Rommé-Spiel · Spiel 276 von 388 ♦
Pife (Pif-Paf, Cacheta)
Brasiliens schnelles Rommé – neun Karten, zwei Blätter, und alle Kombinationen bleiben verdeckt, bis du sie auf einen Schlag auslegst.
- Spieler
- 2–8
- Dauer
- 30 Min.
- Alter
- ab 8
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 2 × 52 Karten, ohne Joker
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung entspanntin 5 Minuten gelernt
Sammlungen: Spiele für zwei · Spiele für drei · Spiele für vier · Spiele für fünf · Spiele für sechs und mehr · Spiele für Kinder · Mit zwei Blättern
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Ausführliche Regeln
- Überblick
- Reihenfolge der Karten
- Kombinationen
- Vorbereitung
- Ein Spielzug
- Ausmachen
- Spielende
- Tipps für Einsteiger
- Varianten
Überblick
Pife (auch Pif-Paf) ist das Alltags-Rommé der Brasilianer für größere Runden. Jeder hat neun Karten und versucht, sie zu Kombinationen zu ordnen – zu Sätzen gleicher Karten und zu Folgen in einer Farbe. Ausgelegt wird während des Spiels nichts: Deine Kombinationen bleiben verdeckt auf der Hand, und wer als Erster eine Hand zeigen kann, die komplett aus Kombinationen besteht, macht aus („bate“) und gewinnt die Runde. Die bekannteste Variante, Cacheta, bringt noch einen Platzhalter ins Spiel, eine Karte, die jede andere ersetzen kann.
- Spieler: 2–8, jeder für sich. Am schönsten zu viert bis zu sechst.
- Du brauchst: zwei 52er-Blätter ohne Joker, zusammengemischt (104 Karten), und für eine längere Partie Stift und Zettel.
Reihenfolge der Karten
Die Karten laufen A 2 3 4 5 6 7 8 9 10 B D K A: Das Ass passt unter die 2 (A-2-3) oder über den König (D-K-A), aber eine Folge darf nicht „um die Ecke“ gehen (K-A-2 gilt nicht). Punktwerte haben die Karten beim Pife nicht – es zählen nur vollständige Kombinationen.
Kombinationen
Eine Kombination besteht aus mindestens drei zusammengehörigen Karten. Es gibt zwei Arten:
- Satz (trinca): drei oder mehr Karten gleichen Werts in mindestens drei verschiedenen Farben, z. B. 8♠ 8♥ 8♣. Weil mit zwei Blättern gespielt wird, darf eine vierte oder fünfte Karte dieses Werts dazukommen, auch wenn ihre Farbe schon vorhanden ist: 5♥ 5♣ 5♦ 5♥ ist ein gültiger Satz, 5♥ 5♥ 5♣ dagegen nicht (nur zwei verschiedene Farben).
- Folge (sequência): drei oder mehr Karten derselben Farbe in lückenloser Reihe, z. B. 4♥ 5♥ 6♥ oder 10♣ B♣ D♣ K♣ A♣.
Jede Karte darf nur zu einer Kombination gehören. Neun Karten lassen sich ganz unterschiedlich aufteilen – drei Dreier-Sätze, eine Vierer- und eine Fünfer-Folge oder sogar eine einzige Folge aus neun Karten.
Beispiel: Anna hat B♥ D♥ K♥ · 4♣ 4♥ 4♠ · 3♣ 4♣ 5♣. Das sind eine Folge, ein Satz und noch eine Folge – alle neun Karten stecken in Kombinationen. In ihrem nächsten Zug zieht sie vom Ziehstapel, legt die neue Karte gleich wieder ab und macht aus. (Dank der zwei Blätter hat sie zweimal die 4♣.)
Vorbereitung
- Geber: Einer fängt an zu geben; nach jeder Runde gibt der linke Nachbar.
- Austeilen: Der Geber mischt beide Blätter zusammen und gibt jedem 9 Karten, einzeln und im Uhrzeigersinn, beginnend links von sich. Zeig deine Karten niemandem.
