Kartenspielregeln

Reaktionsspiel · Spiel 161 von 388 ♦

Egyptian Ratscrew

Beggar-My-Neighbour mit Draufhauen – entdeck zuerst ein Paar oder ein Sandwich, und der ganze Stapel gehört dir.

Spieler
2–6
Dauer
20 Min.
Alter
ab 7
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung wildin 5 Minuten gelernt

Platz 4 in Für die Party

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Spiele für Kinder · Ohne Punkteblatt

Kurzregeln

  • Ziel: alle 52 Karten gewinnen.
  • Geben: alle Karten verdeckt, nicht anschauen. Reihum oberste Karte von dir weg auf den Stapel in der Mitte aufdecken.
  • Herausforderung: Nach A/K/D/B hat der Nächste 4/3/2/1 Versuche für ein A oder eine Bildkarte – dann fordert er heraus. Keine? Wer zuletzt A/Bild legte, nimmt den Stapel unter seinen und legt als Nächster.
  • Hauen – jeder, jederzeit: Die erste Hand auf Paar (7–7) oder Sandwich (D–3–D) gewinnt den Stapel. Bei mehreren die unterste.
  • Falsch gehauen: oberste Karte unter den Stapel verbrennen.
  • Keine Karten? Zurückhauen, bis einer alle 52 hat.

Spickzettel

Hauen

Muster Oben liegt
Paar 7♠ auf 7♦
Sandwich D – beliebige Karte – D
Freiwillig: Ratscrew eine 6 und eine 9
Hoagie gleicher Wert, zwei dazwischen
Zehner zwei nacheinander = 10 (A = 1)
Hochzeit König und Dame
Vier in Folge z. B. 7 6 5 4 oder 4 5 6 7
Oben wie unten Wert der untersten Karte

Merke

  • Vorher ausmachen, welche Muster zählen.
  • Hauen unterbricht auch eine Herausforderung.
  • Karten gehen in einer Herausforderung aus: Der Herausforderer gewinnt den Stapel.
  • Ohne Karten falsch gehauen: nichts zu verbrennen – vorher ausmachen, z. B. drei Striche, dann kein Hauen mehr.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Vorbereitung
  3. Ein Zug
  4. Herausforderungen: Asse und Bildkarten
  5. Draufhauen
  6. Falsch gehauen
  7. Keine Karten mehr
  8. Spielende
  9. Tipps für Einsteiger
  10. Varianten

Überblick

Egyptian Ratscrew (kurz ERS) ist ein schnelles, lautes Spiel für 2 oder mehr Spieler. Reihum deckt ihr Karten auf einen Stapel in der Mitte auf. Den Stapel gewinnt man auf zwei Arten: durch Herausforderungen mit Assen und Bildkarten wie bei Beggar-My-Neighbour – oder indem man als Erster auf den Stapel haut, also die flache Hand darauflegt, wenn bestimmte Karten erscheinen. Wer am Ende alle Karten hat, gewinnt.

  • Spieler: 2 oder mehr – so viele, wie den Stapel erreichen können; ideal sind etwa 2 bis 6.
  • Du brauchst: ein normales Kartenspiel mit 52 Karten, ohne Joker.

Vorbereitung

  1. Mischt und verteilt alle Karten verdeckt, so gleichmäßig wie möglich. Es macht nichts, wenn manche eine Karte mehr haben.
  2. Niemand schaut seine Karten an. Jeder legt sie als ordentlichen, verdeckten Stapel vor sich.
  3. Macht aus, auf welche Karten man hauen darf (siehe unten). Üblich sind das Paar und das Sandwich.

Ein Zug

Der Spieler links vom Geber fängt an, dann geht es reihum im Uhrzeigersinn.

  1. Bist du dran, deckst du die oberste Karte deines Stapels auf den gemeinsamen Stapel in der Mitte auf.
  2. Dreh sie von dir weg um, damit alle sie gleichzeitig sehen. Nicht spicken!
  3. Zahlenkarte (2–10): Einfach der Nächste ist dran.

Herausforderungen: Asse und Bildkarten

Legst du ein Ass, einen König, eine Dame oder einen Buben, forderst du den nächsten Spieler heraus. Er muss nacheinander bis zu einer bestimmten Zahl von Karten aufdecken und versuchen, selbst ein Ass oder eine Bildkarte zu erwischen:

Du legst Der Nächste hat
Ass 4 Versuche
König 3 Versuche
Dame 2 Versuche
Bube 1 Versuch
  • Deckt er rechtzeitig ein Ass oder eine Bildkarte auf, hört er sofort auf – jetzt fordert er den Nächsten heraus.
  • Sind alle Versuche Zahlenkarten, ist die Herausforderung gescheitert: Wer das letzte Ass oder die letzte Bildkarte gelegt hat, gewinnt den ganzen Stapel, schiebt ihn verdeckt unter seinen eigenen und fängt die nächste Runde an.

Beispiel: Anna legt einen K♣. Ben hat 3 Versuche: 4♦, 8♠ – dann ein B♥! Jetzt hat Carla, die Nächste, 1 Versuch: Sie deckt eine 6♣ auf. Das reicht nicht, also gewinnt Ben, der den Buben gelegt hat, den Stapel.

