Kartenspielregeln

Zählspiel · Spiel 371 von 388 ♣

Noddy (Knave Noddy)

Cribbage vor der Crib – drei Karten, Fünfzehner, Paare und Folgen und ein Bube namens Noddy. Gespielt wird nur bis 31.

Spieler
2 oder 4
Dauer
15 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriert

Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für vier · Historische Spiele

Kurzregeln

  • Ziel: zuerst 31 Punkte – gewonnen, sobald du sie erreichst. Ass = 1, Bildkarten 10.
  • Je 3 Karten; nächste Karte als Startkarte aufdecken. Aufgedeckter Bube: Nichtgeber steckt 2. Niedrigere Karte gibt zuerst, dann abwechselnd.
  • Hand zählen mit Startkarte, Nichtgeber zuerst: ansagen und stecken, nicht zeigen.
  • Ausspielen: abwechselnd, Nichtgeber zuerst, Summe ansagen – nie über 31. 15, 25, Paare, Folgen und Flushes mit den Karten direkt davor stecken.
  • Keine Karte passt: „Go“; der andere spielt weiter. Letzte Karte 1, genau 31 (Hitter) 2.
  • Nur ein Durchgang; übrige Karten zählen nicht.

Spickzettel

Kombination Punkte
Knave Noddy (Bube in Farbe der Startkarte) 1
Bube als Startkarte (Nichtgeber) 2
Fünfzehn 2
Fünfundzwanzig (3+ Karten) · Einunddreißig (4) 1 pro Karte
Paar · Pair Royal · vier Gleiche 2 · 6 · 12
Folge aus 3 · 4 · 5+ 2 · 4 · 1 pro Karte
Flush (3+ Karten) 1 pro Karte
letzte Karte · genau 31 (Hitter) 1 · 2
  • Hand: 3 Karten + Startkarte; eine Karte darf mehrfach zählen: 9-10-10-B = Paar + zwei Folgen = 6.
  • Folgen: A 2 3 … B D K – Ass immer niedrig (D-K-A ist keine Folge).
  • Ausspielen: Summe 15 bringt 2, Summe 25 1 pro bisher gespielter Karte.
  • Der Nichtgeber zählt zuerst und kann gewinnen, bevor der Geber zählt.

Punkteblock

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Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Kartenwerte und Reihenfolge
  3. Punkte notieren
  4. Vorbereitung
  5. Die Kombinationen
  6. Die Hand zählen
  7. Das Ausspielen
  8. Spielende
  9. Tipps für Einsteiger
  10. Varianten

Überblick

Noddy ist das englische Spiel, aus dem Cribbage hervorging. Gespielt wurde es ab dem 16. Jahrhundert, aber niemand hat damals die Regeln vollständig aufgeschrieben. Das Spiel auf dieser Seite ist deshalb eine Rekonstruktion des Spielehistorikers David Parlett, vor allem nach Francis Willughbys Book of Games (um 1665). Es ist Cribbage im Kleinformat: Jeder hat nur drei Karten, und es gibt keine Crib. Punkte gibt es für Kombinationen – Karten, die zusammen 15 ergeben, Paare, Folgen –, zuerst auf der Hand, dann beim Ausspielen, wenn die Karten zusammengezählt werden. Wer zuerst 31 Punkte hat, gewinnt.

  • Spieler: 2 (zu viert in Parteien, siehe Varianten).
  • Du brauchst: ein 52er-Blatt ohne Joker und ein Cribbage-Brett oder Stift und Papier.

Kartenwerte und Reihenfolge

  • Zum Zusammenzählen zählt jede Karte ihre Zahl: Ass 1, 2 bis 10 wie aufgedruckt, Bube, Dame und König je 10.
  • Für Folgen gilt die Reihenfolge A 2 3 4 5 6 7 8 9 10 B D K. Das Ass ist immer niedrig: A-2-3 ist eine Folge, D-K-A nicht.
  • Die Farbe zählt nur beim Flush und beim Knave Noddy (siehe unten).

Punkte notieren

Punkte gibt es während einer Runde in kleinen Portionen. Schreib sie sofort auf (oder steck deinen Stecker auf dem Cribbage-Brett weiter) – das heißt stecken. Wer zuerst 31 erreicht, hat sofort gewonnen, auch mitten in einer Runde.

Vorbereitung

  1. Beide heben ab; wer die niedrigere Karte hat, gibt zuerst (Ass niedrig). Danach wird abwechselnd gegeben.
  2. Der Geber gibt jedem drei Karten, einzeln und verdeckt.
  3. Den Rest legt er verdeckt hin und dreht die oberste Karte um. Das ist die Startkarte. Beide Spieler zählen sie beim Werten der Hand als vierte Karte mit. Ihre Farbe heißt „Trumpf“, obwohl es keine Stiche gibt.
  4. Ist die Startkarte ein Bube, steckt der Nichtgeber sofort 2 Punkte für Knave Noddy.

