Kartenspielregeln

Fischspiel · Spiel 142 von 388 ♠

Cuarenta

Ecuadors lautes, freches Nationalspiel – knall deine Karte auf die des Gegners für eine Caída, räum den Tisch ab und renn auf die 40 zu.

Spieler
2 oder 4
Dauer
30 Min.
Alter
ab 8
Anspruch
mittel
Karten
40 Karten (ohne 8–10)
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung lebhaft

Platz 9 in Einmal um die Welt

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für vier · Spiele für Kinder · Partnerspiele

Kurzregeln

  • Ziel: zuerst 40 Punkte (2 gegen 2 oder 1 gegen 1). Gespielt wird nach rechts.
  • 40 Karten (ohne 8–10): A 2–7 B D K; B D K zählen nicht zusammen. Je 5 Karten, nichts auf den Tisch; nachgeben, bis alle verteilt sind.
  • Vor dem Spiel: Ronda (3 gleiche) bringt 4. Vier gleiche gewinnen die Partie.
  • Zug: eine Karte legen. Stich ein Paar (gleicher Rang) oder eine Summe (A–7), dann wahlweise eine Folge aufwärts ab deiner Karte. Kein Stich: Sie bleibt liegen.
  • Caída (gerade gespielte Karte paaren): 2. Limpia (Tisch leer): 2. Beides: 4.
  • Hand vorbei: Cartón – 20 Karten = 6, +1 je weitere, auf gerade aufgerundet.

Spickzettel

Wofür Punkte
Ronda (3 gleiche) 4
Vier gleiche Partie
Caída / Limpia 2 / 2
Caída y limpia 4
Caída auf Ronda (Rang nennen) 10
20 / 21–22 / 23–24 Karten 6 / 8 / 10
Meiste Karten, unter 20 2
Fehler beim Geben (für Gegner) 2
  • Cartón gleich: nur die Nichtgeber punkten (6 bei 20, sonst 2).
  • Caída nur durch Paaren. Nie mit dem ersten Zug nach neuem Geben.
  • Folge: … 5 6 7 B D K. Vergessene Folge: Die Gegner dürfen sie nehmen.
  • Caída auf Ronda: am Ende der Hand ansagen, vor dem nächsten Geben.
  • Punkte zählen sofort: Die Partie kann mitten in der Hand enden.
  • 38 spielt nicht: mit genau 38 zählt nur eine Caída.

Punkteblock

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Die Karten
  3. Vorbereitung
  4. Ansagen nach dem Geben
  5. Ein Zug
  6. Caída und Limpia
  7. Weitere Runden
  8. Die Karten zählen
  9. Partieende
  10. Anschreiben
  11. Tipps für Einsteiger
  12. Varianten

Überblick

Cuarenta („vierzig“) ist das Nationalspiel Ecuadors – und es wird laut gespielt, mit vielen Sprüchen und Sticheleien. Es ist ein Fischspiel: Mit einer Karte aus deiner Hand stichst du Karten, die offen auf dem Tisch liegen – durch Paaren, durch Zusammenzählen oder mit einer Folge. Punkte gibt es für Caídas (du paarst die Karte, die dein Gegner gerade gespielt hat), für Limpias (du räumst den Tisch ab) und am Ende jeder Hand für die Zahl deiner gestochenen Karten. Wer zuerst 40 Punkte hat, gewinnt.

  • Spieler: 2 oder 4 – zu viert in zwei Parteien zu zweit (Partner sitzen sich gegenüber), zu zweit gegeneinander.
  • Du brauchst: ein 52er-Blatt. Stift und Zettel sind nicht nötig – traditionell schreibt man mit den übrigen Karten an.

Die Karten

Nimm alle 8er, 9er und 10er sowie die Joker heraus; es bleiben 40 Karten. Leg die 12 aussortierten Karten beiseite – sie können als Zählmarken dienen (siehe „Anschreiben“).

