Canasta-Spiel · Spiel 111 von 388 ♠
Burraco
Canastas italienischer Cousin – leg Folgen und Sätze aus, nimm deinen Pozzetto als zweite Hand und mach mit einem reinen Burraco zu.
- Spieler
- 2–4
- Dauer
- 90 Min.
- Alter
- ab 10
- Anspruch
- knifflig
- Karten
- 2 × 52 Karten + 4 Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung entspannt
Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Partnerspiele · Langer Abend · Mit zwei Blättern
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Ausführliche Regeln
- Überblick
- Die Karten
- Kombinationen
- Vorbereitung
- Ein Zug
- Die Pozzetti
- Schließen
- Abrechnung
- Partieende
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Burraco ist ein Partnerspiel aus der Canasta-Familie und in Italien enorm beliebt. Du und dein Partner legt Karten als Kombinationen offen aus – Sätze gleicher Karten und Folgen in einer Farbe. Eine Kombination aus sieben oder mehr Karten ist ein Burraco und bringt eine hohe Prämie. Außerdem wartet auf jede Partei eine zweite Hand, der Pozzetto: Wer aus der Partei zuerst alle Handkarten los ist, nimmt ihn auf. Ein Spiel endet, wenn jemand „schließt“, also alle Karten loswird; die Partei, die über mehrere Spiele zuerst 2005 Punkte oder mehr hat, gewinnt.
- Spieler: 4, in zwei Parteien; Partner sitzen sich gegenüber. Alles Ausgelegte gehört der ganzen Partei: Partner legen gemeinsam aus und schreiben gemeinsam. (Fassungen für 2 und 3 Spieler stehen unter Varianten.)
- Du brauchst: zwei 52er-Blätter und 4 Joker (108 Karten), alles zusammengemischt, sowie Stift und Zettel.
Die Karten
| Karte | Rolle | Punkte |
|---|---|---|
| Joker | Platzhalter | 30 |
| 2 | Platzhalter oder echte 2 | 20 |
| A | natürlich | 15 |
| K D B 10 9 8 | natürlich | 10 |
| 7 6 5 4 3 | natürlich | 5 |
Platzhalter (Joker und Zweien) können in einer Kombination eine fehlende Karte ersetzen. Eine 2 kann in einer Folge ihrer eigenen Farbe auch als ganz normale 2 liegen. Alle anderen Karten sind natürlich.
Kombinationen
Eine Kombination besteht aus mindestens drei Karten, die offen vor euch liegen. Du und dein Partner dürft später weitere Karten anlegen – an die Kombinationen der Gegner aber nie.
- Satz: drei oder mehr Karten gleichen Werts, z. B. 10 10 10 oder 4 4 4 4 2. Deine Partei darf von jedem Wert nur einen Satz haben. Ein Satz nur aus Platzhaltern ist nicht erlaubt – drei Zweien sind kein Satz.
- Folge: drei oder mehr Karten einer Farbe in Reihe, z. B. 7♥ 8♥ 9♥. Die Reihenfolge ist A 2 3 … 10 B D K A: Das Ass darf unter der 2 oder über dem König liegen, aber nicht beides in derselben Folge. Deine Partei darf zwei Folgen in derselben Farbe haben, doch Folgen werden nie zusammengelegt oder geteilt.
Platzhalter: In jeder Kombination ist höchstens ein Platzhalter erlaubt. Eine 2, die an ihrem echten Platz in einer Folge ihrer Farbe liegt (z. B. 2♠ 3♠ 4♠), zählt nicht als Platzhalter – so eine Folge darf also zusätzlich einen Joker oder eine andere 2 enthalten.
- Ein Platzhalter am Ende einer Folge liegt immer am unteren Ende (z. B. Joker 6♦ 7♦), damit du deinem Partner nicht verrätst, in welche Richtung du verlängern willst.
- Habt ihr die echte Karte, die ein Platzhalter vertritt, dürft ihr sie einsetzen und den Platzhalter ans untere Ende schieben. Ein Platzhalter lässt sich nur gegen genau die Karte tauschen, die er vertritt.
Burraco: eine Kombination aus sieben oder mehr Karten.
- Rein (pulito): ohne Platzhalter – Prämie 200. Die letzten zwei Karten quer legen.
