Patience · Spiel 296 von 388 ♥
Die Burgvögtin
Acht Asse, vier verdeckte Päckchen und ein Bogen aus Karten nach Werten – eine hübsche Patience aus dem 19. Jahrhundert, bei der die Farbe egal ist.
- Spieler
- 1
- Dauer
- 10 Min.
- Alter
- ab 8
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Patiencen · Spiele für Kinder · Mit zwei Blättern
Ausführliche Regeln
- Überblick
- Die Teile der Auslage
- Vorbereitung
- Spielablauf
- Gewonnen oder verloren
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Die Burgvögtin – französisch La Châtelaine, englisch Lady of the Manor – ist eine alte Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) mit zwei Blättern. Zuerst legst du die acht Asse aus; dein Ziel ist, jedes davon bis zum König aufzubauen. Die Karten dafür kommen aus vier Päckchen in der Mitte, von denen du immer nur die oberste Karte siehst, und aus einem Bogen aus zwölf Päckchen, die nach Werten sortiert sind. Die Farben spielen keine Rolle – jede 2 passt auf jedes Ass. Die Auslage ergibt ein hübsches Bild, und das Spiel ist schnell und entspannend.
- Spieler: 1
- Du brauchst: zwei normale Blätter mit je 52 Karten ohne Joker (104 Karten) und einen großen Tisch.
- Dauer: etwa 10 Minuten pro Spiel.
Die Teile der Auslage
- Zielstapel: die acht Asse in einer Reihe ganz unten. Auf jedes wird ohne Rücksicht auf die Farbe aufsteigend gelegt: eine beliebige 2 aufs Ass, eine beliebige 3 auf die 2 und so weiter bis zum König.
- Päckchen: vier Stapel mit je 12 Karten in der Mitte, so zusammengeschoben, dass nur die oberste Karte jedes Päckchens zu sehen und spielbar ist.
- Bogen: zwölf Päckchen im Halbkreis über den anderen, eines für jeden Wert von 2 bis König: die 2er ganz links unten, die Könige ganz rechts unten. Jede Karte im Bogen ist spielbar.
Vorbereitung
- Nimm die acht Asse aus den beiden Blättern und leg sie in eine Reihe: die Zielstapel.
- Misch die übrigen 96 Karten. Leg vier Päckchen mit je 12 Karten in eine Reihe über die Asse. Leg sie verdeckt aus und dreh bei jedem Päckchen die oberste Karte um – die Karten darunter bleiben unbekannt, bis sie nach oben kommen.
- Die übrigen 48 Karten deckst du einzeln auf und sortierst sie nach Werten in den Bogen: jede 2 auf das Päckchen ganz links, jede 3 auf das nächste und so weiter bis zu den Königen ganz rechts. Fächere die Päckchen im Bogen etwas auf, damit du sie überblickst. Die Päckchen sind unterschiedlich groß, und ein Wert kann ganz fehlen, wenn alle acht Karten davon in den vier Päckchen gelandet sind.
Spielablauf
Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge.
- Spielbare Karten: die oberste Karte jedes der vier Päckchen und jede Karte im Bogen.
- Aufbauen: Leg eine spielbare Karte auf einen Zielstapel, wenn sie genau einen Wert höher ist als dessen oberste Karte. Die Farbe ist egal: Eine 2♣ darf aufs A♥, eine 3♦ auf diese 2♣.
- Päckchen: Spielst du die oberste Karte eines Päckchens, deckst du die Karte darunter auf. Ein leeres Päckchen bleibt leer.
- Karten wandern nie von Päckchen zu Päckchen oder in den Bogen – jeder Zug geht auf einen Zielstapel.
- Einen neuen Durchgang gibt es nicht.
Beispiel: Im Bild oben braucht die 3♣ im dritten Päckchen zuerst eine 2. Leg die 2♠ aus dem ersten Päckchen auf ein Ass und die 3♣ auf die 2♠. Beide Päckchen zeigen eine neue oberste Karte; ist die unter der 3♣ eine 4, folgt sie sofort. Der B♥ muss warten – er braucht eine 10 auf einem Zielstapel.