Draufhauen

Jederzeit – auch mitten in einer Herausforderung – gewinnt den ganzen Stapel, wer als Erster draufhaut, sobald oben eines dieser Muster liegt:

  • Paar: zwei gleiche Werte direkt aufeinander, z. B. 7♠ auf 7♦.
  • Sandwich: zwei gleiche Werte mit genau einer anderen Karte dazwischen, z. B. D♥ – 3♣ – D♠.

Hauen darf jeder, nicht nur wer gerade dran ist. Der Gewinner schiebt den Stapel unter seinen eigenen und fängt die nächste Runde an.

  • Hauen mehrere, gewinnt die Hand ganz unten – die die Karten berührt.
  • Halte die Hand vom Stapel weg, bis du haust; darüber lauern gilt als unfair.

Beispiel: Ben legt eine 9♥ auf Annas 9♣. Carla haut als Erste drauf und bekommt den Stapel – obwohl sie keine der beiden Karten gelegt hat.

Falsch gehauen

Haust du, obwohl kein Paar und kein Sandwich oben liegt, musst du eine Karte verbrennen: Leg die oberste Karte deines Stapels verdeckt unter den Stapel in der Mitte. Dann geht das Spiel normal weiter.

Keine Karten mehr

Hast du keine Karten mehr, legst du keine mehr (du wirst übersprungen) – aber du bist noch nicht ganz raus. Du darfst dich zurückhauen: Gewinnst du den Stapel durch richtiges Hauen, bist du wieder im Spiel. Das geht, bis ein Spieler alle 52 Karten gesammelt hat. Wer ohne Karten falsch haut, kann keine Karte verbrennen; macht vorher aus, was dann gilt (siehe Varianten).

Gehen dir während einer Herausforderung die Karten aus, gewinnt der Spieler den Stapel, der das Ass oder die Bildkarte gelegt hat.

Spielende

Wer alle 52 Karten gesammelt hat, gewinnt.

Tipps für Einsteiger

  • Behalte immer die obersten zwei, drei Karten im Blick – Paare und Sandwiches können bei jedem entstehen.
  • Eine Herausforderung kann durch Hauen unterbrochen werden, also pass auch auf, wenn du nicht dran bist.
  • Hau nicht in Panik: Jeder Fehler kostet eine Karte.
  • Klärt die Hau-Regeln vorher – ein bisschen Streit gehört dazu, aber nicht zu viel.

Varianten

Diese Regeln sind freiwillig – sprecht sie vorher ab. Viele Runden erlauben weitere Muster zum Hauen:

  • Ratscrew: eine 6 und eine 9 direkt aufeinander.
  • Hoagie: ein Paar mit zwei anderen Karten dazwischen.
  • Zehner: Zwei Karten direkt nacheinander ergeben zusammen 10 (Ass = 1).
  • Hochzeit: König und Dame direkt aufeinander.
  • Vier in Folge: vier Karten in auf- oder absteigender Reihe, z. B. 7, 6, 5, 4.
  • Oben wie unten: Die oberste Karte hat den gleichen Wert wie die unterste im Stapel.
  • Doppelt verbrennen: Falsches Hauen kostet zwei Karten statt einer.
  • Drei Fehler: Wer ohne Karten falsch haut, bekommt einen Strich; nach drei Strichen darf er nicht mehr hauen.
  • Letzte Chance: Hat ein Spieler alle Karten, deckt er noch drei Karten auf – die anderen haben eine letzte Chance, sich zurückzuhauen.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Reaktionsspiel (Beggar-My-Neighbour mit Draufhauen)
  • Herkunft: USA, 20. Jahrhundert (kein verlässliches Datum)
  • Auch bekannt als: ERS, Egyptian Rat Screw, Egyptian War, Bloodystump, Ratslap, Slap
  • Ähnliche Spiele: Beggar-My-Neighbour, Slapjack, Schnipp-Schnapp (Snap), Krieg

Egyptian Ratscrew ist in den USA ein beliebtes Kinder- und Pausenhofspiel; einen deutschen Namen hat es nicht. Sowohl pagat.com als auch Wikipedia beschreiben es übereinstimmend als das englische Kinderspiel Beggar-My-Neighbour mit Zusatzregeln, nach denen man den Stapel auch durch Draufhauen gewinnen kann. Die Idee des Hauens stammt laut Wikipedia vermutlich aus Slapjack, bei dem man auf jeden Buben haut.

Woher der seltsame Name („ägyptische Rattenschraube“) kommt, ist nicht belegt. Das Spiel hat viele Namen – pagat.com nennt ERS, Egyptian War, Bloodystump, Ratslap und einfach Slap –, und Namen wie Egyptian War oder Egyptian Rat Killer werden manchmal auch für das schlichte Beggar-My-Neighbour verwendet.

Fast jede Runde spielt mit eigenen Hau-Regeln. Wikipedia nennt das Paar die einfachste und häufigste; das Sandwich ist eine der verbreitetsten Ergänzungen, und der Spielkartenhersteller Bicycle führt beide als Erste auf. Dazu kommt eine lange Liste freiwilliger Muster: Ratscrew (6 und 9), Hoagie, Zehner, Hochzeit (König und Dame), vier in Folge, oben wie unten und Joker. Auch die Strafe für falsches Hauen schwankt – meist werden eine oder zwei Karten unter den Stapel „verbrannt“.

Quellen