Stichvermeidungsspiel · Spiel 285 von 388 ♠
Polignac
Finger weg von den Buben – vor allem vom Pik-Buben, benannt nach einem verhassten französischen Minister von 1830.
- Spieler
- 3–8
- Dauer
- 30 Min.
- Alter
- ab 8
- Anspruch
- leicht
- Karten
- 32 Karten (7–A)
- Können – Glück
- KönnenGlück
- Jeder für sich – Viel Interaktion
- Jeder für sichViel Interaktion
- Einfach – Komplex
- EinfachKomplex
- Schnell – Lang
- SchnellLang
Stimmung lebhaftin 5 Minuten gelernt
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Ausführliche Regeln
Überblick
Polignac, auch Quatre Valets („vier Buben“) genannt, ist ein altes französisches Stichvermeidungsspiel. Ein Stich besteht aus je einer Karte aller Spieler; die höchste Karte der ausgespielten Farbe gewinnt ihn. Du willst keine Stiche bekommen, in denen ein Bube liegt – und vor allem nicht den Pik-Buben, genannt Polignac, der doppelt zählt. Wer zuerst eine vereinbarte Zahl von Strafpunkten beisammen hat, verliert. Heute spielt es kaum noch jemand; es steht wegen seiner Geschichte hier – und weil es sich immer noch gut spielt. Die Regeln folgen R. F. Fosters Complete Hoyle (1897), die französischen Regeln aus französischen Nachschlagewerken stehen unter Varianten. Sein Verwandter Slobberhannes bestraft stattdessen den ersten und letzten Stich und die Kreuz-Dame.
- Spieler: am besten 4; auch 5 bis 7 (zu dritt und zu acht unter Varianten).
- Du brauchst: 32 Karten – nimm aus einem normalen Kartenspiel die 2er, 3er, 4er, 5er und 6er heraus – und 20 Chips oder Spielmarken pro Spieler (oder einen Schreibblock).
Die Karten
Gespielt wird mit A K D B 10 9 8 7 jeder Farbe. Im französischen Spiel gilt eine ungewohnte Reihenfolge, von hoch nach niedrig:
K D B A 10 9 8 7
Der König ist am höchsten, das Ass steht zwischen Bube und 10. Trumpf gibt es nicht.
Ab fünf Spielern kommen außerdem Kreuz-7 und Pik-7 heraus; es bleiben 30 Karten.
Vorbereitung
- Geber: Der erste Geber wird ausgelost. Danach gibt reihum der linke Nachbar.
- Chips: Jeder beginnt mit 20 Chips (für eine kürzere Partie 10).
- Geben: Der Geber mischt und verteilt alle Karten im Uhrzeigersinn:
| Spieler | Karten | Jeder bekommt |
|---|---|---|
| 4 | 32 | 8 (zu 3, 2, 3) |
| 5 | 30 | 6 |
| 6 | 30 | 5 |
| 7 | 30 | 5 – der Geber bekommt keine Karten und setzt aus |
Capot
Bevor die erste Karte gespielt wird, darf jeder, der glaubt, alle Stiche zu machen, Capot ansagen. Die anderen versuchen dann, ihn aufzuhalten.
- Macht er alle Stiche, zahlt er nichts, und jeder andere zahlt 5 Chips – einen für jeden Buben und einen extra für Polignac.
- Verliert er auch nur einen Stich, wird normal abgerechnet: Jeder zahlt für die Buben, die er bekommen hat.
Das Spiel
- Der Spieler links vom Geber spielt zum ersten Stich aus – eine beliebige Karte.
- Die anderen legen reihum im Uhrzeigersinn je eine Karte dazu. Es gilt Bedienpflicht: Du musst die ausgespielte Farbe legen, wenn du kannst. Sonst darfst du jede Karte abwerfen – deine Chance, einen Buben loszuwerden.
- Die höchste Karte der ausgespielten Farbe gewinnt den Stich, in der Reihenfolge K D B A 10 9 8 7. Karten anderer Farben gewinnen nie.
- Wer den Stich gewinnt, spielt zum nächsten aus.
Buben bezahlen
Sobald du einen Stich mit einem Buben gewinnst, zahlst du in die Mitte:
| Bekommene Karte | Chips |
|---|---|
| jeder Bube (Herz, Karo, Kreuz) | 1 |
| Pik-Bube – Polignac | 2 |
Leg gewonnene Buben offen vor dich, damit alle sie sehen. Jedes Spiel kostet zusammen 5 Chips.
Beispiel: Anna spielt Herz-9 aus. Ben legt den Herz-Buben, Carla das Herz-Ass, Dan die Herz-10. Der Bube schlägt das Ass – Ben gewinnt seinen eigenen Buben und zahlt 1 Chip. Ben spielt Pik-8 aus; Carla hat kein Pik und wirft den Kreuz-Buben ab. Dan legt den Pik-Buben, Anna die Pik-7 – Dans Bube ist das höchste Pik, also bekommt Dan Polignac und den Kreuz-Buben: 3 Chips.