Gewonnen oder verloren
Du hast gewonnen, wenn alle acht Zielstapel bis zum König aufgebaut sind. Passt keine spielbare Karte mehr auf einen Zielstapel, ist die Patience nicht aufgegangen. Nach einem französischen Kartenspielbuch (Poli und andere, 1984) geht etwa jedes vierte oder fünfte Spiel auf.
Tipps für Einsteiger
- Nimm Karten aus den vier Päckchen, wann immer es geht, und greif nur dann auf den Bogen zurück, wenn keine Päckchenkarte hilft. An den Päckchen scheiterst du; der Bogen ist eine Reserve, die dir bleibt.
- Bieten zwei Päckchen eine Karte desselben Werts, spiel die aus dem höheren Päckchen – dort ist mehr auszugraben.
- Halte deine Zielstapel möglichst auf unterschiedlicher Höhe – dann passen mehr Werte irgendwo hin.
- Fehlt ein Wert im Bogen, ist das ein Warnzeichen: Alle acht Karten davon stecken in den Päckchen.
Varianten
Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen.
- Streng (Dick, 1883): Eine Karte aus dem Bogen darfst du nur nehmen, wenn keine oberste Päckchenkarte auf einen Zielstapel passt.
- Offene Päckchen (Durheim, 1857): Die Asse werden nicht vorab herausgenommen. Leg die vier Päckchen offen und versetzt aus, sodass du alle Karten siehst; spielbar ist aber nur die freie Karte jedes Päckchens. Ein Ass, das oben auf einem Päckchen liegt oder beim Auslegen des Bogens auftaucht, kommt sofort auf die Zielstapel.
- Archway: David Parletts moderne Fassung mit Ass- und Königs-Zielstapeln, die in derselben Farbe aufgebaut werden – siehe Archway.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Patience (halboffen: Zielstapel ohne Rücksicht auf die Farbe, Reserve nach Werten sortiert)
- Herkunft: laut der deutschen Wikipedia vermutlich Frankreich; zuerst belegt 1852 auf Englisch
- Auch bekannt als: La Châtelaine, Lady of the Manor, The Chatelaine, Vassal, Die Burg- oder Edelfrau
- Ähnliche Spiele: Archway
Die Burgvögtin gehört zu den alten Patiencen des 19. Jahrhunderts. Laut der deutschen Wikipedia taucht sie zuerst 1852 als „The Lady of the Manor“ in Games of Patience auf, Clara de Chatelains englischer Fassung des ersten französischen Patience-Buchs, das die Marquise de Fortia 1842 veröffentlicht hatte. Weil das Spiel in den frühen Auflagen dieses Buchs fehlt, könnte de Chatelain es laut Wikipedia selbst erfunden haben. Die erste deutsche Beschreibung folgte 1857 von dem Schweizer Carl Jakob Durheim, der das Spiel Die Burgvögtin nannte; 1863 hieß es bei Moritz Graf zu Bentheim-Tecklenburg „Die Burg- oder Edelfrau“.
Die Regeln unterscheiden sich von Buch zu Buch ein wenig. Durheim legt die vier Päckchen offen und versetzt aus, sodass man alle Karten sieht. Dick’s Games of Patience (New York, 1883) nennt das Spiel The Chatelaine, nimmt die Asse vorab heraus und erlaubt Karten aus dem Bogen nur, wenn keine Päckchenkarte passt. David Parlett (The Penguin Book of Patience, 1979) legt die Asse ebenfalls zuerst aus und zeigt von jedem Päckchen nur die oberste Karte; er ordnet das Spiel als „half-open builder“ ein, also als halboffene Aufbau-Patience. Laut der deutschen Wikipedia schätzt ein französisches Buch von Poli und anderen (1984) die Gewinnchance auf eins zu vier oder fünf; in englischen und französischen Patience-Büchern steht das Spiel bis heute, in deutschen dagegen nicht mehr.
Parlett gefiel das hübsche Bild, doch er fand darin wenig Raum für Geschick. Deshalb „öffnete“ er die Burgvögtin zu seinem eigenen Spiel Archway, bei dem fast jede Karte sichtbar ist und die Zielstapel in derselben Farbe aufgebaut werden.