Kartenspielregeln

Poker (Gemeinschaftskarten) · Spiel 122 von 388 ♥

Short Deck Hold’em

Hold’em ohne 2er bis 5er – dicke Hände in jedem Spiel, ein Flush schlägt das Full House, und Antes machen jeden Pot umkämpft.

Spieler
2–8
Dauer
90 Min.
Alter
ab 16
Anspruch
mittel
Karten
36 Karten (6–A), dazu Chips
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Langer Abend

Kurzregeln

  • Ziel: Chips gewinnen – beste Fünferhand aus deinen 2 Hole Cards + den 5 Karten auf dem Board, oder als Letzter übrig bleiben.
  • Ante 1 für alle, der Button zahlt 2; Mindesteinsatz 2. Je 2 Karten.
  • Preflop: Links vom Button beginnt; wer bleibt, geht mit (1 nachzahlen). Der Button darf zuletzt erhöhen.
  • Flop (3), Turn (1), River (1), je nach einer verbrannten Karte; dann Setzrunde ab dem ersten Aktiven links vom Button.
  • No Limit: Erhöhung ≥ letzter Einsatz bzw. letzte Erhöhung, bis all-in.
  • Showdown: Beste Hand gewinnt, Gleichstand teilt. Button wandert nach links.

Spickzettel

Hände (beste zuerst)

Hand Beispiel
Straight Flush 10♥ 9♥ 8♥ 7♥ 6♥
Vierling 7 7 7 7 K
Flush K♦ B♦ 9♦ 7♦ 6♦
Full House D D D 8 8
Straße 10 9 8 7 6
Drilling 6 6 6 K 9
Zwei Paare B B 7 7 A
Ein Paar 10 10 A 8 6
Höchste Karte A B 9 8 6
  • Flush schlägt Full House! Niedrigste Straße: 9-8-7-6-A.
  • Gleiche Art: erst die Hauptkarten, dann der Rest von oben. Farben zählen nie – Gleichstand teilt.
  • Kleinste Erhöhung preflop: 1 mitgehen + 2 = 3 Chips zusätzlich zum Ante.
  • All-in: Von jedem Gegner gewinnst du höchstens deinen Einsatz; der Rest kommt in einen Nebenpot, der zuerst entschieden wird.

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Kartenwerte und Rangfolge der Hände
  3. Setzen in Kürze
  4. Vorbereitung
  5. Ein Spiel Schritt für Schritt
  6. All-in und Nebenpots
  7. Spielende
  8. Tipps für Einsteiger
  9. Varianten

Überblick

Short Deck Hold’em (auch 6+ Hold’em) ist Texas Hold’em ohne die Zweien, Dreien, Vieren und Fünfen. Jeder bekommt zwei geheime Karten, dazu kommen fünf offene Karten in die Tischmitte, die alle nutzen dürfen. In vier Setzrunden schiebt ihr Chips in den gemeinsamen Pot – oder steigt aus. Den Pot gewinnt, wer als Letzter übrig bleibt oder am Ende die beste Pokerhand aus fünf Karten hat. Mit nur 36 Karten kommen starke Hände viel häufiger vor, und zwei Dinge ändern sich an der Rangfolge: Ein Flush schlägt ein Full House, und das Ass bildet mit 9-8-7-6 die niedrigste Straße. Meist spielt man No Limit: Du darfst jederzeit alle deine Chips setzen.

  • Spieler: 2–8, jeder für sich; am besten zu sechst oder weniger.
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, aus dem alle Zweien, Dreien, Vieren und Fünfen (und die Joker) aussortiert sind – bleiben 36 Karten –, und Chips (oder Spielmarken, Streichhölzer, Knöpfe), für alle zu Beginn gleich viele, z. B. je 100. Gespielt wird um Chips, nicht um Geld.

Kartenwerte und Rangfolge der Hände

Die Karten zählen A K D B 10 9 8 7 6; das Ass darf auch unten in der Straße 9-8-7-6-A stehen. Alle Farben sind gleich viel wert.

Am Ende bildest du aus sieben Karten die beste Hand aus genau fünf Karten. Von der besten zur schwächsten:

Hand Beschreibung Beispiel
Royal Flush A K D B 10 in einer Farbe A♠ K♠ D♠ B♠ 10♠
Straight Flush fünf in Folge, gleiche Farbe 10♥ 9♥ 8♥ 7♥ 6♥
Vierling vier gleiche Werte 7 7 7 7 K
Flush fünf einer Farbe K♦ B♦ 9♦ 7♦ 6♦
Full House Drilling + Paar D D D 8 8
Straße fünf in Folge, gemischte Farben 10 9 8 7 6
Drilling drei gleiche Werte 6 6 6 K 9
Zwei Paare zwei verschiedene Paare B B 7 7 A
Ein Paar zwei gleiche Werte 10 10 A 8 6
Höchste Karte nichts von alledem A B 9 8 6

Achtung, zwei Unterschiede zum normalen Poker: Der Flush steht über dem Full House (mit weniger Karten pro Farbe sind Flushs seltener), und die niedrigste Straße ist 9-8-7-6-A.

