Reaktionsspiel · Spiel 267 von 388 ♥
Bonjour Monsieur
Den König grüßen, die Dame grüßen, das Ass hochleben lassen – ein Patzer, und der ganze Stapel gehört dir. Und jeder Sieger erfindet eine neue Regel.
- Spieler
- 3–10
- Dauer
- 20 Min.
- Alter
- ab 8
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 24 Karten (9–A), für große Runden mehr
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung wildin 5 Minuten gelernt
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Ausführliche Regeln
Überblick
Bonjour Monsieur ist ein lautes polnisches Partyspiel. Reihum legt jeder eine Karte auf einen Stapel in der Mitte – und manche Karten verlangen eine Reaktion von allen: einen Ruf, einen Gruß, einen Salut. Wer sie vergisst, zu spät reagiert oder das Falsche tut, muss den ganzen Stapel auf die Hand nehmen. Wer zuerst alle Karten los ist, gewinnt die Runde – und erfindet eine neue Regel für die nächste Runde. So wird das Spiel immer schwieriger.
In Polen kennt man das Spiel unter einem derben Reimnamen, der zugleich der Ruf für das Ass ist (siehe Hintergrund). Diese Seite verwendet stattdessen einen höflichen Ruf.
- Spieler: ab 3; am besten 4–8.
- Du brauchst: ein 52er-Blatt. Jemand, der nicht mitspielt, kann Schiedsrichter sein.
Vorbereitung
- Karten: Nimm die 9er, 10er, Buben, Damen, Könige und Asse – 24 Karten. Bei mehr als 6 Spielern nehmt weitere Werte dazu (8er, 7er …), damit jeder mindestens 4 Karten bekommt.
- Austeilen: Misch und verteil alle Karten einzeln und verdeckt, sodass jeder gleich viele hat. Übrige Karten legt ihr beiseite.
- Nehmt eure Karten auf die Hand. Bestimmt, wer anfängt; gespielt wird im Uhrzeigersinn.
Das Spiel
Wenn du dran bist, legst du eine Karte aus deiner Hand offen auf den Stapel in der Mitte, sodass alle sie sehen. Sobald sie liegt, müssen alle – auch du – darauf reagieren.
Reaktionen in der ersten Runde:
| Karte | Alle … |
|---|---|
| Ass | rufen „Bischofsmütze!“ |
| König | sagen „Bonjour, monsieur!“ |
| Dame | sagen „Bonjour, madame!“ |
| Bube, 10, 9 | tun nichts |
Statt der französischen Grüße dürft ihr auch „Guten Tag, der Herr!“ und „Guten Tag, die Dame!“ sagen – auf Polnisch heißt es „Dzień dobry panu!“ und „Dzień dobry pani!“.
Fehler: Wer
- nicht reagiert oder zu spät,
- den Gruß nicht zu Ende sagt,
- das Falsche tut – etwa einen Buben grüßt oder zum König „madame“ sagt,
muss den ganzen Stapel zu seinen Karten auf die Hand nehmen. Der Stapel ist dann leer, und es geht ganz normal weiter: Der Nächste nach dem, der die Karte gelegt hat, ist dran.
Machen bei derselben Karte mehrere Spieler einen Fehler, teilen sie sich den Stapel: Verteilt ihn so gleichmäßig wie möglich unter ihnen.
Der Schiedsrichter entscheidet, wer einen Fehler gemacht hat und wer zu langsam war. Ohne Schiedsrichter entscheidet der Tisch gemeinsam; ihr könnt euch als Schiedsrichter abwechseln.
Beispiel: Anna legt den K♥ – alle sagen „Bonjour, monsieur!“. Ben legt die 9♣, und Carla fängt aus Gewohnheit „Bonjour…“ an – ein Fehler: Sie nimmt den Stapel mit zwei Karten. Carla legt mit dem Stapel auf der Hand das A♠, und alle rufen „Bischofsmütze!“ – außer Anna, die noch lacht. Anna nimmt das A♠.
Rundenende
Wer zuerst keine Karten mehr hat, gewinnt die Runde. Die Reaktion auf deine letzte Karte zählt noch: Machst du sie falsch, nimmst du den Stapel und spielst weiter.
Der Sieger erfindet jetzt eine neue Reaktion für einen Wert, der noch keine hat – sie gilt ab der nächsten Runde. Beliebt sind laut polnischen Beschreibungen:
- Bube: Alle salutieren (zwei Finger an die Stirn).
