Bankspiel · Spiel 352 von 388 ♣
Landsknecht (Lansquenet)
Zwei Karten auf dem Tisch, dann wird aufgedeckt, bis eine davon ihren Zwilling findet – das Bankspiel der Söldner, das schon Rabelais kannte.
- Spieler
- 2–10
- Dauer
- 30 Min.
- Alter
- ab 16
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 52 Karten, ohne Joker, dazu Chips
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Historische Spiele
Punkteblock
Partien werden in diesem Browser auf diesem Gerät gespeichert.
Ausführliche Regeln
Überblick
Landsknecht – französisch Lansquenet – gehört zu den ältesten überlieferten Kartenspielen und ist nach den deutschen Söldnern benannt. Es ist ein reines Glücksspiel. Ein Spieler, der Bankhalter, legt eine Bank aus Chips hin, die anderen setzen dagegen. Der Bankhalter deckt zwei Karten auf: eine für die Bank und eine für die Mitspieler. Dann deckt er weiter auf, bis eine der beiden ersten Karten ihren Zwilling findet – eine Karte mit demselben Wert. Kommt zuerst der Zwilling der Bankkarte, gewinnt die Bank alle Einsätze; kommt zuerst der Zwilling der Spielerkarte, zahlt die Bank.
Diese Regeln folgen dem französischen Spiel des 19. Jahrhunderts, wie es auf pagat.com beschrieben ist. Gespielt wird es heute kaum noch.
- Spieler: 2 bis 10 – ein Bankhalter und beliebig viele Mitspieler (früher Pointeure genannt); am besten zu viert bis zu acht.
- Du brauchst: ein 52er-Blatt ohne Joker und Chips (oder Spielmarken, Streichhölzer) – etwa 100 pro Person, weil eine Bank, die gewinnt, schnell wächst. Gespielt wird nur um Chips. Die Farben spielen keine Rolle, nur die Werte.
Früher mischte man etwa sechs Kartenspiele zusammen; ein einziges reicht genauso, wenn ihr vor jedem Abzug mischt.
Vorbereitung
- Bestimmt den ersten Bankhalter, zum Beispiel wer die höchste Karte zieht. Gespielt wird gegen den Uhrzeigersinn (nach rechts), wie bei den meisten alten französischen Spielen.
- Der Bankhalter legt seine Bank in die Mitte – so viele Chips, wie er in diesem Abzug verlieren will, etwa 10.
Setzen
Beginnend beim Spieler rechts vom Bankhalter und reihum gegen den Uhrzeigersinn darf jeder:
- die ganze Bank halten – so viele Chips setzen, wie in der Bank liegen. Alle anderen nehmen dann ihre Einsätze zurück, und nur dieser Spieler spielt gegen die Bank;
- einen Teil setzen – beliebig viel, solange alle Einsätze zusammen nicht mehr als die Bank ergeben;
- passen.
Es geht so oft reihum, bis jemand die ganze Bank hält, die Einsätze zusammen die Bank erreichen oder alle passen.
Der Abzug
Der Bankhalter mischt, der Spieler links von ihm hebt ab (nimmt einen Teil ab und legt ihn unter den Rest), und der Bankhalter deckt zwei Karten auf:
- Die erste Karte ist die Bankkarte. Sie kommt offen links neben den Bankhalter.
- Die zweite Karte ist die Spielerkarte. Sie kommt offen rechts neben ihn.
Gleicher Wert? Haben diese beiden Karten denselben Wert (etwa zwei Buben), gewinnt die Bank sofort alle Einsätze.
Sonst deckt der Bankhalter die nächsten Karten einzeln auf einen Haufen in der Mitte auf, bis eine denselben Wert hat wie eine der beiden ersten Karten:
- Sie passt zur Bankkarte: Die Bank gewinnt und kassiert alle Einsätze.
- Sie passt zur Spielerkarte: Die Bank verliert und zahlt jedem so viele Chips, wie er gesetzt hat (1:1).
Karten, die zu keiner der beiden passen, spielen keine Rolle.
Beispiel: Anna hält die Bank mit 10 Chips. Ben setzt 6, Carla 4 – zusammen die ganze Bank. Die Bankkarte ist die Kreuz-9, die Spielerkarte der Karo-König. Anna deckt 3♥, 7♠ und dann 9♥ auf – der Zwilling der Bankkarte. Anna kassiert die 10 Chips; ihre Bank hat jetzt 20.
Bankwechsel
- Die Bank hat verloren: Die Bank geht an den nächsten Spieler rechts, der selbst bestimmt, wie groß seine Bank ist. War die Bank gekauft, zählt ihr ab dem Spieler, der sie ursprünglich eröffnet hat – so bleibt die Reihenfolge erhalten.
- Die Bank hat gewonnen: Der Bankhalter darf die Bank behalten und noch einmal abziehen. Der Gewinn bleibt in der Bank: Sie enthält jetzt die alte Bank plus alles Gewonnene. (Kam der Gewinn von zwei gleichen Karten am Anfang, darf er diesen Gewinn stattdessen herausnehmen.)
- Die Bank verkaufen: Nach einem Gewinn darf der Bankhalter auch aufhören. Dann darf jeder andere die Bank kaufen, indem er eine gleich große Bank hinlegt; wollen mehrere, hat der Nächste rechts vom Bankhalter Vorrang. Kauft sie niemand, geht die Bank an den Spieler rechts von dem, der diese Bank ursprünglich eröffnet hat.
