Kartenspielregeln

Patience (Klondike-Familie) · Spiel 292 von 388 ♥

Normandy (Gypsy)

Klondike mit zwei Blättern – acht Spalten, acht Zielstapel und eine neue Karte für jede Spalte, sobald du feststeckst.

Spieler
1
Dauer
25 Min.
Alter
ab 10
Anspruch
mittel
Karten
2 × 52 Karten, ohne Joker
Können – Glück
KönnenGlück
Jeder für sich – Viel Interaktion
Jeder für sichViel Interaktion
Einfach – Komplex
EinfachKomplex
Schnell – Lang
SchnellLang

Stimmung konzentriertin 5 Minuten gelernt

Sammlungen: Patiencen · Mit zwei Blättern

Kurzregeln

  • Ziel: alle 104 Karten auf 8 Zielstapel (2 pro Farbe), A → K in Farbe.
  • 2 Blätter. 8 Spalten zu 3: zwei verdeckt, eine offen. Rest (80) = Vorrat.
  • Auslage: absteigend, Farben wechseln. Folgen (oder ihren unteren Teil) als Ganzes verschieben. Freie verdeckte Karten aufdecken.
  • Leere Spalte: jede Karte oder Folge – muss nicht sofort gefüllt werden.
  • Karten von den Zielstapeln dürfen zurück in die Auslage.
  • Vorrat: jederzeit 1 Karte auf jede Spalte, auch auf leere. Kein neuer Durchgang.
  • Verloren, wenn der Vorrat leer ist und nichts Sinnvolles mehr geht.

Spickzettel

Was wohin darf

Wohin Was
Zielstapel erst Ass, dann gleiche Farbe, eins höher
Auslage eins niedriger, andere Farbgruppe
Verschieben angelegte Folge oder ihr unterer Teil
Leere Spalte jede Karte oder Folge
Vom Zielstapel oberste Karte zurück in die Auslage
Vorrat 8 Karten, je eine pro Spalte, 10-mal

Tipps und Varianten

  • Vor jedem Nachlegen so viele verdeckte Karten aufdecken wie möglich – danach sind sie zugedeckt.
  • Leere Spalten zum Parken und Ausgraben nutzen; Folgen so schieben, dass das Nachlegen wenig schadet.
  • Überwiegend Können: Wer gut plant, gewinnt oft.
  • Yeast Dough: alle 24 Karten offen. Irmgard: 9 Spalten, nur ein König füllt eine Lücke. Drei Blätter: 12 Spalten, 12 Zielstapel.

Ausführliche Regeln

  1. Überblick
  2. Rangfolge und Farben
  3. Die Teile der Auslage
  4. Vorbereitung
  5. Spielablauf
  6. Gewonnen oder verloren
  7. Tipps für Einsteiger
  8. Varianten

Überblick

Normandy ist eine große Patience (ein Kartenspiel für eine Person, auch Solitär genannt) mit zwei Blättern, die sich ganz ähnlich wie Klondike spielt. Du versuchst, alle 104 Karten auf acht Stapel zu sortieren, zwei pro Farbe, jeweils vom Ass bis zum König. In der Auslage legst du absteigend in wechselnden Farben an und darfst ganze Folgen verschieben – und steckst du fest, kommt auf jede Spalte eine neue Karte. Das Spiel gehört zu den Standardspielen der Patience-Programme unter Linux. Meist heißt es dort Gypsy; wir folgen KDE, das es in Normandy umbenannt hat, weil viele dieses Wort als abwertend empfinden.

  • Spieler: 1
  • Du brauchst: zwei normale Blätter mit je 52 Karten ohne Joker (104 Karten), zusammengemischt, und einen großen Tisch.
  • Dauer: etwa 20–30 Minuten pro Spiel.

Rangfolge und Farben

Das Ass ist die niedrigste Karte. Von unten nach oben:

A – 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – 7 – 8 – 9 – 10 – B – D – K

♥ Herz und ♦ Karo sind die roten Farben, ♠ Pik und ♣ Kreuz die schwarzen.