Die Rangfolge von niedrig nach hoch:

A 2 3 4 5 6 7 B D K

Beim Zusammenzählen zählt das Ass 1, die 2 bis 7 ihre Augenzahl. Bube, Dame und König haben keinen Zahlenwert – sie lassen sich nur paaren oder in einer Folge mitnehmen. Die Farben spielen keine Rolle.

Vorbereitung

In Ecuador wird meist gegen den Uhrzeigersinn (nach rechts) gegeben und gespielt.

  1. Erster Geber: Misch und verteil offen reihum Karten; wer zuerst ein Karo bekommt, gibt als Erster. Nach jeder Hand geht das Geben nach rechts weiter.
  2. Geben: Der Geber mischt, sein linker Nachbar hebt ab, und der Geber gibt jedem 5 Karten auf einmal, beginnend rechts von sich. Der Rest bleibt verdeckt beim Geber liegen.
  3. Eine Hand verbraucht das ganze Blatt: Zu viert wird 2-mal, zu zweit 4-mal zu je 5 Karten gegeben. Auf den Tisch kommt nichts.

Gib sorgfältig! Nach den ecuadorianischen Regeln, wie sie die Zeitung El Telégrafo veröffentlicht hat, bekommen die Gegner bei einem Fehler beim Geben 2 Punkte (dos por shunsho).

Nach dem Geben (zu zweit) ist der Tisch noch leer:

Gegner30ZiehstapelTisch6♥2♠7♣B♦4♠4♠♠Deine Hand
Cuarenta: der Beginn einer Hand

Ansagen nach dem Geben

Bevor die erste Karte gespielt wird, schau dir deine Hand an:

  • Ronda: drei Karten gleichen Rangs. Sag „Ronda“ – deine Partei bekommt sofort 4 Punkte. Welcher Rang es ist, musst du nicht zeigen.
  • Vier gleiche Karten: Zeig sie – deine Partei gewinnt die Partie sofort.

Ein Zug

Der Spieler rechts vom Geber beginnt, dann geht es reihum nach rechts. Wenn du dran bist, legst du eine Karte offen auf den Tisch. Sticht sie etwas, nimmst du die gestochenen Karten zusammen mit deiner Karte und legst sie verdeckt vor dir ab (in Parteien sammelt ein Partner für beide). Sticht sie nichts, bleibt sie offen liegen und kann später gestochen werden.

Es gibt drei Arten zu stechen:

  1. Paaren: Deine Karte nimmt eine Tischkarte gleichen Rangs. Eine Dame nimmt eine Dame, eine 5 eine 5.
  2. Zusammenzählen: Eine Zahlenkarte nimmt Tischkarten, die zusammen ihren Wert ergeben. Eine 7 nimmt 3 und 4 oder A + 2 + 4.
  3. Folge: Nach dem Paaren oder Zusammenzählen darfst du zusätzlich die Karte nehmen, die einen Rang höher als deine Karte ist, dann die nächsthöhere und so weiter, solange die Folge lückenlos ist. Auf die 7 folgt der Bube, dann die Dame, dann der König.

Mit einer Karte paarst du einmal oder zählst einmal zusammen – nie beides zugleich. Eine Folge gibt es nur zusammen mit einem Paar oder einer Summe, nie allein.

Beispiel: Auf dem Tisch liegen 2 · 3 · 4 · 5 · 7 · B. Du spielst eine 2: Sie paart die 2 und nimmt als Folge 3, 4, 5 mit – die 6 fehlt, also bleiben 7 und B liegen. Spielst du stattdessen eine 6, zählst du 2 + 4 zusammen und nimmst als Folge 7 und B mit; 3 und 5 bleiben liegen.

2♥2♥♥Duspielst2♠3♥4♣5♦5♦♦Genommen7♠B♥B♥BBleibt
Cuarenta: eine 2 nimmt die Folge 2 3 4 5

Stichst du, vergisst aber eine mögliche Folge, dürfen die Gegner sich diese Karten nehmen. Übersiehst du einen Stich ganz, passiert nichts – die Karten bleiben einfach liegen.