Die Kombinationen

Kombination Punkte
Knave Noddy: der Bube in der Farbe der Startkarte, auf deiner Hand 1
Fünfzehn: zwei oder mehr Karten mit Summe 15 2
Fünfundzwanzig: drei oder mehr Karten mit Summe 25 1 pro Karte
Einunddreißig: vier Karten mit Summe 31 1 pro Karte
Paar: zwei Karten gleichen Rangs 2
Pair Royal: drei Gleiche 6
Double Pair Royal: alle vier eines Rangs 12
Folge aus 3 · aus 4 · aus 5 oder mehr 2 · 4 · 1 pro Karte
Flush: drei oder mehr Karten einer Farbe 1 pro Karte

Eine Karte darf in mehreren verschiedenen Kombinationen zählen. 9-10-10-B zum Beispiel sind ein Zehnerpaar (2) und zwei Dreierfolgen (2 + 2) – zusammen 6.

Die Hand zählen

Bevor eine Karte gespielt wird, zählen beide ihre Hand zusammen mit der Startkarte, als wäre sie ihre vierte Karte. Zuerst der Nichtgeber, dann der Geber. Du sagst deine Kombinationen laut an und steckst sie, zeigst deine Karten aber nicht.

Beispiel: Anna gibt. Ben hat 10♣ B♥ 4♥, Anna hat 6♠ 6♦ 3♣; die Startkarte ist die 5♥. Ben sagt an: „Fünfzehn zwei (10 + 5), fünfzehn vier (B + 5), fünfundzwanzig sieben (10 + B + 5), ein Herz-Flush aus drei Karten zehn, und Knave Noddy elf“ – der B♥ ist der Bube in der Farbe der Startkarte. Er steckt 11. Anna sagt an: „Fünfzehn zwei (6 + 6 + 3) und ein Paar vier“ und steckt 4.

Das Ausspielen

  1. Der Nichtgeber legt eine Karte offen vor sich und sagt ihren Wert. Dann legt der Geber eine Karte und sagt die Summe aller bisher gespielten Karten, und so weiter im Wechsel.
  2. Die Summe darf nie über 31 gehen.
  3. Bildet deine Karte mit der Karte oder den Karten direkt davor eine Kombination, steckst du sie: Summe genau 15 (2) oder 25 (1 pro bisher gespielter Karte), ein Paar mit der Karte davor (2), ein Pair Royal oder Double Pair Royal, oder eine Folge oder ein Flush aus den letzten drei oder mehr Karten.
  4. Kannst du keine Karte legen, ohne über 31 zu kommen, sagst du „Go“. Dein Gegner spielt dann weiter, so weit er kann, ohne 31 zu überschreiten.
  5. Wer die letzte Karte legt, steckt 1. Macht diese Karte die Summe genau 31, ist sie der Hitter und bringt stattdessen 2.

Es gibt nur einen Durchgang: Kann keiner mehr legen, ist die Runde vorbei, und Karten, die noch auf der Hand sind, zählen einfach nicht. (Beim Ausspielen sind Folgen und Flushes aus fünf oder mehr Karten möglich, auf der Hand nicht.)

Beispiel (Fortsetzung): Ben spielt die 4♥ aus („vier“). Anna legt die 3♣ („sieben“). Ben legt die 10♣ („siebzehn“), Anna die 6♠ („dreiundzwanzig“). Bens B♥ würde 33 ergeben, er sagt „Go“. Anna legt die 6♦ („neunundzwanzig“): ein Paar mit ihrer 6♠ für 2 und 1 für die letzte Karte. Nach dieser Runde hat Ben 11 und Anna 4 + 3 = 7.

Spielende

Die Punkte zählen über alle Runden weiter. Wer zuerst 31 Punkte erreicht, gewinnt – in dem Moment, in dem er sie erreicht, ob beim Zählen der Hand oder beim Ausspielen. Da der Nichtgeber zuerst zählt, gewinnt er manchmal, bevor der Geber überhaupt zählen darf.

Tipps für Einsteiger

  • Bei nur drei Karten zählt jede: Zähl genau, bevor du ansagst, und prüf die Ansagen deines Gegners anhand der Startkarte und der gespielten Karten.
  • 16 der 52 Karten zählen 10 – eine 5 auf der Hand oder als Startkarte bringt deshalb oft einen Fünfzehner.
  • Bring die Summe beim Ausspielen möglichst nicht auf 5 oder 21: Eine einzige Karte mit Wert 10 macht dann 15 oder 31 für den Gegner.
  • Achte gegen Ende auf den Stand: Wer 25 oder mehr hat, kann allein mit dem Zählen seiner Hand gewinnen.