Die Teile der Auslage

  • Auslage: acht Stapel (Spalten), in denen du die Karten umsortierst. Die Karten einer Spalte liegen nach unten versetzt, sodass jede offene Karte zu sehen ist. Die letzte Karte einer Spalte ist die, die dir am nächsten liegt und von keiner anderen bedeckt ist.
  • Zielstapel: acht Plätze oberhalb der Auslage, zu Beginn leer. Jeder wird mit einem Ass eröffnet und aufsteigend in derselben Farbe aufgebaut: die 2 derselben Farbe, dann die 3 und so weiter bis zum König. Jede Farbe bekommt zwei Zielstapel.
  • Vorrat: der verdeckte Stapel mit den Karten, die nach dem Auslegen übrig bleiben. Aus ihm verteilst du neue Karten auf die Spalten.

Vorbereitung

  1. Misch beide Blätter zusammen.
  2. Leg drei Reihen mit je acht Karten aus, jede Reihe leicht versetzt über der vorigen: die ersten beiden Reihen verdeckt, die dritte offen. So entstehen acht Spalten mit je drei Karten – zusammen 24 Karten.
  3. Die übrigen 80 Karten legst du verdeckt als Vorrat beiseite. Lass oberhalb der Auslage Platz für acht Zielstapel.
AAAAAAAAZielstapel9♠9♠♠A♦A♦♦5♥5♥♥K♣K♣K8♥8♥♥4♣4♣♣10♦10♦♦D♠D♠D80Vorrat
Normandy – so liegen die Karten am Anfang

Spielablauf

Es gibt keine Runden – du machst einen Zug nach dem anderen, in beliebiger Reihenfolge.

  1. Auf einen Zielstapel: Ein Ass, das letzte Karte einer Spalte ist, kommt auf einen leeren Zielstapel. Darauf baust du in derselben Farbe aufwärts, mit letzten Karten aus der Auslage.
  2. In der Auslage anlegen: An die letzte Karte einer Spalte darfst du eine Karte legen, die einen Rang niedriger ist und die andere Farbgruppe hat – eine rote 8 an eine schwarze 9, eine schwarze 3 an eine rote 4. Man sagt: absteigend in wechselnden Farben anlegen.
  3. Folgen verschieben: Offene Karten am Ende einer Spalte, die richtig angelegt sind (absteigend, Farben wechseln), darfst du als Ganzes verschieben, wenn ihre höchste Karte dort passt. Du darfst auch nur den unteren Teil so einer Folge verschieben.
  4. Aufdecken: Wird eine verdeckte Karte zur letzten Karte ihrer Spalte, drehst du sie um. Sie ist jetzt im Spiel.
  5. Leere Spalten: Eine leere Spalte darfst du mit jeder letzten Karte oder jeder Folge besetzen, die du verschieben darfst. Du musst sie nicht sofort füllen.
  6. Zurück aus dem Zielstapel: Die oberste Karte eines Zielstapels darfst du wieder in die Auslage legen, wenn sie dort passt – etwa damit eine andere Karte daran Platz findet.
  7. Karten aus dem Vorrat: Wann immer du willst – meist, wenn du feststeckst –, legst du auf jede der acht Spalten eine Karte offen, von links nach rechts, auch auf leere. Die neuen Karten decken einfach zu, was dort liegt. Die 80 Karten des Vorrats reichen für zehn solche Runden. Einen neuen Durchgang gibt es nicht.

Beispiel: Im Bild oben legst du das A♦ auf einen Zielstapel und deckst die Karte darunter auf. Die 8♥ kommt an die 9♠, und du deckst die Karte unter der 8♥ auf: die 7♣, die an die 8♥ passt. Die Folge 9♠ 8♥ 7♣ darf jetzt als Ganzes an eine rote 10 – an die 10♦ in Spalte 7 –, und in Spalte 1 deckst du die nächste verdeckte Karte auf.