- Ziehstapel: Der Rest kommt verdeckt als Ziehstapel in die Mitte. Es wird keine Karte aufgedeckt – der Ablagestapel beginnt mit der ersten abgelegten Karte.
Ein Spielzug
Der Spieler links vom Geber beginnt, dann geht es reihum im Uhrzeigersinn. In deinem Zug:
- Ziehen: Nimm die oberste Karte vom Ziehstapel oder die oberste Karte vom Ablagestapel (der erste Spieler kann nur vom Ziehstapel ziehen).
- Jetzt hast du 10 Karten. Wenn du kannst, machst du aus (siehe unten). Sonst legst du eine Karte offen auf den Ablagestapel ab und hast wieder 9. Die Karte, die du gerade vom Ablagestapel genommen hast, darfst du nicht gleich wieder ablegen.
Während des Spiels legst du nie Kombinationen auf den Tisch. Du sortierst sie auf der Hand immer wieder um, wenn neue Karten kommen – aus einem Satz kann eine Folge werden und umgekehrt, solange es niemand sieht.
Beispiel: Oben auf dem Ablagestapel liegt die 9♦. Ben hat 7♦ 8♦ und nimmt die 9♦ für eine Folge. Dann legt er seinen einsamen K♠ ab.
Ziehstapel leer: Ist der Ziehstapel aufgebraucht, nehmt alle abgelegten Karten außer der obersten, mischt sie und legt sie verdeckt als neuen Ziehstapel hin.
Ausmachen
Direkt nach dem Ziehen machst du aus (bater, „klopfen“), wenn deine Karten Kombinationen bilden:
- Mit 9 Karten: Neun deiner zehn Karten stecken in Kombinationen. Leg sie offen auf den Tisch und die zehnte Karte auf den Ablagestapel.
- Mit 10 Karten: Alle zehn Karten stecken in Kombinationen – etwa zwei Dreier-Sätze und eine Vierer-Folge. Leg alle hin, ohne abzulegen. Das zählt in der Partiewertung mehr.
Ausmachen darfst du nur in deinem eigenen Zug, nach dem Ziehen. Wer zuerst ausmacht, gewinnt die Runde; die anderen zeigen nur noch ihre Karten und werfen sie ein.
Beispiel: Carla hat 2♠ 3♠ 4♠ · D♥ D♣ D♦ · 9♣ 9♥ 5♦ und zieht die 9♠. Jetzt ist 9♣ 9♥ 9♠ ein dritter Satz. Sie legt neun Karten hin, legt die 5♦ ab und gewinnt die Runde.
Falsch ausgemacht: Legt jemand eine Hand hin, die sich doch nicht ganz aus Kombinationen zusammensetzt, nimmt er die Karten zurück und spielt weiter. Für den Rest der Runde darf er aber nur noch mit einer Karte vom Ziehstapel ausmachen, nicht mit einer vom Ablagestapel.
Spielende
Beim einfachen Pife ist jede Runde ein eigenes Spiel: Wer ausmacht, gewinnt. Für eine längere Partie zählen die meisten Runden wie beim Cacheta:
- Jeder startet mit 10 Punkten (an manchen Tischen mit 5 oder 7).
- Macht jemand mit 9 Karten aus, verliert jeder andere 1 Punkt; mit 10 Karten verliert jeder andere 2 Punkte.
- Wer bei 0 ankommt, scheidet aus. Wer als Letztes übrig bleibt, gewinnt die Partie.
Tipps für Einsteiger
- Halte vielseitige Karten. Eine 7♥ neben 7♣ 7♠ und 8♥ 9♥ kann einen Satz oder eine Folge vollmachen – solche Karten behältst du.
- Zwei Blätter heißt doppelte Karten. Eine zweite 6♣ ist oft genauso nützlich wie die erste: Sie ergänzt einen Satz oder beginnt eine neue Folge.
- Achte darauf, was die anderen nehmen. Nimmt dein linker Nachbar eine Dame vom Ablagestapel, überleg dir gut, ob du noch eine Dame ablegst.
