Kartenspielregeln

Poker (Stud) · Spiel 123 von 388 ♦

Razz

Seven-Card Stud auf den Kopf gestellt – die niedrigste Hand gewinnt, Asse sind klein, und die Traumhand heißt 5-4-3-2-A.

Spieler
2–8
Dauer
60 Min.
Alter
ab 16
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker, dazu Chips
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Platz 9 in Pokerabend

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Langer Abend

Kurzregeln

  • Ziel: Chips gewinnen – niedrigste 5 aus deinen 7 Karten, oder als Letzter übrig bleiben.
  • Asse niedrig; Straßen und Flushs zählen nicht. Beste: 5-4-3-2-A.
  • Ante (z. B. 1). Je 2 Karten verdeckt, 1 offen.
  • Third Street: Die höchste offene Karte zahlt den Bring-in (z. B. 2) oder gleich 5. Andere: aussteigen, mitgehen oder auf 5 ergänzen, dann erhöhen.
  • Street 4–6: je 1 Karte offen; Street 7: 1 verdeckt. Nach jeder Karte eine Setzrunde; die niedrigste offene Hand beginnt, darf checken.
  • Einsätze: klein in Street 3–4, ab Street 5 groß (10); max. 1 Einsatz + 3 Erhöhungen.
  • Showdown: Niedrigste Hand gewinnt, Gleichstand teilt. Geben wandert nach links.

Spickzettel

Niedrige Hände (beste zuerst)

Hand Beispiel
Fünf hoch (Wheel) 5 4 3 2 A
Sechs hoch 6 4 3 2 A
Sieben hoch 7 5 4 3 2
Acht bis König hoch 8 7 6 5 4
Ein Paar 2 2 5 4 3
Zwei Paare 3 3 2 2 4
Drilling A A A 3 2
Full House / Vierling 2 2 2 A A
  • Vergleich: Kein Paar schlägt jedes Paar. Zuerst die höchste Karte – die niedrigere gewinnt, dann die nächste: 8-5-4-3-2 schlägt 8-6-3-2-A. Zwei Paare: Das niedrigere gewinnt.
  • Bring-in gleich: ♠ am höchsten, dann ♥ ♦ ♣. Offene Hand: Ein Paar zählt schlecht; gleich: Wer näher links vom Geber sitzt, beginnt. Ein offenes Paar erlaubt keine großen Einsätze.
  • Karten reichen nicht (zu acht): eine Gemeinschaftskarte offen in die Mitte – die 7. Karte für alle.

Punkteblock

Partien werden in diesem Browser auf diesem Gerät gespeichert.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Kartenwerte und Rangfolge der Hände
  3. Setzen in Kürze
  4. Vorbereitung
  5. Ein Spiel Schritt für Schritt
  6. Wenn die Karten nicht reichen
  7. All-in und Nebenpots
  8. Spielende
  9. Tipps für Einsteiger
  10. Varianten

Überblick

Razz ist Seven-Card Stud mit umgekehrter Wertung: Die niedrigste Hand gewinnt den Pot. Im Lauf eines Spiels bekommt jeder sieben eigene Karten – drei verdeckt und vier offen, für alle sichtbar –, und in fünf Setzrunden schiebt ihr Chips in den gemeinsamen Pot – oder steigt aus. Den Pot gewinnt, wer als Letzter übrig bleibt oder am Ende aus seinen sieben Karten die niedrigste Hand aus fünf Karten bildet. Asse sind niedrig, Straßen und Flushs zählen nicht – die bestmögliche Hand ist also 5-4-3-2-A.

  • Spieler: 2–8, jeder für sich; am besten zu fünft bis siebt.
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten ohne Joker und Chips (oder Spielmarken, Streichhölzer, Knöpfe) – für alle zu Beginn gleich viele, z. B. je 200. Gespielt wird um Chips, nicht um Geld.

