Kartenspielregeln

Stichspiel mit Reizen · Spiel 94 von 388 ♣

Nap (Napoleon)

Fünf Karten, ein mutiges Gebot – und alle anderen verbünden sich, damit du deinen Nap nicht schaffst.

Spieler
3–8
Dauer
30 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
leicht
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt

Platz 4 in Die besten Spiele zu fünft

Sammlungen: Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Spiele für Kinder

Kurzregeln

  • Ziel: mindestens so viele Stiche wie geboten, allein gegen alle. Gespielt um Chips.
  • Je 5 Karten (3 + 2); der Rest ruht.
  • Bieten: links vom Geber beginnend, jeder einmal: passen oder höher bieten. Passen alle: nächster Geber.
  • Gebote: Zwei · Drei · Misère (kein Stich) · Vier · Nap (alle 5) · Wellington · Blücher.
  • Der Bieter spielt aus; die Farbe dieser Karte ist Trumpf (Misère: keiner).
  • Bedienen, sonst beliebig. Höchster Trumpf gewinnt, sonst höchste Karte der Farbe (A hoch). Wer sticht, spielt aus.
  • Erfüllt: Jeder Gegner zahlt dem Bieter den Wert; verloren: Der Bieter zahlt jedem.

Spickzettel

Gebote (niedrig → hoch)

Gebot Stiche Wert
Zwei 2+ 2
Drei 3+ 3
Misère keiner, ohne Trumpf 3
Vier 4+ 4
Nap alle 5 5
Wellington alle 5, nur nach Nap 10
Blücher alle 5, nur nach Wellington 20
  • Beispiel: Drei erfüllt gegen 3 Gegner: Bieter +9, jeder Gegner −3. Verloren: umgekehrt.
  • Gemischt wird nur zu Beginn und nach gewonnenem Nap oder höher; sonst nur einsammeln und abheben. Der Geber wechselt nach links.
  • Die Gegner halten zusammen gegen den Bieter – nicht auf eigene Stiche spielen.
  • Ende: kein festes – am besten, wenn jeder gleich oft gegeben hat. Die meisten Chips gewinnen.

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Die Karten
  3. Vorbereitung
  4. Bieten
  5. Die Stiche
  6. Abrechnung
  7. Spielende
  8. Tipps für Einsteiger
  9. Varianten

Überblick

Nap ist ein schnelles, lebhaftes Spiel aus England. Jeder bekommt nur 5 Karten. Jeder darf einmal bieten, wie viele der 5 Stiche er machen wird; wer am höchsten bietet, spielt dann allein gegen alle anderen. Das kühnste Gebot, Nap, verspricht alle fünf Stiche. Gespielt wird meist um Chips oder Spielmarken, die nach jedem Spiel den Besitzer wechseln.

  • Spieler: 3 bis 8, am besten 4 oder 5. Jeder spielt für sich.
  • Du brauchst: ein 52er-Blatt ohne Joker und Chips, Spielmarken oder Stift und Zettel.

Die Karten

In jeder Farbe gilt von hoch nach niedrig: A K D B 10 9 8 7 6 5 4 3 2.

Ein Stich ist eine Runde, in der jeder eine Karte legt; die beste Karte gewinnt ihn. Trumpf ist die Farbe, die in diesem Spiel alle anderen Farben sticht. Bei Nap bestimmt die erste Karte, die der Bieter ausspielt, den Trumpf.

Vorbereitung

  1. Der erste Geber wird ausgelost, danach gibt reihum der linke Nachbar.
  2. Der Geber mischt, sein rechter Nachbar hebt ab. Dann gibt er im Uhrzeigersinn, links beginnend, jedem 5 Karten: erst 3, dann 2 (oder erst 2, dann 3).
  3. Die übrigen Karten werden in diesem Spiel nicht gebraucht.

Traditionell wird nur zu Beginn und nach einem gewonnenen Nap (oder höher) gemischt; sonst werden die Karten nur eingesammelt und abgehoben.

Bieten

Reihum im Uhrzeigersinn, beginnend links vom Geber, kommt jeder einmal zu Wort: passen oder höher bieten als das bisher höchste Gebot. Die Gebote von niedrig nach hoch:

Gebot Ziel Wert
Zwei mindestens 2 Stiche 2
Drei mindestens 3 Stiche 3
Misère keinen Stich, ohne Trumpf 3
Vier mindestens 4 Stiche 4
Nap alle 5 Stiche 5
Wellington alle 5 – nur nachdem jemand Nap geboten hat 10
Blücher alle 5 – nur nachdem jemand Wellington geboten hat 20

Wer am höchsten geboten hat, spielt allein gegen alle anderen. Passen alle, wird zusammengeworfen, und der nächste Geber mischt und gibt.

Die Stiche

Der Bieter spielt zum ersten Stich aus, und die Farbe dieser Karte ist Trumpf. (Bei Misère gibt es keinen Trumpf.) Im Uhrzeigersinn legt jeder eine Karte:

  • Bedienen: Hast du die ausgespielte Farbe, musst du sie legen.
  • Kannst du nicht bedienen, darfst du jede Karte legen – stechen oder abwerfen.