Spielende
Wer zuerst alle Chips verloren hat, verliert die Partie; alle anderen gewinnen. Mit Schreibblock notiert ihr stattdessen die Strafpunkte: Wer zuerst 20 (oder 10) hat, verliert. Spielt ihr um einen Einsatz, zahlt der Verlierer jedem anderen einen Chip für jeden Punkt, der diesem noch bis zum Ende fehlte.
Tipps für Einsteiger
- Denk an die ungewohnte Reihenfolge: Der Bube schlägt das Ass. Ein Ass ist recht sicher, ein König die gefährlichste Karte.
- Ein Bube ist am sichersten mit vielen niedrigen Karten seiner Farbe – König und Dame darüber fallen meist zuerst.
- Kannst du nicht bedienen, wirf deine Buben ab – am liebsten Polignac.
- Mit drei oder vier Königen und Damen in einer Farbe kannst du an Capot denken – aber ein verlorener Stich verdirbt alles.
Varianten
- Ass hoch: In England und Amerika galt laut Foster meist die Reihenfolge A K D B 10 9 8 7. Manche Quellen machen dann die Damen statt der Buben zu Strafkarten.
- Französische Regeln (aus französischen Nachschlagewerken des 19. und 20. Jahrhunderts):
- 3 bis 8 Spieler. Nehmt bei 3, 5 oder 6 Spielern die beiden roten 7er heraus, bei 7 Spielern alle vier 7er. Alle Karten werden zu zweit verteilt (bei ungerader Zahl zum Schluss noch eine). Zu dritt bekommt jeder 10 Karten, zu acht 4.
- Gegeben und gespielt wird gegen den Uhrzeigersinn; der Spieler rechts vom Geber spielt aus.
- Gespielt wird meist bis 20 Punkte, manchmal bis 50.
- Chelem: Wer alle Stiche macht, auch ohne Ansage, bekommt keine Punkte, alle anderen je 5.
- La Générale: Wer sie gleich nach dem Geben ansagt, spielt selbst aus. Scheitert er, bekommt er 5 Punkte, egal was er genommen hat, und die anderen zählen ihre Buben.
Hintergrund & Geschichte
- Familie: Stichvermeidungsspiel (Strafkarten: die Buben)
- Herkunft: Frankreich; 1830 benannt, das Spiel selbst wohl älter
- Auch bekannt als: Quatre Valets, Jeu des Valets, Four Jacks, Stay Away
- Ähnliche Spiele: Slobberhannes, Hearts, Black Maria, Knaves, Bassadewitz
Polignac trägt den Namen von Jules de Polignac, dem letzten Regierungschef des französischen Königs Karl X. Laut französischer und deutscher Wikipedia erschien das Spiel 1830, beim Sturz der Restauration, als Polignac Gegenstand öffentlicher Verachtung war – deshalb wurde die schlechteste Karte des Spiels, der Pik-Bube, nach ihm benannt. Die englische Wikipedia ergänzt, dass Polignac nach der Julirevolution von 1830 inhaftiert wurde, hält das Spiel selbst aber mit Andrew Pennycooks Book of Card Games (1982) für deutlich älter; es habe nur den Namen des Ministers übernommen. David Parlett nennt es ein französisches Spiel des 18. Jahrhunderts und einen Vorfahren von Hearts und Black Maria.
Die ungewohnte Reihenfolge – K D B A 10 9 8 7, das Ass unter dem Buben – ist typisch für alte französische Spiele. Die französische Wikipedia verweist auf einen anderen Spitznamen: In manchen älteren Spielen hieß der Kreuz-Bube Mistigri und war die beste Karte, während Polignac zur schlechtesten wurde. Französische Nachschlagewerke beschreiben das Spiel von Jean Boussacs Encyclopédie des jeux de cartes (1896) an, darunter Luc Mégrets Tous les jeux de cartes (1931), das la générale ergänzt, den angesagten Versuch, alle Stiche zu machen.
Auf Englisch führt R. F. Fosters Complete Hoyle (1897) Polignac als „Quatre-Valets, or Four Jacks“ und merkt an, dass die französische Reihenfolge in Frankreich üblich war, während Engländer und Amerikaner das Ass hoch ließen. Foster zählt es außerdem zu den älteren Vermeidungsspielen – mit Slobberhannes, Enflé und Schwellen –, die weitgehend von Hearts verdrängt worden waren. Enge Verwandte sind das britische Knaves, bei dem Stiche Punkte bringen und Buben Punkte kosten, und das deutsche Bassadewitz, erstmals Anfang des 19. Jahrhunderts belegt.