Kartenwerte und Rangfolge der Hände

Bei Razz zählen die Karten von niedrig nach hoch A 2 3 4 5 6 7 8 9 10 B D K – das Ass ist immer die niedrigste Karte. Farben spielen für die Hand keine Rolle, und Straßen und Flushs werden ignoriert: 5♥ 4♥ 3♥ 2♥ A♥ ist einfach die beste niedrige Hand.

Am Ende bildest du aus deinen sieben Karten die niedrigste Hand aus genau fünf Karten. Von der besten zur schlechtesten:

Hand Beschreibung Beispiel
Fünf hoch (Wheel) die bestmögliche Hand 5 4 3 2 A
Sechs hoch höchste Karte eine 6 6 4 3 2 A
Sieben hoch höchste Karte eine 7 7 5 4 3 2
Acht bis König hoch kein Paar, höchste Karte 8 … K 8 7 6 5 4
Ein Paar zwei gleiche Werte 2 2 5 4 3
Zwei Paare zwei verschiedene Paare 3 3 2 2 4
Drilling drei gleiche Werte A A A 3 2
Full House / Vierling am schlechtesten 2 2 2 A A

So vergleichst du: Jede Hand ohne Paar schlägt jede Hand mit Paar. Bei zwei Händen ohne Paar schaust du zuerst auf die höchste Karte: Die niedrigere gewinnt. Ist sie gleich, vergleichst du die nächsthöhere Karte und so weiter. 8-5-4-3-2 schlägt also 8-6-3-2-A (5 ist niedriger als 6), und 7-6-5-4-3 schlägt 8-4-3-2-A (7 ist niedriger als 8), obwohl die zweite Hand sonst kleinere Karten hat. Haben beide ein Paar, gewinnt das niedrigere Paar. Sind alle fünf Werte gleich, herrscht Gleichstand und der Pot wird geteilt.

Setzen in Kürze

Alle gesetzten Chips kommen in den Pot in der Mitte. Vor jedem Spiel zahlt jeder einen kleinen festen Grundeinsatz, das Ante, in den Pot. Bist du in einer Setzrunde dran, kannst du:

  • Checken (schieben) – nichts setzen, solange in dieser Runde noch niemand gesetzt hat.
  • Setzen – Chips einzahlen.
  • Mitgehen – so viel einzahlen, dass du mit dem höchsten Einsatz gleichziehst.
  • Erhöhen – mitgehen und noch etwas drauflegen.
  • Aussteigen (folden) – aufgeben: Du drehst alle deine Karten um und legst sie weg. Was du schon gesetzt hast, ist verloren, und du spielst in dieser Runde nicht mehr mit.

Eine Setzrunde endet, wenn alle, die noch dabei sind, gleich viel eingezahlt haben (oder all-in sind) und jeder die Gelegenheit hatte, zu handeln.

Razz wird mit festen Limits gespielt: Jeder Einsatz und jede Erhöhung ist in den ersten beiden Runden genau ein kleiner Einsatz, in den letzten drei ein großer Einsatz (das Doppelte). Pro Runde sind höchstens ein Einsatz und drei Erhöhungen erlaubt. Ein guter Anfang: Ante 1, Bring-in 2 (siehe unten), kleiner Einsatz 5, großer Einsatz 10.

Vorbereitung

  1. Alle bekommen gleich viele Chips. Bestimmt den ersten Geber (z. B. wer die höchste Karte zieht); nach jedem Spiel gibt der linke Nachbar.
  2. Alle zahlen ihr Ante in den Pot.
  3. Der Geber mischt und gibt reihum im Uhrzeigersinn, links beginnend, jedem einzeln zwei Karten verdeckt und dann eine Karte offen. Die verdeckten Karten sind deine Hole Cards – schau sie dir an, aber zeig sie niemandem. Die offene Karte liegt sichtbar vor dir.

Ein Spiel Schritt für Schritt

Jeder Abschnitt des Gebens heißt Street und ist nach der Zahl der Karten benannt, die dann jeder hat.