Jede Hand einer höheren Art schlägt jede Hand einer niedrigeren. Bei gleicher Art gewinnen die höheren Karten: Zuerst vergleicht ihr die wichtigsten Karten (den Vierling, den Drilling, das höhere Paar …), dann die übrigen Karten der Reihe nach von oben. Eine Straße zählt nach ihrer höchsten Karte, 9-8-7-6-A ist also die niedrigste. Sind alle fünf Werte gleich, herrscht Gleichstand und der Pot wird geteilt – die Farbe entscheidet nie.

Setzen in Kürze

Alle gesetzten Chips kommen in den Pot in der Mitte. Bist du in einer Setzrunde dran, kannst du:

  • Checken (schieben) – nichts setzen, solange in dieser Runde noch niemand gesetzt hat.
  • Setzen – Chips einzahlen (mindestens den Mindesteinsatz, siehe unten).
  • Mitgehen – so viel einzahlen, dass du mit dem höchsten Einsatz gleichziehst.
  • Erhöhen – mitgehen und noch etwas drauflegen. Eine Erhöhung muss mindestens so groß sein wie der letzte Einsatz oder die letzte Erhöhung dieser Runde; höchstens darfst du alle deine Chips setzen.
  • Aussteigen (folden) – aufgeben: Du legst deine Karten verdeckt weg. Was du schon gesetzt hast, ist verloren, und du spielst in dieser Runde nicht mehr mit.

Eine Setzrunde endet, wenn alle, die noch dabei sind, gleich viel eingezahlt haben (oder all-in sind) und jeder die Gelegenheit hatte, zu handeln.

Vorbereitung

  1. Alle bekommen gleich viele Chips. Legt das Ante fest – einen kleinen festen Grundeinsatz, den vor jedem Spiel alle zahlen – und den Mindesteinsatz. Ein guter Anfang: Ante 1, Mindesteinsatz 2.
  2. Bestimmt den ersten Geber (z. B. wer die höchste Karte zieht). Seinen Platz markiert ein Button (irgendein kleiner Gegenstand); er wandert nach jedem Spiel einen Platz nach links.
  3. Alle zahlen 1 Ante; wer den Button hat, zahlt ein doppeltes Ante (2).
  4. Der Geber mischt die 36 Karten und gibt jedem einzeln, links beginnend, zwei Karten verdeckt. Das sind deine Hole Cards – schau sie dir an, aber zeig sie niemandem.

Ein Spiel Schritt für Schritt

1. Preflop: die erste Setzrunde. Es beginnt der Spieler links vom Button, dann geht es reihum im Uhrzeigersinn. Das zusätzliche Ante des Buttons zählt als Einsatz; wer dabeibleiben will, muss also mindestens mitgehen (1 nachzahlen). Die kleinste Erhöhung ist der Mindesteinsatz: 1 mitgehen und 2 drauflegen – 3 Chips zusätzlich zu deinem Ante. Der Button ist zuletzt dran und darf noch erhöhen.

2. Flop: Der Geber „verbrennt“ eine Karte (legt sie ungesehen verdeckt beiseite) und deckt drei Karten in der Tischmitte auf. Diese Gemeinschaftskarten (das Board) gehören allen. Zweite Setzrunde – ab jetzt beginnt jeweils der erste noch aktive Spieler links vom Button, und man darf checken.

3. Turn: eine Karte verbrennen, eine vierte Gemeinschaftskarte aufdecken. Dritte Setzrunde.

4. River: eine Karte verbrennen, die fünfte Gemeinschaftskarte aufdecken. Vierte und letzte Setzrunde.

5. Showdown: Sind noch zwei oder mehr Spieler dabei, decken sie ihre Hole Cards auf – wer zuletzt gesetzt oder erhöht hat, zuerst; haben alle gecheckt, zeigt der erste noch aktive Spieler links vom Geber zuerst. Jeder bildet die beste Fünferhand aus seinen zwei Karten und den fünf Karten auf dem Board; dabei darf er beide, eine oder keine seiner eigenen Karten verwenden. Die beste Hand gewinnt den Pot, gleich gute Hände teilen ihn.

Steigen irgendwann alle bis auf einen aus, gewinnt dieser den Pot sofort, ohne seine Karten zu zeigen.

