Stichspiel · Spiel 360 von 388 ♥
Maw
Das Lieblingsspiel König Jakobs – fünf Karten, fünf Stiche, und die Trumpf-5, die „fünf Finger“, schlägt alles.
- Spieler
- 2 oder 4
- Dauer
- 20 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- mittel
- Karten
- 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für vier · Historische Spiele
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Ausführliche Regeln
Überblick
Maw war um 1600 das große Kartenspiel Schottlands und Englands und das Lieblingsspiel König Jakobs VI. und I. Zwei Spieler bekommen je fünf Karten und spielen fünf Stiche; wer drei oder mehr macht, gewinnt das Spiel. Sein berühmtestes Merkmal lebt bis heute im irischen Forty-Fives weiter: Die Trumpf-5, die „fünf Finger“, ist die beste Karte überhaupt, und das Herz-Ass ist immer Trumpf.
Vollständige Regeln von Maw sind nicht erhalten – nur eine Liste von Strafen vom königlichen Hof (siehe Geschichte). Die Regeln hier sind das Zweipersonenspiel Five Cards, das Charles Cotton 1674 beschrieb und das Historiker für Maw unter späterem Namen halten. Wo Cotton schweigt (Geben, genauer Platz von König und Dame), folgen sie den irischen Nachfahren des Spiels.
- Spieler: 2 (zu viert in zwei Parteien – siehe Varianten).
- Du brauchst: ein 52er-Blatt ohne Joker sowie Stift und Zettel.
Die Karten
Ein Stich ist eine Runde, in der jeder eine Karte legt; die beste Karte gewinnt ihn. Trumpf ist die Farbe, die für ein Spiel bestimmt wird: Jeder Trumpf sticht jede Karte einer anderen Farbe.
Maw hat eine ungewöhnliche Rangfolge. Bei den Zahlenkarten gilt: Rot zählt ganz normal von hoch nach niedrig, Schwarz genau umgekehrt – „the least of the black and the most of the red wins“, wie Cotton schreibt.
Trümpfe von hoch nach niedrig:
| Trumpf | Reihenfolge (hoch → niedrig) |
|---|---|
| ♥ | 5 A B K D 10 9 8 7 6 4 3 2 |
| ♦ | 5 A♥ A B K D 10 9 8 7 6 4 3 2 |
| ♣ ♠ | 5 A♥ A B K D 2 3 4 6 7 8 9 10 |
Die obersten Trümpfe sind also immer die Trumpf-5 („fünf Finger“), das A♥, das Trumpf-Ass und der Trumpf-Bube. Das A♥ ist in jedem Spiel Trumpf, egal welche Farbe Trumpf ist.
Die anderen Farben (Nicht-Trumpf) von hoch nach niedrig:
- ♥ ♦ (rot): K D B 10 9 8 7 6 5 4 3 2 A. Das A♦ ist die niedrigste Karte seiner Farbe – „die schlechteste des ganzen Blatts“, sagt Cotton. Das A♥ ist nie eine normale Herzkarte.
- ♣ ♠ (schwarz): K D B A 2 3 4 5 6 7 8 9 10.
Vorbereitung
- Lost aus, wer zuerst gibt; danach gebt ihr abwechselnd.
- Der Geber mischt, der andere hebt ab, und der Geber gibt jedem 5 Karten: erst 3, dann 2.
- Den Rest legt er verdeckt ab und deckt die oberste Karte auf. Ihre Farbe ist Trumpf.
- Deckt der Geber das A♥ auf, bekommt er sofort 4 Punkte.
Fünfen
Vor dem Spiel darf der Nichtgeber den Geber bitten, zu „fünfen“ („five it“) – also den Trumpf zu wechseln. Ist der Geber einverstanden, deckt er die nächste Karte auf, und deren Farbe ist in diesem Spiel Trumpf. Lehnt er ab, bleibt der erste Trumpf.
Rauben
Wer das Trumpf-Ass hat, darf rauben: die aufgedeckte Karte auf die Hand nehmen und eine beliebige andere Karte verdeckt unter den Stapel legen. Das geschieht, bevor du deine erste Karte spielst. Wer bei Hof raubte, ohne das Ass zu haben, verlor 4 Punkte und alles, was auf das Spiel gesetzt war.
Beispiel: Aufgedeckt ist die 9♣, Kreuz ist also Trumpf. Anna hat das A♣. Vor dem ersten Stich legt sie ihre 3♦ verdeckt unter den Stapel und nimmt die 9♣.
Die Stiche
Der Nichtgeber spielt zum ersten Stich aus, danach jeweils der Gewinner des letzten Stichs.
- Du musst bedienen (eine Karte der ausgespielten Farbe legen), wenn du kannst. Das A♥ zählt dabei als Trumpf, nicht als Herz. Kannst du nicht bedienen, darfst du jede Karte legen, auch einen Trumpf.
- Der höchste Trumpf gewinnt den Stich. Liegt kein Trumpf, gewinnt die höchste Karte der ausgespielten Farbe.
Nicht zu bedienen, obwohl man könnte, hieß Renonce. Die Hofregeln bestraften das mit dem Verlust der ganzen Partie.
Beispiel: Kreuz ist Trumpf. Anna spielt die 8♣ aus. Ben legt die 3♣ und gewinnt – bei schwarzen Trümpfen sind die niedrigen Zahlen besser. Dann spielt Ben die 5♦ aus; Anna hat kein Karo und legt den B♠, eine Nicht-Trumpf-Karte, also gewinnt Ben wieder.