1. Third Street (3 Karten): Wer die höchste offene Karte hat (der König ist am höchsten, das Ass am niedrigsten), muss mit einem Pflichteinsatz beginnen, dem Bring-in (2 Chips). Zeigen mehrere denselben höchsten Wert, entscheidet die Farbe: ♠ ist am höchsten, dann ♥, ♦, ♣. Statt des Bring-ins darf dieser Spieler auch gleich einen vollen kleinen Einsatz (5) machen. Danach geht es im Uhrzeigersinn weiter: Jeder kann aussteigen, den Bring-in mitgehen oder ihn auf den vollen kleinen Einsatz ergänzen; erst danach dürfen die Folgenden erhöhen.

2. Fourth Street: Jeder, der noch dabei ist, bekommt eine weitere Karte offen. Zweite Setzrunde. Ab jetzt beginnt, wessen offene Karten die niedrigste sichtbare Hand bilden (ein offenes Paar zählt schlecht). Bei Gleichheit beginnt, wer näher links vom Geber sitzt. Der Erste darf checken. Es gelten noch kleine Einsätze – ein offenes Paar ändert daran nichts.

3. Fifth Street: eine weitere Karte offen für jeden. Dritte Setzrunde – ab jetzt mit großen Einsätzen.

4. Sixth Street: noch eine Karte offen. Vierte Setzrunde.

5. Seventh Street (der River): eine letzte Karte verdeckt. Fünfte und letzte Setzrunde.

6. Showdown: Sind noch zwei oder mehr Spieler dabei, decken sie alle Karten auf – wer zuletzt gesetzt oder erhöht hat, zuerst; haben alle gecheckt, zeigt zuerst, wer die letzte Setzrunde begonnen hat (die niedrigste sichtbare Hand). Jeder bildet die niedrigste Fünferhand aus seinen sieben Karten. Die niedrigste Hand gewinnt den Pot, gleich gute Hände teilen ihn.

Steigen irgendwann alle bis auf einen aus, gewinnt dieser den Pot sofort, ohne seine Karten zu zeigen.

Beispiel: Vier Spieler zahlen je 1 Ante (Pot 4). Offen liegen: Anna 3♠, Ben K♦, Carla K♣, Dan 7♥. Zwei Könige sind am höchsten; Karo steht über Kreuz, also zahlt Ben den Bring-in von 2. Carla steigt aus, Dan ergänzt auf 5, Anna geht mit 5 mit, Ben steigt aus: Pot 16. In Fourth Street bekommt Anna 6♥ (offen 6-3) und Dan 2♣ (offen 7-2): 6 ist niedriger als 7, also beginnt Anna. Beim Showdown hat Anna A♦ 3♠ 6♥ 8♣ 9♠ 9♦ D♣ – ihre beste Hand ist 9-8-6-3-A. Dan hat 2♣ 4♦ 7♥ 7♠ 8♦ 10♥ K♠ – seine beste ist 10-8-7-4-2. Annas 9 ist niedriger als Dans 10: Sie gewinnt.

Verdeckt3♠6♥D♣9♠9♠♠OffenVerdeckt
Razz – Annas sieben Karten: zwei verdeckt, vier offen, die letzte verdeckt

Wenn die Karten nicht reichen

Zu acht reichen die Karten für Seventh Street nicht, wenn niemand ausgestiegen ist. Dann legt der Geber eine Karte offen in die Mitte: Diese Gemeinschaftskarte zählt für alle als siebte Karte.

All-in und Nebenpots

Willst du mitgehen, hast aber nicht genug Chips, gehst du all-in: Du schiebst alle deine restlichen Chips in den Pot und bleibst bis zum Showdown dabei, ohne weiter zu setzen. Du kannst von jedem Gegner nur so viel gewinnen, wie du selbst eingezahlt hast. Was die anderen darüber hinaus setzen, kommt in einen eigenen Nebenpot (Side Pot), den nur sie gewinnen können. Wer keine Chips mehr hat, scheidet aus.