Der höchste Trumpf gewinnt den Stich; liegt kein Trumpf, die höchste Karte der ausgespielten Farbe. Wer den Stich macht, spielt zum nächsten aus.

Beispiel: Vier Spieler. Ben bietet Drei. Er spielt das A♠ aus, also ist Pik Trumpf. Er gewinnt den Stich, dann mit dem K♠ den nächsten, verliert einen Herzstich und gewinnt mit der 10♠ – drei Stiche, sein Gebot ist erfüllt.

Abrechnung

  • Gebot erfüllt: Jeder Gegner zahlt dem Bieter den Wert des Gebots.
  • Gebot verloren: Der Bieter zahlt jedem Gegner denselben Betrag.

Beispiel: Ben hat Drei geschafft, gegen drei Gegner: Jeder zahlt ihm 3 Chips, er gewinnt also 9. Wäre er gescheitert, hätte er jedem von ihnen 3 Chips gezahlt.

Spielende

Ein festes Ende gibt es nicht. Spielt, solange ihr wollt – am besten, bis jeder gleich oft gegeben hat. Wer dann die meisten Chips gewonnen hat, gewinnt.

Tipps für Einsteiger

  • Biete mit langen, starken Trümpfen. Du bestimmst den Trumpf mit deinem ersten Ausspiel – nimm deine beste Farbe.
  • Spiel zuerst Trumpf, um den Gegnern die Trümpfe abzunehmen, bevor du deine anderen hohen Karten bringst.
  • Die Gegner halten zusammen. Alle gegen den Bieter sollten versuchen, sein Gebot zu verhindern – nicht selbst Stiche zu sammeln.
  • Misère braucht niedrige Karten – Zweier, Dreier, Vierer –, am besten in mehreren Farben.
  • Nap lohnt sich nur mit fast sicheren Stichen: den höchsten Trümpfen und ein, zwei Assen.

Varianten

Vor dem Spiel absprechen.

  • Niedrigstes Gebot Drei: Viele spielen ohne das Gebot Zwei.
  • Doppelt für Nap: Nap, Wellington und Blücher zählen doppelt (10, 20, 40) – entweder nur, wenn sie gewonnen werden, oder auch beim Verlieren. Laut englischer Wikipedia bringt ein gewonnener Nap 10 von jedem Spieler, ein verlorener kostet nur 5.
  • Kleineres Blatt: Manche nehmen niedrige Karten heraus: 24 Karten (9 bis A) zu dritt, 28 (8 bis A) zu viert, 32 (7 bis A) zu fünft.
  • Purchase Nap (Kauf-Nap): Vor dem Bieten darf jeder beliebig viele Karten gegen neue vom Stapel tauschen und zahlt dafür 1 Chip pro Karte in einen Topf. Wer als Erster Nap oder höher gewinnt, bekommt auch den Topf. (Laut pagat.com kauft ein fester Einsatz, meist 1 Chip, beliebig viele Karten.)
  • Peep Nap (Guck-Nap): Eine zusätzliche Karte wird verdeckt ausgeteilt. Für einen Chip darf man sie vor dem Bieten heimlich ansehen, und der Bieter darf sie gegen eine Karte aus seiner Hand tauschen (Einzelheiten unterschiedlich).

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Stichspiel mit Reizen (einer gegen alle)
  • Herkunft: England, 1870er-Jahre
  • Auch bekannt als: Napoleon
  • Ähnliche Spiele: Fipsen, Loo, Euchre

Nap ist ein einfaches Spiel mit fünf Karten, bei dem einer bietet, eine Anzahl Stiche gegen alle anderen zu machen. Laut der deutschen Wikipedia und pagat.com veröffentlichte H. E. Heather die ersten Regeln 1875 (laut pagat.com in der Oktoberausgabe von The Bazaar); die englische Wikipedia nennt 1876. Das Spiel verbreitete sich rasend schnell: Es löste bald Loo als Englands beliebtestes Fünf-Karten-Spiel ab, und 1897 galt es als Nationalkartenspiel Englands. Der Kartenspielautor Foster schrieb laut Wikipedia, kaum ein Spiel sei in so kurzer Zeit so bekannt geworden.

Woher der Name kommt, ist unklar. Belegt ist das Spiel erst ab dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts; gemeint sein könnte also auch Napoleon III. statt Napoleon I. Die höchsten Gebote, Wellington und Blücher, tragen die Namen der beiden Feldherren, die Napoleon bei Waterloo besiegten; laut pagat.com waren sie 1891 zusammen mit der Misère und Varianten wie Peep Nap schon dazugekommen. Frühe Spieler sagten ihre Gebote mit „I go two“ usw. an – daher der englische Ausdruck „to go nap“: alles auf eine Karte setzen.

Gespielt wird Nap bis heute in Südengland und Schottland, meist um kleine Einsätze, die nach jedem Spiel abgerechnet werden, und in vielen örtlichen Varianten. Laut pagat.com ist das norddeutsche Fipsen sein einziger bekannter Verwandter; eine angebliche französische Herkunft ist wohl unbegründet.

Quellen