Varianten

Nur nach Absprache.

  • Zu viert: Laut Willughby spielte man Noddy auch zu viert in zwei Parteien, Partner gegenüber. Jeder bekommt drei Karten, die Partner zählen gemeinsam. Justin du Coeur, der eine eigene Rekonstruktion gemacht hat, schlägt vor, reihum im Uhrzeigersinn zu zählen und zu spielen, beginnend links vom Geber.
  • Du Coeurs Rekonstruktion: Ein aufgedeckter Bube bringt dem Geber 2 Punkte (wie in Charles Cottons Regeln für das frühe Cribbage von 1674). Ein Fünfundzwanziger zählt immer 2, ein Flush aus drei Karten 3, aus vier 4.
  • Randle Holmes Wertung (1688): Gespielt wird bis 61. Der K♠ („Flatback“) zählt 6, die D♥ („Countenance“) 4, der B♥ 5 und der Trumpfbube 2; ein Paar zählt 4, ein Pair Royal 12, vier Gleiche 24; jeder Fünfzehner und jeder Fünfundzwanziger zählt 2. Beim Ausspielen steckt 1, wer am nächsten an 31 kommt, und 2, wer genau 31 macht.
  • Hitter: Parletts Beschreibung lässt offen, ob ein Hitter beim Ausspielen zusätzlich als Einunddreißig (1 pro Karte) zählt; wir zählen nur die 2. Wer beides zählen will, spricht es vorher ab.
  • Frühes Cribbage: Jeder bekommt fünf Karten und legt zwei verdeckt in die Crib des Gebers, die der Geber nach seiner Hand mit der Startkarte zählt. Gespielt wird bis 61. So begann Cribbage.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Zählspiel (Karten werden auf der Hand gewertet und bis 31 zusammengezählt)
  • Herkunft: England, 16. Jahrhundert
  • Auch bekannt als: Knave Noddy, Noddie, Nodde; Niddy-Noddy (Suffolk, 19. Jahrhundert)
  • Ähnliche Spiele: Cribbage, Costly Colours, Fünf-Karten-Cribbage

Im Englischen war ein noddy ein Dummkopf – das Oxford English Dictionary zitiert „O beastly nody without brayne“ aus dem Jahr 1550. Im Spiel hieß so der Bube in der Farbe der aufgedeckten Karte, der Knave Noddy. Laut David Parlett haben Kartenspieler dem höchsten Buben schon immer gern einen eigenen Namen gegeben: Karnöffel im 15. Jahrhundert, Pam im Loo und „Jack“ selbst im All Fours. Die früheste Erwähnung des Spiels im Wörterbuch stammt von 1589, aus einer Thomas Nashe zugeschriebenen Flugschrift: „Let not me take you at noddy anie more, least I present you to the parish for a gamster“ – lass dich nicht mehr beim Noddy erwischen, sonst zeig ich dich bei der Gemeinde als Spieler an. Das Theaterstück Blurt, Master-Constable (1602) erwähnt eine Frau, die aufbleibt, um mit jemandem „a game at noddy“ zu spielen, und 1610 schrieb John Day von einem, der beim „primeroe and noddy“ Zeit und Geld verlor.

Vollständige Regeln hat damals niemand aufgeschrieben. Die beste Beschreibung steht im Book of Games des Naturforschers Francis Willughby, einer Handschrift von etwa 1665, die erst 2003 gedruckt wurde. Randle Holmes Academy of Armory (1688) fügt eine knappe Beschreibung mit seltsamen Sonderpunkten für den K♠ („Flatback“), die D♥ („Countenance“) und den B♥ hinzu, den Holme „Roger“ nennt. Die Regeln auf dieser Seite folgen David Parletts Rekonstruktion nach Willughby; Justin du Coeur, der historische Spiele erforscht, hat 1996 eine eigene erstellt. Parlett datiert das Spiel von den 1550er- bis in die 1850er-Jahre: Beim Dramatiker Samuel Foote ruft noch 1757 ein Spieler „knave noddy“, und 1823 erwähnt ein Wörterbuch der Mundart von Suffolk das „niddy-noddy“.

Im frühen 17. Jahrhundert wurde aus Noddy das Cribbage – laut John Aubrey eine Erfindung des Dichters Sir John Suckling, der die Crib hinzufügte. Charles Cottons Cribbage-Regeln von 1674 werten „Knave Noddy“ noch mit einem Punkt auf der Hand und zwei für den Geber – genau die Punkte, die im heutigen Cribbage „His Nobs“ und „His Heels“ heißen. Noddy ist wohl auch der Vorfahr des aufwendigeren Costly Colours. Laut Wikipedia gilt Noddy selbst als ausgestorben.

Quellen