und vier rechts neben den Zopf: die Seitenkarten.
- Deck die nächste Karte auf – die 33. Das ist die Grundkarte: Sie kommt auf die Zielstapel. Die sieben anderen Karten ihres Werts eröffnen die übrigen Zielstapel, sobald sie auftauchen.
- Die übrigen 71 Karten sind der Vorrat. Lass daneben Platz für den Abwurfstapel.
Spielablauf
Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge.
- Auf einen Zielstapel: Wird eine weitere Karte vom Wert der Grundkarte frei, eröffnet sie einen neuen Zielstapel. Auf jedem Zielstapel legst du aufsteigend in derselben Farbe ab, über Eck: Mit Grundkarte 8 läuft ein Herz-Stapel 8♥ 9♥ 10♥ B♥ D♥ K♥ A♥ 2♥ … 7♥.
- Spielbare Karten: Die letzte Karte des Zopfs, die vier Eckkarten, die acht Seitenkarten und die oberste Karte des Abwurfstapels dürfen alle auf einen Zielstapel. Sonst wird nirgends angelegt – Karten wandern nur auf die Zielstapel oder in Lücken.
- Lücken an den Ecken: Ist eine Eckkarte weg, darfst du ihren Platz mit der letzten Karte des Zopfs füllen – und nur mit dieser. So arbeitest du dich in den Zopf hinein.
- Lücken an den Seiten: Eine Lücke bei den Seitenkarten darfst du nur aus dem Vorrat füllen – mit der obersten Karte des Abwurfstapels oder der nächsten Karte, die du aufdeckst. Du darfst sie leer lassen, bis eine brauchbare Karte kommt.
- Der Vorrat: Du deckst den Vorrat Karte für Karte auf den Abwurfstapel auf. Spielbar ist nur dessen oberste Karte; legst du sie weg, wird die darunter frei.
- Neuer Durchgang: Ist der Vorrat leer, drehst du den Abwurfstapel um (ohne zu mischen) – er ist der neue Vorrat. Das darfst du zweimal – insgesamt also drei Durchgänge.
Beispiel: Im Bild oben kommt die 9♥ aus der linken oberen Ecke auf die 8♥. Die Ecke füllst du mit dem B♥ vom Ende des Zopfs; jetzt ist die 7♣ die letzte Karte des Zopfs. Die 10♥ von der rechten Seite kommt auf die 9♥, der B♥ aus der Ecke folgt. Diese Ecke füllst du wieder aus dem Zopf, mit der 7♣. Die leere Seitenlücke wartet auf eine Karte aus dem Vorrat.
Gewonnen oder verloren
Du hast gewonnen, wenn alle 104 Karten auf den acht Zielstapeln liegen, 13 auf jedem – Zopf, Ecken und Seiten sind dann leer. Ist der dritte Durchgang vorbei und geht kein Zug mehr, ist die Patience nicht aufgegangen.
Tipps für Einsteiger
- Der Zopf entscheidet das Spiel. Passen eine Karte aus dem Zopf (oder einer Ecke) und eine vom Abwurfstapel auf denselben Zielstapel, nimm die aus dem Zopf.
- Prüf Zopf, Ecken und alle Seitenkarten, bevor du die nächste Karte aufdeckst.
- Nutz Seitenlücken mit Bedacht: Leg eine Karte vom Abwurfstapel hinein, wenn darunter eine Karte liegt, die du brauchst.
- Jede Karte gibt es zweimal – such nach dem zweiten Exemplar, bevor du einen Zielstapel aufgibst.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.
- Doppelte Karten: Nach Ella von Haunsteins alten Regeln darfst du beim Auslegen des Zopfs, wenn zwei gleiche Karten (gleiche Farbe, gleicher Wert) hineinkommen, eine davon in den Vorrat zurückstecken.
- Anlegen an die Seitenkarten: In Hannelene Juhls Fassung darfst du an die Seitenkarten absteigend in wechselnden Farben anlegen (rote 7 an schwarze 8), seitlich zu Reihen, aber immer nur eine Karte auf einmal. Eine Seitenlücke darf dann jede einzelne Karte oder die nächste Karte des Vorrats aufnehmen.
- Auf- oder absteigend: Bei PySolFC und in vielen Computerversionen entscheidest du mit der ersten Karte, die du auf irgendeinen Zielstapel legst, ob alle Zielstapel auf- oder alle absteigen (7♥ oder 9♥ auf die 8♥).
- Langer Zopf: 24 statt 20 Karten in den Zopf legen.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (Napoleon-Familie: eine lange Reservespalte in der Mitte, Zielstapel ab einer ausgeteilten Grundkarte)
- Herkunft: Deutschland; Zeitpunkt unbekannt
- Auch bekannt als: Braid, Plait, Pigtail; Herring-Bone (Wikipedia)
- Ähnliche Spiele: Der lange Zopf, Herring-Bone (Cadogan), Backbone, Canfield, Eagle Wing
Der Zopf ist eine deutsche Patience: Die Sammlung PySolFC führt sie unter ihrem deutschen Namen und nennt sie „eine Patience deutschen Ursprungs“. Hannelene Juhl zählt sie in ihrem großen Patiencen-Buch zu den bekanntesten und meistgelegten Patiencen, beliebt wegen ihres bunten Kartenbilds; einem geübten Spieler, der die ganze Auslage im Blick behält, gehe sie verhältnismäßig oft auf, und nur ein ganz ungünstig liegender Zopf sei zum Scheitern verurteilt. Eine ältere deutsche Beschreibung steht in Ella von Haunsteins undatiertem Heft 20 Patiencen aus dem Verlag des Frankfurter Spielkartenherstellers B. Dondorf: zwanzig Karten „zopfartig“ in der Mitte, vier an den Ecken und acht an den Seiten, die erste Karte des Vorrats bestimmt den Grundwert, Ecken werden aus dem Zopf aufgefüllt, und der Vorrat darf dreimal durchgenommen werden.
Englische Bücher kennen ein ähnliches Spiel als Herring-Bone („Fischgrät“). Die überarbeitete amerikanische Ausgabe von Lady Adelaide Cadogans Illustrated Games of Patience (1914) legt eine „Fischgräte“ aus 28 Karten – sieben Fächer zu drei Karten mit Einzelkarten dazwischen – mit acht „side scenes“ und vier „bars“ und lässt vier Zielstapel auf- und vier absteigen. Cadogan fügt hinzu, dass „in der deutschen Spielart“ die Fischgräte aus einem einzigen Blatt ausgelegt wird, bevor man die beiden Blätter zusammenmischt – so kommt keine Karte doppelt hinein. Die englische Wikipedia beschreibt den Zopf heute unter dem Titel Herring-Bone und nennt Pigtail, Braid und Der Zopf als weitere Namen.
Der Zopf kam früh auf den Computer: Er ist eines der zehn Spiele eines alten Patience-Programms für den Atari ST und gehört zu GNOME AisleRiot und PySolFC. PySolFC ordnet ihn dem „Napoleon-Typ“ zu, zusammen mit dem Langen Zopf (24 Karten im Zopf) und Backbone. Zielstapel, die bei einer ausgeteilten Grundkarte beginnen und über Eck laufen, gibt es auch bei Canfield und Eagle Wing.