Caída und Limpia

  • Caída („Fall“): Du stichst die Karte, die dein Vordermann gerade gespielt hat, durch Paaren. Deine Partei bekommt 2 Punkte. Durch Zusammenzählen oder als Teil einer Folge ist es keine Caída.
  • Limpia („sauber“): Dein Stich räumt alle Karten vom Tisch. Deine Partei bekommt 2 Punkte.
  • Caída y limpia: Oft liegt nur die gerade gespielte Karte auf dem Tisch – dann ist die Caída zugleich eine Limpia: 4 Punkte.

In Ecuador knallt man eine Caída gern von weit oben auf die gestochene Karte.

Beispiel: Anna legt eine 6 auf den leeren Tisch. Ben hat eine 6 und legt sie drauf: eine Caída, und der Tisch ist leer – Caída y limpia, 4 Punkte für Bens Partei.

Caída auf eine Ronda: Machst du eine Caída auf eine Karte aus der Ronda deines Gegners, merk sie dir. Nennst du am Ende der Hand den Rang der Ronda, bekommt deine Partei 10 Punkte. Hat das nächste Geben schon begonnen, ist es zu spät.

Weitere Runden

Haben alle ihre 5 Karten gespielt, gibt der Geber jedem 5 neue. Was noch auf dem Tisch liegt, bleibt dort und kann gestochen werden. Paart der erste Spieler nach dem neuen Geben die letzte Karte des Gebers, ist das keine Caída.

Die Karten zählen

Sind alle 40 Karten gespielt, ist die Hand vorbei. Karten, die noch auf dem Tisch liegen, zählen für niemanden. Jede Partei zählt ihre gestochenen Karten – ihren Cartón:

Gestochene Karten Punkte
20 6
21–22 8
23–24 10
25–26 12
je 2 mehr +2

Also: 6 Punkte für 20 Karten, dazu 1 für jede Karte über 20, aufgerundet auf eine gerade Zahl. In Ecuador zählt man „1, 2 … 19, 6, 7, 8 …“ – ab der 20. Karte ist die gezählte Zahl der Punktestand.

  • Hat keine Partei 20 Karten, bekommt die mit den meisten Karten 2 Punkte.
  • Bei Gleichstand (z. B. 20 : 20 oder 18 : 18) punktet nur die Partei, die nicht gegeben hat: 6 Punkte bei 20 Karten, sonst 2.

Beispiel: Anna und Carla haben 23 Karten: 10 Punkte. Ben und Dan haben 17: Für ihren Cartón gibt es nichts.

Partieende

Wer zuerst 40 Punkte hat, gewinnt. Punkte werden sofort angeschrieben – eine Caída kann die Partie also mitten in der Hand beenden.

Achtunddreißig spielt nicht (38 que no juega): Nach den ecuadorianischen Regeln aus El Telégrafo kann eine Partei mit genau 38 Punkten nur noch mit einer Caída punkten – Cartón, Limpia und Ronda zählen für sie nicht mehr. Mit 36 Punkten kann man noch mit Caída y limpia (4 Punkte) gewinnen.

Anschreiben

Traditionell dienen die aussortierten 8er, 9er und 10er als Zählmarken. Legt sie offen als Stapel zwischen die beiden Schreiber. Jede offene Karte, die du dir nimmst, ist 2 Punkte wert (ein Tanto), eine verdeckte Karte 10 (ein Perro, „Hund“). Tausch fünf offene Karten gegen eine verdeckte, und um anzuzeigen, dass deine Partei 38 erreicht hat, gib alle Marken auf den Stapel zurück.