Spielende

Spielt, bis nur noch einer Chips hat, oder hört zu einer vereinbarten Zeit auf – dann gewinnt, wer die meisten Chips hat.

Tipps für Einsteiger

  • Spiel mit drei verschiedenen Karten von 8 abwärts – je niedriger, desto besser. Drei Karten von 5 abwärts sind hervorragend.
  • Ein König oder eine Dame unter deinen ersten drei Karten ist meist ein Grund auszusteigen.
  • Beobachte die offenen Karten: Liegen die kleinen Karten, die du brauchst, schon bei anderen, sinken deine Chancen. Hohe Karten bei den Gegnern sind gute Nachrichten.
  • Ein frühes Paar ist kein Beinbruch – es kommen noch einige Karten –, aber zahl nicht viel, um das herauszufinden.
  • Geh nicht mit, nur weil du schon Chips im Pot hast. Was im Pot liegt, gehört dir nicht mehr.

Varianten

Alles freiwillig – vorher absprechen.

  • Private Runde: kein Bring-in, dafür ein höheres Ante; jede Setzrunde, auch die erste, beginnt die niedrigste sichtbare Hand (sie darf checken).
  • Seven-Card Stud: dasselbe Spiel mit hoher Wertung – siehe Seven-Card Stud.
  • Seven-Card Stud Hi-Lo (Eight or Better): Der Pot wird zwischen der besten hohen und der besten niedrigen Hand geteilt, sofern eine niedrige Hand aus fünf verschiedenen Karten von 8 abwärts besteht.
  • Ass bis Sechs: Straßen und Flushs zählen gegen dich (so schlecht wie im normalen Poker), Asse bleiben niedrig; die beste Hand ist dann 6-4-3-2-A.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Poker (Stud) – Lowball: die niedrigste Hand gewinnt
  • Herkunft: USA, vermutlich frühes 20. Jahrhundert; genauer Zeitpunkt unbekannt
  • Auch bekannt als: Seven-Card Stud Lowball, Seven-Card Stud Low
  • Ähnliche Spiele: Seven-Card Stud, Seven-Card Stud Hi-Lo, Lowball Draw, 2-7 Triple Draw

Razz ist laut der deutschen Wikipedia Seven-Card Stud Lowball: Geben, offene und verdeckte Karten und die fünf Setzrunden sind wie beim Seven-Card Stud, doch die schlechteste Hand gewinnt. Lowball heißen allgemein Pokerspiele mit umgekehrter Rangfolge. Razz nutzt die Wertung Ass bis Fünf, nach der englischen Wikipedia die in amerikanischen Casinos verbreitetste: Asse sind niedrig, Straßen und Flushs zählen nicht, die beste Hand ist also 5-4-3-2-A, das „Wheel“.

Woher Razz genau stammt, ist unbekannt; nach der englischen Wikipedia wird es seit Anfang des 20. Jahrhunderts gespielt und gehört damit zu den älteren Pokerformen, die heute noch gespielt werden. Seit 1971 gibt es bei der World Series of Poker ein Razz-Turnier; das erste gewann Jimmy Casella.

Heute kennt man Razz vor allem als das „R“ in HORSE, einer Mischform, bei der reihum Hold’em, Omaha Hi-Lo, Razz, Stud und Stud Hi-Lo gespielt werden. Robert’s Rules of Poker, eine Regelvorlage, die viele Kartenräume übernehmen, beschreibt es in wenigen Sätzen: Die höchste Karte (nach Farbe) zahlt den Bring-in, später beginnt die niedrigste Hand, und anders als beim normalen Stud erlaubt ein offenes Paar in Fourth Street keinen großen Einsatz. Die deutsche Wikipedia nennt für den Bring-in die umgekehrte Farbreihenfolge (♣ am höchsten) – sprecht also ab, welche ihr nehmt.

Quellen