Gewonnen oder verloren

Du hast gewonnen, wenn alle 104 Karten auf den acht Zielstapeln liegen. Ist der Vorrat aufgebraucht und geht kein sinnvoller Zug mehr, ist die Patience nicht aufgegangen. PySolFC stuft das Spiel als „überwiegend Können“ ein: Wer vor jedem Nachlegen gut plant, gewinnt viele Spiele.

Tipps für Einsteiger

  • Bevor du nachlegst, deck so viele verdeckte Karten auf wie möglich – sind sie erst wieder zugedeckt, kommst du viel schwerer an sie heran.
  • Leere Spalten sind dein bestes Werkzeug: Dort parkst du Folgen und gräbst verschüttete Karten aus. Füll sie nicht ohne Grund.
  • Züge, die verdeckte Karten freilegen, sind wichtiger als Züge, die eine Spalte nur ordentlicher machen.
  • Leg niedrige Karten früh auf die Zielstapel – du kannst sie ja zurückholen, wenn du sie für eine Folge brauchst.
  • Schieb kurz vor dem Nachlegen die Folgen so, dass die neuen Karten möglichst wenig Schaden anrichten.

Varianten

Alles freiwillig – vor dem Spiel festlegen. Die Varianten stammen aus der Sammlung PySolFC.

  • Yeast Dough: Alle 24 Karten der Auslage liegen offen. Leichter.
  • Irmgard: neun Spalten; unter der offenen Karte liegen 0, 1, 2, 3, 4, 3, 2, 1, 0 verdeckte Karten. Eine leere Spalte darf nur mit einem König (oder einer Folge mit einem König an der Spitze) besetzt werden. Beim letzten Nachlegen bekommen nur sieben Spalten eine Karte.
  • Drei Blätter: drei Blätter zusammenmischen und zwölf Spalten auslegen, mit zwölf Zielstapeln.

Hintergrund & Geschichte

  • Familie: Patience (Klondike-Familie: verdeckte Karten in den Spalten, absteigend in wechselnden Farben anlegen)
  • Herkunft: unbekannt; bekannt aus Patience-Programmen für den Computer (Atari ST, xpat2, PySol)
  • Auch bekannt als: Gypsy, Double Easthaven
  • Ähnliche Spiele: Easthaven, Klondike, Miss Milligan, Spider, Irmgard, Yeast Dough

Gypsy ist eine Patience mit zwei Blättern, die man eher vom Bildschirm kennt als aus Büchern. Sie gehört zu den Spielen der Patience-Programme der beiden großen Linux-Oberflächen, AisleRiot (GNOME) und KPatience (KDE), und ist Spiel Nummer 1 in PySol, der großen freien Patience-Sammlung. Deren Autor Markus Oberhumer nennt Gypsy sein Lieblingsspiel und „vermutlich den Grund, warum ich überhaupt mit PySol angefangen habe“. Kennengelernt hat er es nach eigenen Worten in Patience, einem Programm von Volker Weidner für den Atari ST; weil es offenbar keinen offiziellen Namen gab, übernahm er den Namen Gypsy aus einem anderen Programm, xpat2.

KPatience führt das Spiel als Normandy: Laut Handbuch ist es zwar auch als „Gypsy“ bekannt, doch weil viele den Begriff als abwertend und beleidigend empfinden, wählte das Team einen anderen Namen. PySolFC nennt außerdem Double Easthaven – und tatsächlich spielt sich Gypsy wie eine Fassung von Easthaven mit zwei Blättern, bei der jedes Mal eine neue Reihe auf die Spalten kommt, wenn nichts mehr geht. Anders als bei Easthaven darf aber jede Karte in eine leere Spalte, und Karten dürfen von den Zielstapeln zurückgeholt werden.

Das Verteilen einer Karte auf jede Spalte verbindet Gypsy mit Spider und Miss Milligan, die PySolFC ebenfalls als Spiel vom Gypsy-Typ führt; das absteigende Anlegen in wechselnden Farben und das Aufdecken verdeckter Karten stammen von Klondike. PySolFC kennt eine ganze Familie von Verwandten, darunter Irmgard mit neun Spalten und Yeast Dough, bei dem alle Karten offen ausgelegt werden.

Quellen