- Trenn dich lieber früh von Paaren als spät. Gegen Ende kann jede abgelegte Karte genau die sein, die jemand anderem fehlt.
- Spiel nur auf 10 Karten, wenn es nichts kostet. Sofort mit 9 Karten auszumachen ist besser, als auf die perfekte Hand zu warten.
Varianten
Alle Varianten sind optional – sprecht sie vor der Partie ab.
- Cacheta (Platzhalter): Nach dem Austeilen wird die oberste Karte des Ziehstapels aufgedeckt (die vira). Der nächsthöhere Wert ist in dieser Runde Platzhalter und kann in einer Kombination jede Karte ersetzen (nach dem König das Ass). Die Quellen sind sich uneinig: Bei den einen sind alle Karten dieses Werts in derselben Kartenfarbe (rot oder schwarz) Platzhalter (vira 8♣ → alle vier schwarzen 9er), bei den anderen nur die in derselben Farbe (vira 5♥ → die beiden 6♥). Jede Kombination braucht trotzdem mindestens eine echte Karte.
- „Tô de boa“ (Cacheta): Wer nur noch eine Karte zum Ausmachen braucht, darf das ansagen. Ab dann darf er die oberste Karte des Ablagestapels außer der Reihe nehmen – aber nur, um sofort auszumachen. Klappt es nicht, ist er „verbrannt“: Er spielt normal weiter und darf in dieser Runde nicht mehr dazwischengehen.
- Joker: Nehmt die vier Joker beider Blätter als Platzhalter dazu („freundliche Joker“). An manchen Tischen ist es umgekehrt: Die Joker sind tote Karten, die nur untereinander eine Kombination bilden (drei Joker).
- Um die Ecke: An manchen Tischen gilt auch K-A-2 als Folge.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Rommé-Spiel (Ziehen und Ablegen, Kombinationen bleiben auf der Hand)
- Herkunft: Brasilien, 20. Jahrhundert (kein belegtes Datum)
- Auch bekannt als: Pif-Paf, Pif Paf, Cacheta (Variante mit Platzhalter), Pontinho, Fôrma, Pé Duro
- Ähnliche Spiele: Gin Rommé, Rommé, Conquian, Buraco, Tranca
Pife gehört zu den meistgespielten Kartenspielen Brasiliens. Die portugiesische Wikipedia schreibt, über seine Herkunft gebe es kaum Aufzeichnungen – es sei aber so beliebt, dass viele es für ein brasilianisches „Produkt“ halten. Sie nennt eine ganze Reihe regionaler Namen: Pif-Paf, Cacheta, Fôrma, Baralho, Pé Duro und Pontinho. Heute meint Cacheta allerdings meist die Form mit Platzhalter und Ausscheide-Wertung.
Wie Gin Rommé gehört Pife zu dem Zweig der Rommé-Familie, in dem die Kombinationen verdeckt auf der Hand bleiben, bis jemand mit einem Schlag ausmacht. Anders als beim Gin werden aber keine Restpunkte gezählt: Entweder du machst aus oder nicht. Gespielt wird mit zwei Blättern, damit bis zu acht Leute mitmachen können – deshalb darf ein Satz auch zweimal dieselbe Farbe enthalten, sobald drei verschiedene Farben dabei sind.
Beide Spiele sind auf brasilianischen Online-Plattformen groß. MegaJogos, einer der größten Online-Kartenräume des Landes, führt Pife und Cacheta als getrennte Spiele und veröffentlicht für beide Regeln. Im Detail spielt jeder Tisch etwas anders – mit wie vielen Punkten man startet (5, 7 und 10 kommen vor), ob der Platzhalter der Kartenfarbe (rot/schwarz) oder der Farbe der aufgedeckten Karte folgt und ob das Ass über dem König stehen darf. Die Regeln auf dieser Seite folgen deshalb der Beschreibung von MegaJogos; die anderen Spielweisen stehen bei den Varianten.