Punkte
Wer drei oder vier Stiche macht, bekommt 5 Punkte. Alle fünf Stiche bringen 10. Dazu kommen die 4 Punkte für ein aufgedecktes A♥.
Beispiel: Ben gibt und deckt das A♥ auf (4 Punkte). Anna macht drei Stiche (5 Punkte). Stand: Anna 5, Ben 4.
Spielende
Mehrere Spiele ergeben eine Partie (englisch set). Wer zuerst 26 Punkte erreicht, gewinnt sie. Die alten Quellen nennen das Ziel nicht eindeutig; 26 ist die Lesart der englischen Wikipedia aus den Hofregeln.
Tipps für Einsteiger
- Lern zuerst die Reihenfolge. Fünf Finger, A♥, Trumpf-Ass und Trumpf-Bube sind die vier Karten, um die sich alles dreht.
- Zähl bis drei. Du brauchst nur drei Stiche – zwei hohe Trümpfe und ein König sind schon eine starke Hand.
- Fünfen ist ein Glücksspiel. Bitte nur darum, wenn du fast keine Trümpfe hast.
- Raub mit Bedacht. Leg dabei deine schwächste Nicht-Trumpf-Karte ab, nicht einen einzelnen König, der noch einen Stich machen kann.
Varianten
Vor dem Spiel absprechen.
- Zu viert: Die Hofregeln sprechen vom „Mate“, dem Partner – Maw wurde also auch zwei gegen zwei gespielt, Partner gegenüber. Jeder bekommt 5 Karten, der linke Nachbar des Gebers spielt aus, und die Partei mit drei oder mehr Stichen punktet.
- Die ältere Reihenfolge: Ein Text von 1593 nennt den Trumpf-Buben „die zweite Karte bei Maw“. Für das Spiel vor Cottons Zeit steht der Trumpf-Bube über dem A♥: 5, B, A♥, Trumpf-Ass – die Reihenfolge, die Forty-Fives bis heute verwendet.
- Zurückhalten (19. Jahrhundert): Im irischen Five and Ten müssen 5, A♥ und Trumpf-Ass nicht zugegeben werden, wenn ein niedrigerer Trumpf ausgespielt wird – auch wenn du keinen anderen Trumpf hast.
- Geber raubt ein Ass: Bei den irischen Nachfahren darf der Geber ein aufgedecktes Ass gegen eine Karte aus der Hand tauschen.
- Fünfen bis zur neuen Farbe: Nach David Parletts Lesart von Cotton deckt der Geber so lange Karten auf, bis eine andere Farbe erscheint.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Stichspiel (Spoil-Five-Familie)
- Herkunft: Schottland und England, 16. Jahrhundert
- Auch bekannt als: Mawe, Mayo, Maye; Five Cards (Cotton, 1674)
- Ähnliche Spiele: Five and Ten, Spoil Five, Twenty-Five, Forty-Fives, L’Hombre
Maw ist das älteste bekannte Mitglied der Familie, zu der Irlands Nationalspiel Twenty-Five und Forty-Fives gehören. Laut David Parlett wird es in der englischen Literatur zwischen etwa 1550 und 1650 so oft erwähnt, dass man nur die aufschlussreichsten Stellen nennen muss. Laut englischer Wikipedia wurde es zu Weihnachten 1572 in Hengrave Hall gespielt, und am 14. Dezember 1594 wurde im Londoner Rose-Theater ein heute verlorenes Stück namens The Set at Maw uraufgeführt. Um 1576–80 nannte Arthur Hall es ein Kartenspiel, das „vom Land, von den Geringsten, zu Ansehen bei Hof bei den Größten“ aufgestiegen sei. Ein Text von 1593 ergänzt, der Trumpf-Bube sei zwar „die zweite Karte bei Maw“, doch die fünf Finger schlügen ihn und alle anderen.
Der berühmteste Spieler war Jakob VI. von Schottland, ab 1603 auch Jakob I. von England; laut den schottischen Staatspapieren, die die englische Wikipedia zitiert, spielte er Weihnachten 1588 in Kinneil House „Maye“. Parlett schreibt, dass Maw unter Jakob zum wichtigsten Spiel am englischen Hof wurde. Ein Spottpamphlet von 1622 behauptete, der König habe „das schönste Spiel Maw verloren, das je ein König hatte“, weil er die fünf Finger nicht richtig genutzt habe.
Eine vollständige Beschreibung von Maw gibt es nicht. Die Hofregeln des Groom Porter, eine Liste von Strafen vom königlichen Hof um 1600, zeigen aber, dass es die fünf Finger, das A♥, das Rauben und das Spiel mit Partner schon gab. Wie viele Spiele verschwand Maw in England während des Commonwealth (1649–1660). 1674 beschrieb Charles Cotton Five Cards, „ein irisches Spiel“, das Historiker für Maw halten; Cotton überliefert auch den alten Glauben, das Karo-Ass sei „die schlechteste Karte des ganzen Blatts“. Im 19. Jahrhundert tauchte das Spiel in Irland als Five and Ten, Spoil Five und Forty-Five wieder auf.
Die Regeln auf dieser Seite folgen Cottons Five Cards; was er offen lässt, ist den späteren irischen Spielen entnommen.