Beispiel: Annas Bank hat 20 Chips, und sie hört auf. Dan kauft die Bank und legt 20 Chips hin; Anna behält ihre 20. Dan verliert gleich seinen ersten Abzug und zahlt die Einsätze aus. Die Bank geht an Ben, der rechts von Anna sitzt – sie hat diese Bank eröffnet.
Spielende
Vereinbart vorher, wie lange ihr spielt – zum Beispiel, bis jeder dreimal die Bank hatte, oder eine Stunde. Wer dann die meisten Chips hat, gewinnt.
Tipps für Einsteiger
- Der einzige echte Vorteil der Bank ist der Anfang: In etwa einem von 17 Abzügen haben die ersten beiden Karten denselben Wert, und die Bank nimmt alles. Sonst kommen Bank- und Spielerkarte gleich wahrscheinlich zuerst.
- Eine Bank, die gewinnt, kann sich jedes Mal verdoppeln – aber ein einziger Verlust kostet alles, was darin liegt. Nach ein, zwei Gewinnen aufzuhören, ist meist klug.
- Als Mitspieler ist die ganze Bank zu halten ein großer Einsatz – lass es bleiben, wenn die Bank schon auf die Hälfte deiner Chips angewachsen ist.
Varianten
Nur nach Absprache.
- Zwillinge („jumelle“): Laut englischer Wikipedia bekommt die Bank in manchen Beschreibungen bei zwei gleichen Karten am Anfang nur die Hälfte jedes Einsatzes, nicht alles.
- Hoyles Landsknecht mit Réjouissance-Karte: Der Bankhalter legt zwei Karten für die Mitspieler links neben sich (die Handkarten), eine für die Bank und eine vierte in die Mitte, die Réjouissance, auf die jeder setzen darf; der Bankhalter hält die Einsätze. Jede weitere Karte, die zu keiner auf dem Tisch passt, wird ebenfalls ausgelegt, und man darf darauf setzen. Wird eine Karte, auf der Einsätze liegen, gepaart, gewinnt die Bank die Einsätze darauf. Sobald die eigene Karte der Bank gepaart wird, zahlt der Bankhalter alle noch liegenden Einsätze aus, und der Abzug ist zu Ende. Werden beide Handkarten vor der Bankkarte gepaart, darf der Bankhalter noch einmal abziehen.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Bankspiel (Bankkarte gegen Spielerkarte, der erste Zwilling entscheidet)
- Herkunft: Deutschland und Frankreich, erstmals im 16. Jahrhundert belegt
- Auch bekannt als: Lansquenet (französisch); als spätere Verwandte Skin (USA), Zecchinetta oder Ziginette (Italien)
- Ähnliche Spiele: Pharo, Bassette, Monte Bank, Baccara
Der Name kommt von den Landsknechten, den deutschen Söldnern des 15. und 16. Jahrhunderts; Lansquenet ist die französische Form. Die Encyclopaedia Britannica von 1911 schreibt, das Spiel sei „angeblich von den Landsknechten nach Frankreich gebracht“ worden. Es gehört zu den ältesten Kartenspielen, die man beim Namen kennt: Es steht in der langen Liste von Spielen, die Rabelais’ Riese Gargantua spielt – laut pagat.com in der Ausgabe von 1542 des Buchs, das zuerst 1534 erschien. Die deutsche Wikipedia verlegt die Entstehung in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs (1618–48) und sieht im Landsknecht einen Vorläufer des Pharo; die Erwähnung bei Rabelais ist aber ein Jahrhundert älter.
Im 17. Jahrhundert war Lansquenet ein Spiel des Hofs: Ein französischer Stich von 1694 zeigt den Grand Dauphin, den Sohn Ludwigs XIV., beim Lansquenet in Versailles. In Frankreich blieb es zwei Jahrhunderte lang beliebt, und die französische Literatur ist voll davon. In Alexandre Dumas’ Die drei Musketiere (1844) findet d’Artagnan den Porthos im Bett eines Gasthofs, wo er mit seinem Diener Mousqueton Lansquenet spielt, um in Übung zu bleiben. Weil das Spiel so einfach ist, war es bei Falschspielern beliebt; 1861 erklärte der Zauberkünstler Jean Eugène Robert-Houdin, wie ein Betrüger ein vorbereitetes Päckchen Karten auf den Stapel schmuggeln konnte.
Englische Bücher wie Hoyle’s Games beschreiben eine aufwendigere Form mit einer Réjouissance-Karte, auf die die Mitspieler setzen; das französische Spiel des 19. Jahrhunderts, das hier beschrieben ist, stellt dagegen eine Bankkarte gegen eine Spielerkarte. Laut pagat.com lebt das Spiel in zwei Verwandten weiter: Skin in den USA, beschrieben von John Scarne, und Zecchinetta in Sizilien, bei Italoamerikanern Ziginette genannt. Verwandt ist es mit den anderen alten Bankspielen wie der Bassette und Pharo sowie mit Monte Bank.
Quellen
- Landsknecht (Kartenspiel) – Wikipedia
- Lansquenet / Skin / Zecchinetta – pagat.com (englisch)
- Lansquenet – Wikipedia (englisch)
- Lansquenet – Encyclopaedia Britannica 1911, Wikisource (englisch)
- Hoyle’s Games Improved (1842), Lansquenet – archive.org (englisch)
- Alexandre Dumas, Die drei Musketiere – Project Gutenberg (englisch)