- Unrein (sporco): mit Platzhalter – Prämie 100. Die letzte Karte quer legen.
Vorbereitung
- Zieht Karten: Die niedrigste gibt zuerst; danach gibt reihum im Uhrzeigersinn der Nächste.
- Der Geber mischt, sein rechter Nachbar hebt ab. Aus dem abgehobenen Teil legt dieser zwei verdeckte Stapel zu je 11 Karten – die Pozzetti (Zusatzstapel) – und legt sie über Kreuz in eine Ecke des Tischs.
- Der Geber teilt jedem einzeln im Uhrzeigersinn 11 Karten aus.
- Die nächste Karte kommt offen in die Mitte – sie beginnt den Ablagestapel. Der Rest ist der verdeckte Ziehstapel (41 Karten).
Ein Zug
Der Spieler links vom Geber beginnt, dann geht es im Uhrzeigersinn weiter. In deinem Zug:
- Ziehen: die oberste Karte vom Ziehstapel – oder den ganzen Ablagestapel auf die Hand nehmen. Das darfst du immer, auch wenn du damit nichts auslegen kannst. Nur einen Teil zu nehmen geht nicht.
- Auslegen (freiwillig): neue Kombinationen auslegen und/oder bei deiner Partei anlegen. Für die erste Auslage gibt es keine Mindestpunktzahl.
- Ablegen: eine Karte offen auf den Ablagestapel.
Liegt nur eine Karte auf dem Ablagestapel, darfst du sie nicht nehmen und gleich wieder ablegen.
Beispiel: Auf dem Ablagestapel liegen 9♣, K♥, 5♠. Du hast K♠ K♦. Du nimmst den ganzen Stapel, legst K♠ K♦ K♥ als Satz aus und legst ab.
Die Pozzetti
Wer in einem Spiel als Erster seiner Partei alle Handkarten los ist, nimmt einen der Pozzetti auf (der andere gehört den Gegnern). Das geht auf zwei Arten:
- Direkt: Du legst alle Handkarten aus, ohne abzulegen, nimmst sofort einen Pozzetto auf und spielst damit weiter – leg noch aus, wenn du willst, dann leg ab.
- Nach dem Ablegen: Du legst alle Karten bis auf eine aus und legst die letzte ab. Nimm einen Pozzetto und lass ihn verdeckt liegen, bis dein Partner abgelegt hat; in deinem nächsten Zug ist er deine Hand.
Jede Partei nimmt nur einen Pozzetto. Um an den Pozzetto zu kommen, darfst du auch einen Platzhalter als letzte Karte ablegen.
Schließen
Du darfst schließen (ausmachen), wenn alles davon stimmt:
- deine Partei hat ihren Pozzetto genommen,
- deine Partei hat mindestens einen Burraco ausliegen,
- du legst alle Karten bis auf eine aus und legst die letzte ab – und die darf kein Platzhalter sein.
Alle Karten auszulegen, ohne abzulegen, zählt nie als Schließen. Hat deine Partei ihren Pozzetto schon, kann aber noch nicht schließen (kein Burraco), musst du nach dem Auslegen mindestens zwei Karten behalten: eine zum Ablegen und eine für die Hand.
Das Spiel endet auch ohne Schließen:
- wenn jemand die drittletzte Karte vom Ziehstapel zieht: Sobald er abgelegt hat, ist Schluss;
- wenn alle vier reihum nur die einzelne Karte vom Ablagestapel nehmen und eine andere zurückwerfen (Patt).
Abrechnung
Jede Partei rechnet:
| Posten | Punkte |
|---|---|
| Karten in euren Kombinationen | + Kartenwerte |
| Karten noch auf euren Händen | − Kartenwerte |
| Jeder reine Burraco | +200 |
| Jeder unreine Burraco | +100 |
| Schließen | +100 |
| Pozzetto nicht genommen | −100 |
Wurde ein Pozzetto aufgenommen, aber noch nicht angesehen, wenn jemand schließt, zieht die Partei statt 100 den Wert seiner Karten ab. Ein Ergebnis darf negativ sein.