Beispiel: Auf dem Board liegen K♥ K♣ 8♥ 7♥ A♠. Anna hat 8♠ 8♦: 8 8 8 K K, ein Full House. Ben hat D♥ 6♥: K♥ D♥ 8♥ 7♥ 6♥, einen Flush – beim Short Deck gewinnt er. Lägen A♣ 9♦ 8♠ 7♣ K♥ auf dem Board, hätte Carla mit 6♥ 6♠ die Straße 9-8-7-6-A.

K♥K♥KK♣K♣K8♥8♥♥Board7♥7♥♥A♠A♠♠8♠8♦8♦♦AnnaD♥6♥6♥♥Ben
Short Deck Hold’em – das Board und die Hole Cards von Anna und Ben beim Showdown

All-in und Nebenpots

Willst du mitgehen, hast aber nicht genug Chips, oder willst du alles setzen, gehst du all-in: Du schiebst alle deine restlichen Chips in den Pot. Du bleibst bis zum Showdown dabei, ohne weiter zu setzen, kannst aber von jedem Gegner nur so viel gewinnen, wie du selbst eingezahlt hast. Was die anderen darüber hinaus setzen, kommt in einen eigenen Nebenpot (Side Pot), den nur sie gewinnen können. Beim Showdown wird zuerst der Nebenpot entschieden, dann der Hauptpot unter allen, die noch dabei sind – auch dir. Sind alle, die noch dabei sind, all-in (oder hat nur noch einer Chips), kann niemand mehr setzen: Die restlichen Karten des Boards werden sofort aufgedeckt, dann folgt der Showdown. Wer keine Chips mehr hat, scheidet aus.

Spielende

Spielt, bis nur noch einer Chips hat, oder hört zu einer vereinbarten Zeit auf – dann gewinnt, wer die meisten Chips hat.

Tipps für Einsteiger

  • Die Hände liegen viel enger beieinander als beim normalen Hold’em – ein einzelnes Paar gewinnt selten einen großen Pot.
  • Straßen kommen oft vor: Bei nur 36 Karten macht fast jedes Board eine möglich.
  • Flushs sind selten, deshalb schlagen sie ein Full House. Überschätz zwei Karten gleicher Farbe nicht.
  • Schau immer, welche Hand das Board möglich macht – und denk an die Straße 9-8-7-6-A.
  • Geh nicht mit, nur weil du schon Chips im Pot hast. Was im Pot liegt, gehört dir nicht mehr.

Varianten

Alles freiwillig – vorher absprechen.

  • Drilling schlägt Straße: Manche Regelwerke tauschen auch diese beiden Hände, weil Straßen mit dem kurzen Blatt leichter zu bilden sind.
  • Blinds statt Antes: Gespielt wird genau wie Texas Hold’em, mit Small und Big Blind links vom Button.
  • Fixed oder Pot Limit: Statt No Limit sind die Einsätze feste Beträge oder höchstens so groß wie der Pot.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Poker (Gemeinschaftskarten) – Hold’em mit 36 Karten, ohne Zweien bis Fünfen
  • Herkunft: Asien, abgeleitet vom älteren Spiel Manila; bekannt seit 2015
  • Auch bekannt als: Six Plus Hold’em, 6+ Hold’em, Short Deck
  • Ähnliche Spiele: Texas Hold’em, Manila, Omaha

Short Deck ist eine Variante von Texas Hold’em mit einem Blatt aus 36 Karten, aus dem alle Zweien bis Fünfen entfernt sind. Setzen, Ablauf und Showdown sind wie beim Hold’em; nur die Rangfolge der Hände ändert sich. Laut Wikipedia werden durch das Entfernen der 16 Karten Paare und Straßen wahrscheinlicher, ein Flush dagegen seltener – deshalb steht der Flush über dem Full House und je nach Regelwerk teilweise auch der Drilling über der Straße. Laut PokerNews behalten die großen Turniere die Straße aber oben.

Die englische Wikipedia führt das Spiel auf Manila zurück, ein älteres Poker mit Gemeinschaftskarten, das früher in Australien und unter asiatischen Spielern mit hohen Einsätzen beliebt war. Bekannt wurde Six Plus Hold’em 2015, als Phil Ivey und Tom Dwan es in einem Online-Video vorstellten. 2018 veranstaltete die Triton Poker Series die ersten im Fernsehen übertragenen Short-Deck-Turniere; das erste gewann Ivey.

Nach der deutschen Wikipedia wird Short Deck seit Mai 2018 regelmäßig bei der Triton-Serie und seit September 2018 bei Turnieren im Aria Casino in Las Vegas gespielt; seit Januar 2019 bietet es PokerStars online an, und im Juni 2019 gab es bei der World Series of Poker erstmals ein Short-Deck-Turnier. Das übliche Ante-Format – alle zahlen ein Ante, der Button das doppelte – soll laut Upswing Poker für viel Action vor dem Flop sorgen.

Quellen