- 10: Alle legen so schnell wie möglich eine Hand auf den Stapel. Die letzte Hand nimmt den Stapel.
- 9: irgendeine andere einfache Aufgabe – klatschen, aufstehen, an die Nase fassen.
Dann mischt ihr alle Karten und gebt neu – mit allen Reaktionen, die bisher erfunden wurden.
Spielende
Ein festes Ende gibt es nicht: Spielt so viele Runden, wie ihr wollt. Wollt ihr einen Gesamtsieger, zählt, wer die meisten Runden gewonnen hat.
Tipps für Einsteiger
- Schau auf jede Karte, auch wenn du nicht dran bist – die meisten Fehler passieren, während du deinen eigenen Zug planst.
- Leg ruhige Karten, wenn es laut ist. Eine 9 nach einer Reihe Könige verleitet die anderen dazu, aus Gewohnheit zu grüßen.
- Erfinde anfangs einfache Regeln – die kniffligen kommen, wenn alle die Grundlagen beherrschen.
- Sag den ganzen Gruß. Ein halbes „Bonjour“ ist ein Fehler.
Varianten
Alles optional – vorher absprechen.
- Regel streichen: Nach einer Runde darf der Sieger statt einer neuen Reaktion eine alte abschaffen. Jetzt müssen alle etwas lassen, woran sie sich gewöhnt haben – und genau da beginnt der Spaß.
- Große Runden: Je mehr Spieler, desto mehr Karten; für sehr große Gruppen nehmt ein zweites Blatt dazu und gebt auch den zusätzlichen Werten Reaktionen.
- Niemand nimmt: Machen mehrere bei derselben Karte einen Fehler, nimmt niemand den Stapel (so beschreibt es spec.pl).
- Originalrufe: In Polen werden König und Dame auf Französisch oder Polnisch gegrüßt, und das Ass bekommt als Ruf den derben Namen des Spiels.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Reaktionsspiel (Ablegen mit Rufen und Gesten)
- Herkunft: Polen; Entstehungszeit unbekannt
- Auch bekannt als: Dupa biskupa (der polnische Originalname – siehe unten)
- Ähnliche Spiele: Mao, Slapjack, Egyptian Ratscrew
In Polen heißt dieses Spiel Dupa biskupa – wörtlich „der Hintern des Bischofs“, ein derber Reim, der zugleich der Ruf für das Ass ist. Wir verwenden einen höflichen Titel und Ruf: Bonjour, monsieur sagen die Spieler zum König. Die polnische Wikipedia beschreibt das Spiel als Gesellschaftsspiel für beliebig viele Spieler mit beliebig vielen Karten und Runden, bei dem alle auf jede Karte auf eine vereinbarte Weise reagieren müssen; wer nicht, zu spät oder falsch reagiert, nimmt alle bisher gespielten Karten. Laut pagat.com und der englischen Wikipedia wird der Name Dupa biskupa für mehrere verschiedene Spiele gebraucht – auch als anderer Name des Ablegespiels Pan – und eben für das hier beschriebene Partyspiel.
Die polnischen Beschreibungen stimmen im Kern überein. In der ersten Runde haben nur Ass, König und Dame eine Reaktion: Das Ass bekommt den Namen des Spiels, König und Dame werden mit „bonjour, monsieur“ und „bonjour, madame“ begrüßt (oder auf Polnisch mit „dzień dobry panu“ und „dzień dobry pani“). Die Sieger späterer Runden geben den anderen Werten Aufgaben – meist einen Salut für den Buben und für die 10 ein Wettrennen, wer zuerst die Hand auf den Stapel legt, wie beim Slapjack. Machen mehrere bei derselben Karte einen Fehler, teilen sie sich laut karty.edu.pl und der englischen Wikipedia den Stapel; laut spec.pl nimmt ihn dann niemand. Beide empfehlen einen Zuschauer als Schiedsrichter. Die englische Wikipedia erwähnt außerdem eine beliebte Fassung, die die erste Runde überspringt und Bube, 10 und 9 gleich von Anfang an Aufgaben gibt, und dass zwei Figuren der polnischen Zeichentrickserie Włatcy móch das Spiel auf einem Grabstein spielen.
Durch die Regeln, die Runde für Runde dazukommen, ist das Spiel mit Mao und Bartok verwandt, bei denen der Rundensieger ebenfalls eine neue Regel erfindet. Anders als bei Mao halten die polnischen Beschreibungen die Regeln nicht geheim – die Herausforderung ist nicht, sie herauszufinden, sondern alle gleichzeitig im Kopf zu behalten.