Tipps für Einsteiger

  • Spiel aus Paaren. Hast du zwei Karten eines Rangs und spielst eine davon, bleiben nur noch zwei, mit denen der Nächste eine Caída machen kann.
  • Vorsicht beim leeren Tisch. Wer auf den leeren Tisch legt, lädt zu Caída y limpia ein – spiel einen Rang, der schon zwei- oder dreimal gefallen ist, oder eine Bildkarte.
  • Keine Folgen anbieten. Eine 4 neben einer 5 auf dem Tisch kann die Caída des Gegners zum großen Abräumen machen.
  • Asse sind gefährlich. Ein Ass lässt sich mit fast allem zusammenzählen.
  • Zähl mit. Merk dir, welche Ränge weg sind, und rate, welche Karte dein rechter Gegner zurückhält.

Varianten

Die Regeln unterscheiden sich von Ort zu Ort und von Turnier zu Turnier – vorher absprechen.

  • Im Uhrzeigersinn: Nach den Regeln auf pagat.com beginnt der linke Nachbar des Gebers, und es wird im Uhrzeigersinn gespielt.
  • Todo dos (Quito): Caída y limpia zählt nur 2 statt 4 Punkte.
  • Rondas ab 30: Eine Partei mit 30 oder mehr Punkten bekommt nichts mehr für Rondas oder für eine Caída auf eine Ronda.
  • Karten zählen bei 38: Laut pagat.com zählt bei 38 nur die Limpia nicht – mit Cartón oder Caída kann die Partei noch gewinnen.
  • Fehler beim Geben verliert: Laut pagat.com verliert die Partei des Gebers bei jedem Fehler beim Geben die ganze Partie.
  • Chicas und Mesa: Eine Partie bis 40 ist eine Chica; das Match (Mesa) gewinnt, wer zwei Chicas holt. Wer eine Chica verliert, ohne 10 Punkte zu haben, ist Zapatero („Schuster“) und verliert sofort das ganze Match.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Fischspiel (Stechen durch Paaren, Zusammenzählen und Folgen)
  • Herkunft: Ecuador; Entstehungszeit unbekannt, vielleicht Mitte des 20. Jahrhunderts
  • Auch bekannt als: 40 (el cuarenta)
  • Ähnliche Spiele: Ronda (Marokko), Casita robada, Escoba, Scopa, Casino

Cuarenta ist Spanisch für „vierzig“ – so viele Karten hat das Blatt, und so viele Punkte braucht man zum Sieg. Die englische und die spanische Wikipedia nennen es das Nationalspiel Ecuadors; gespielt wird es fast nur dort. Laut pagat.com ist es vor allem im Hochland zu Hause, auch in Quito und Cuenca, und soll „voller Prahlerei, laut, aufregend, sogar albern“ sein. Caídas werden auf den Tisch geknallt, und man stichelt mit festen Sprüchen wie treinta y ocho que no juega („Achtunddreißig spielt nicht“).

Woher das Spiel stammt, weiß niemand genau. Laut spanischer Wikipedia gibt es keine Untersuchungen dazu: Vielleicht entstand es um die Mitte des 20. Jahrhunderts zusammen mit den Feiern zur Gründung Quitos, vielleicht stammt es von einem Kartenspiel der Kolonialzeit ab – das würde die Ähnlichkeit mit Casita robada, Ronda, Pinche und Escoba del 15 erklären. Die englische Wikipedia nennt das marokkanische Ronda als nahen Verwandten. Anders als Escoba spielt man Cuarenta mit dem französischen Blatt, aus dem die 8er, 9er und 10er entfernt werden.

Gespielt wird das ganze Jahr, besonders aber bei den Fiestas de Quito im Dezember, wenn Familien und Vereine Turniere nach einheitlichen Regeln austragen. Laut spanischer Wikipedia findet in Quito seit 1968 eine „Cuarenta-Weltmeisterschaft“ statt. Die Turnierregeln unterscheiden sich im Detail – die englische Wikipedia stellt den Stil aus Quito, bei dem Caída y limpia nur 2 Punkte zählt, dem aus Cuenca mit 4 Punkten gegenüber –, und ein ganzes Match (Mesa) besteht meist aus zwei Partien (Chicas) bis 40.

Quellen