Beispiel: Nord schließt. Nord/Süd haben eine reine Folge 3♥ bis 9♥ (5 × 5 + 10 + 10 = 45) und drei Asse mit Joker (45 + 30 = 75). Süd hat noch eine 7 und eine 3 auf der Hand (10): Karten 120 − 10, reiner Burraco 200, Schließen 100 – zusammen 410. Ost/West haben ihren Pozzetto genommen und einen unreinen Burraco aus sechs Damen und einer 2 (60 + 20 = 80) sowie 4♣ 5♣ 6♣ (15); auf der Hand halten sie noch einen König und einen Joker (40): 95 − 40 + 100 = 155.
Partieende
Zählt die Ergebnisse nach jedem Spiel zusammen. Hat eine Partei 2005 oder mehr, gewinnt die Partei mit mehr Punkten (bei Gleichstand wird noch ein Spiel gespielt). Kürzere Partien gehen bis 1005 oder 505.
Tipps für Einsteiger
- Hol dir den Pozzetto früh – elf frische Karten helfen enorm, und ihn liegen zu lassen kostet 100.
- Ein reiner Burraco zählt doppelt so viel wie ein unreiner. Verschwende keinen Joker an eine Kombination, die noch rein werden kann.
- Ein dicker Ablagestapel lockt, kann dir aber viele Minuspunkte auf der Hand bescheren, wenn die Gegner schließen.
- Behalte die Kombinationen der Gegner im Blick und leg nichts ab, was dort passt.
Varianten
Alles freiwillig – sprecht euch vorher ab.
- Halbreiner Burraco: Ein Burraco aus 8+ Karten mit sieben natürlichen Karten in Reihe (oder sieben gleichen) plus Platzhalter ist semipulito und zählt 150.
- Zu zweit: Jeder bekommt 11 Karten und einen Pozzetto aus 11; sonst bleibt alles gleich.
- Zu dritt: Je 11 Karten, ein Pozzetto aus 18 und einer aus 11. Wer zuerst keine Handkarten mehr hat, nimmt die 18 und spielt allein; die anderen zwei werden Partner und teilen sich den Pozzetto aus 11.
- Brasilianisches Buraco: Die Zusatzhände heißen mortos; Joker zählen 20, Zweien 10; gespielt wird meist bis 3000. Beim Buraco Aberto sind nur Folgen erlaubt, und zum Ausmachen braucht eine Partei eine reine Canastra (Burraco).
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Canasta-Spiel (Rommé-Familie: ziehen, auslegen, ablegen)
- Herkunft: Südamerika, wahrscheinlich 1940er-Jahre; italienische Form seit den 1980er/90er-Jahren
- Auch bekannt als: Buraco (Brasilien), Burako (Argentinien, mit Steinen)
- Ähnliche Spiele: Canasta, Samba, Buraco, Rommé
Burraco gehört zur Canasta-Familie, erlaubt aber wie Samba neben Sätzen auch Folgen in einer Farbe und gibt – wie mehrere neuere Spiele dieser Familie – jeder Partei eine zweite Hand, den Pozzetto. Laut pagat.com stammt es aus Südamerika, wahrscheinlich aus den 1940er-Jahren; die italienische Wikipedia nennt Uruguay als vermutliches Ursprungsland – das Land, aus dem auch Canasta kommt. Der Name kommt wohl vom portugiesischen buraco, „Loch“, dem Namen der in Brasilien gespielten Fassung.
Nach Italien kam das Spiel laut italienischer Wikipedia um die 1980er-Jahre, und seit den 1990ern ist es dort ein Volkssport. Die 1994 gegründete Federazione Italiana Burraco (FIBUR) richtet Turniere aus und hat die Regeln weitgehend vereinheitlicht. Ihre Zielwerte sind 505, 1005 oder – für die Standardpartie – 2005 Punkte; pagat.com schreibt schlicht „mehr als 2000“.
In Südamerika lebt das Spiel in anderen Formen weiter: In Brasilien wird Buraco mit zwei „toten“ Zusatzhänden (mortos), niedrigeren Werten für die Platzhalter und bis 3000 gespielt; in Argentinien spielt man Burako mit Steinen wie beim Rummikub statt mit Karten.
Die Regeln hier folgen der italienischen Fassung auf pagat.com, das Partieziel den FIBUR-Regeln und der italienischen Wikipedia.